Fußball: Sportliches Multitalent hilft Flüchtlingen

Fußball: Sportliches Multitalent hilft Flüchtlingen

Eine Karriere im Handball, Tennis und Golf hat der Hinsbecker vorzuweisen. Seine Kenntnisse als Tennistrainer nutzt er inzwischen wieder.

Wer in den vergangenen beiden Freiluftspielzeiten auf der Tennisanlage des TV Lobberichs vorbeischaute, der bekam regelmäßig auch engagierte Trainingsgruppen mit minderjährigen Flüchtlingen zu sehen. Trainiert wurden die Jungs von einem altbekannten Sportsmann: Roland Geratz, einem gestandenen Nettetaler Tennislehrer, der eigentlich schon vor 25 Jahren seinen Tennisschläger an den berühmten Nagel gehängt und sich seither dem Golfsport verschrieben hatte.

Doch seit Frühjahr 2016 bietet der rüstige, mittlerweile 77-jährige Hinsbecker ein selbst organisiertes Tennistraining für jugendlichen Asylbewerber aus Krisenstaaten wie Afghanistan, Syrien oder dem Irak an. Sein Freund Wilfried Niederbröcker, Vorstandsmitglied bei der Evangelischen Jugend- und Familienhilfe Nettetal und auch tätig in der Flüchtlingshilfe Nettetal, bat ihn um Rat, wie man mit Hilfe des Sports zur Integration von jugendlichen Asylbewerbern beitragen könne.

Spontan erinnerte sich das Nettetaler Urgestein an seine Zeit als Tennislehrer und setzte seine Idee prompt in die Tat um. Vom Vorstand der Tennisabteilung des TV Lobberich erhielt er viel Zuspruch und Unterstützung in Form von Schlägern, Bällen und Trikots sowie der Bereitstellung eines Trainingsplatzes. Fortan trainierte er zehn minderjährige Flüchtlinge in zwei Gruppen.

"Die Jungs waren von Beginn mit Motivation und großem Eifer dabei, obwohl Tennis für sie bis dato völlig fremd war", schildert Geratz die ersten Trainingseinheiten. "Die Zusammenarbeit macht mir selbst auch sehr viel Spaß, denn die Jungs geben mir jede Menge zurück", sagt der Hinsbecker und zeigt sich nach wie vor beeindruckt über das faire Miteinander und die großen spielerischen Fortschritte.

Auch bei seinen Schützlingen und auch den Verantwortlichen der Flüchtlingshilfe Nettetal stößt das Training auf sehr positive Resonanz. "Sport ist einfach eine effektive Möglichkeit zur Integration, das zeigt sich auch hier wieder sehr deutlich", erklärt Roland Geratz und spricht aus eigener Erfahrung.

Denn Sport besaß schon früh in seiner Jugend einen hohen Stellenwert in seinem Leben. Zunächst spielte Geratz Handball, vor allem auf dem Feld, und brachte es auch zu höheren Weihen. Doch das athletisch Spiel ging bei ihm auf die Knochen, 1968 legte ihm sein Arzt nahe, Handball aus gesundheitlichen Gründen aufzugeben.

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Stattdessen nahm nahm ihn der in Lobberich sehr geschätzte Arzt Dr. Jürgen Albig jeden Samstag mit zur Tennisanlage des TC Grün-Weiß Lobberich und brachte ihm in anderthalb Jahren das Spiel mit der gelben Filzkugel bei. Roland Geratz war auch hier von Anfang an mit großem Ehrgeiz bei der Sache und bewies auch in dieser Sportart viel Talent. Schnell erkämpfte er sich in der ersten Mannschaft einen Stammplatz, doch dies reichte ihm bald nicht mehr.

Weil er das Fehlen geeigneter Tennistrainer in Nettetal bemängelte, beschloss er, selbst die Tennistrainerlizenz zu erlangen. In Wochenendseminaren absolvierte er 1974 den Trainerschein C, später auch die B-Lizenz und wurde Mitglied im Verband Deutscher Tennislehrer. Fortan gab er sowohl Einzeltraining wie auch Training für Jugendmannschaften und gründete dabei auch leistungsorientierte, vereinsübergreifende Spielgemeinschaften zwischen Grün-Weiß Lobberich und dem TSV Kaldenkirchen.

Doch 1992 kam die nächste Hiobsbotschaft. "Die Knochen und Sehnen machten nicht mehr mit. Ich konnte nicht mehr auf meinem Niveau spielen, ohne enorme, gesundheitliche Schäden zu riskieren", sagt Roland Geratz und ergänzt: "Dass ich den Tennissport aufgeben musste, hat damals richtig weh getan." Da war es es ein großer Glücksfall, dass gerade der Hinsbecker Golfclub Haus Bey aus der Taufe gehoben wurde.

Roland Geratz und seine Frau Ellen wurden Gründungsmitglieder. Bis heute hat die Leidenschaft für den Golfsport nicht nachgelassen. Bei guten Wetter steht der Rentner nach Möglichkeit dreimal pro Woche auf dem Platz. Zuletzt zwang ihn allerdings ein Achillessehnenriss zu einer sechsmonatigen Pause. Für die nächsten Wochen hat er aber sein Comeback auf dem Golfplatz fest im Visier.

Wenn die Freiluft-Tennisplätze wieder zu bespielen sind, wird Geratz aber auch sein Tennistraining für unbegleitete Flüchtlinge fortsetzen. Zwei besonders talentierten Spielern möchte Geratz dann auch die Möglichkeit verschaffen, in einer Mannschaft des TV Lobberich zu spielen. "Diese Möglichkeit werde ich in den nächsten Wochen mit dem TV Vorstand besprechen", erklärt Roland Geratz - ein weiterer Beitrag zur Integration von Flüchtlingen in Nettetal.

(anko)
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