So kommt die Handball-WM bei den Vereinen im Grenzland an

Handball: So kommt die Handball-WM im Grenzland an

Die Handballwelt guckt aktuell nach Deutschland und Dänemark. Klar, dass die WM auch Auswirkungen auf die Amateurvereine in der Region hat. Trotz aller Begeisterung auch negative. 

Nach dem Debakel bei der Europameisterschaft im vergangenen Januar herrschten lange Zeit große Vorsicht und Zurückhaltung im deutschen Handballlager. Doch in den vergangenen Wochen änderte sich das. Die Vorfreude auf die Weltmeisterschaft im eigenen Land steigerte sich beinahe täglich. Seit vorgestern fliegt der Ball nun in Berlin. Ob aus der Vorfreude wie 2007, als Deutschland im eigenen Land den Titel holte, eine Welle der Begeisterung oder gar ein Handball-Boom erwächst, haben die Spieler und das Team um sie herum selbst in der Hand. Am Donnerstag legten die deutschen Handballer den Grundstein. Zum Auftakt der Weltmeisterschaft bezwangen sie Korea 30:19. Heute muss der nächste Schritt im Spiel gegen Brasilien folgen. Wir haben uns mal bei den Handballvereinen im Grenzland umgehört, was sie von der WM erwarten.

„Ich freue mich sehr darauf. Ich hoffe, dass die Mannschaft weit kommt. So wie 2007. Das wäre was Schönes. Aber das Halbfinale wäre schon echt gut“, sagt Lobberichs Männertrainer Christopher Liedtke. Nicht ganz so weit geht Kaldenkirchens Coach Rüdiger Winter: „Der Handball kann jeden Erfolg brauchen. Das hat man 2007 gesehen. Aber ich glaube nicht, dass sie Weltmeister werden. Da sind andere wie Frankreich abgezockter.“ Selbstverständlich lassen sich die Trainer es sich nicht nehmen, bei der Hauptrunde in Köln live dabei zu sein. Dort wollen sie das deutsche Team anfeuern. „Das darf man sich nicht entgehen lassen“, sagt Winter.

Rüdiger Winter glaubt nicht an einen deutschen WM-Titel. Foto: Lars Fröhlich

Auch Elmar Gronsfeld, der Trainer der Handballerinnen aus Waldniel, fährt nach Köln. „Ich freue mich sehr auf die Spiele und sehe mir mit ein paar Kollegen von Treudeutsch Lank die Hauptrunde am 19. Januar in Köln an. Leider haben wir die Tickets spät bestellt und so nur Tageskarten für 179 Euro bekommen. Das ist zwar ein stolzer Preis, aber acht Weltklassemannschaften bekommt man wohl nur noch selten an einem Tag zu sehen“, meint Gronsfeld. Die Handballer des TV Boisheim setzen noch einen drauf. „Wir haben zur Hauptrunde am 19. Januar einen Reisebus gechartert und fahren mit 60 Personen zu den Spielen“, berichtet Lars Hagemann, Trainer des Bezirksligisten. Die, die nicht so tief in die Tasche greifen wollen, setzen sich vor den Fernseher – in kleinen oder großen Gruppen. So feiert der TSV Kaldenkirchen heute im TSV-Vereinsheim den siebten Geburtstag seiner Handball-Halle, liebevoll Hölle West genannt. Da gehört das Länderspiel gegen Brasilien auf der Großleinwand natürlich dazu.

Elmar Gronsfeld will sich WM-Spiele in Köln ansehen.⇥ Archivfoto: Siemes Foto: Verein
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Einig sind sich alle Trainer, dass nur Erfolge der deutschen Mannschaft den Handball nachhaltig nach vorne bringen können. „Wenn die deutsche Mannschaft am Ende nur so um den neunten Platz landet, wird das für die kleinen Vereine wohl keinen positiven Effekt haben“, meint Hagemann. Thomas Stolzenberg, Trainer des Männer-Landesligisten ASV Süchteln, ist sich sehr sicher, dass die WM sich auch auf die kleineren Vereine positiv auswirken kann. „Wenn wir weit kommen, wird das unserem Sport helfen, das hat man im letzten Jahr auch im Hockey beobachten können, als das deutsche Team bei der WM sehr erfolgreich war. Die Zugänge werden aber zu über 99 Prozent im Jugendbereich sein. Ich selber habe noch nie erlebt, dass es im Seniorenbereich nach einer erfolgreichen Weltmeisterschaft Zuläufe gab“, erklärt Christoph Muth, Trainer der Verbandsliga-Frauen des ASV Süchteln.

Die Amateure müssen allerdings zugunsten der WM zurückstecken. Der Meisterschaftsspielbetrieb ruht, nicht mal Testspiele sind gerne gesehen. Für einige ist das eine bittere Pille, andere bewerten das positiver. So sieht Elmar Gronsfeld diese Entscheidung ausgesprochen positiv: „Ich finde das eine tolle Idee, denn so ist die Konzentration auf die WM noch größer, und die Spielerinnen können ihre Verletzungen noch besser auskurieren.“ Die längere Pause bewertet auch Stolzenberg positiv. „Die Spieler können auch die Spiele an den Wochenenden sehen, allerdings wird die Saison dann doch sehr lang“, sagt er. Hagemann bewertet das ganz anders. „Das ist sehr, sehr ärgerlich. So wird die Saison erst Ende Mai beendet sein, zumal im April auch nur an einem Wochenende gespielt wird.“

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