SC Union Nettetal vor dem zweiten Jahr in der Fußball-Oberliga

Fußball : Der SC Union Nettetal hat Lust auf ein weiteres Oberliga-Abenteuer

Nach sechs Wochen Vorbereitung stehen die Nettetaler vor ihrem zweiten Jahr in der fünfthöchsten Spielklasse.

Die Generalprobe für den Saisonstart am kommenden Wochenende in der Fußball-Oberliga ist schon mal gehörig danebengegangen. Der SC Union Nettetal schied am vergangenen Samstag in der ersten Runde des Niederrheinpokals beim klassentieferen SV Burgaltendorf (Landesliga) mit 1.2 aus. Oder positiv ausgedrückt: Im Gegensatz zur vergangenen Saison, in der die Nettetaler auch im Pokal begeisterten und sich erst im Viertelfinale RW Essen geschlagen geben mussten, kann von Beginn an die volle Konzentration auf die Meisterschaft gelegt werden.

Das könnte sich als nicht unerheblicher Vorteil erweisen, denn eine alte Fußballweisheit besagt, dass es Aufsteiger nach einem geglückten Klassenverbleib gerade im zweiten Jahr besonders schwer haben. Wobei noch schwerer als in der vergangenen Spielzeit kaum vorstellbar ist, schließlich mussten die Nettetaler physisch wie mental an ihre Grenzen gehen, um sich als Neuling in einer bärenstarken Oberliga zu behaupten. Letztlich dauerte es bis zum letzten Spieltag, ehe der Klassenverbleib nach dem 0:0 gegen Meister VfB Homberg in trockenen Tüchern war. Doch Chefcoach Andreas Schwan schwört sein Trainerteam und die Mannschaft darauf ein, dass es wieder nur reichen wird, wenn von Woche zu Woche an die Grenzen und darüber hinausgegangen wird. „Die Oberliga ist insgesamt stärker geworden, es wurde viel Geld investiert. Viele Mannschaften haben Ambitionen angemeldet und sich mit Spielern aus der Regionalliga verstärkt“, erklärt Schwan.

Die Nettetaler sind dagegen ihrem Konzept treu geblieben, in erster Linie auf junge, entwicklungsfähige  Spieler mit großem Potenzial zu setzen. Weil im Gegenzug erfahrenere Spieler wie Blerim Rrustemi (36), Michael Enger (30) und Bastian Levels (28) den Verein verließen, ist der Altersschnitt noch mal gesunken. „Wir haben eine hungrige Truppe, die sich weiterentwickeln will. Das Abenteuer Oberliga geht weiter, und da haben wir richtig Bock drauf“, betont Andreas Schwan. So lag ein Schwerpunkt der am 4. Juli begonnen Vorbereitung darauf, die Neuzugänge schnellstmöglich zu integrieren. Das scheint gut gelungen, schließlich ist der Trainer davon überzeugt: „Da wächst etwas zusammen.“ Doch der Mannschaftsgeist war natürlich nur eine für den Erfolg wichtige Komponente.

Zudem arbeiteten die Nettetaler in den ersten drei Wochen der Vorbereitung an den körperlichen Grundlagen für eine kräftezehrende Spielzeit, danach machte sich das Trainerteam daran, der Mannschaft weiteres taktische Rüstzeug mit auf den Weg zu geben. Schließlich hatte die vergangene Saison gezeigt, dass sich der SCU immer dann schwer tat, wenn er längere Ballbesitzphasen hatte und selbst das Spiel machen musste. Sicher auch ein Grund, wieso die Nettetaler unter dem Strich mit 45 Treffern die wenigsten Tore alle Oberligisten erzielten. Abhilfe soll schaffen, dass die Mannschaft künftig neben dem bewährten 4:4:2 situationsabhängig ein offensiv interpretiertes 4:3:3 spielen kann. „Damit werden wir ein Stück weit handlungsfähiger. Wir wollen flexibel sein, je nach Personal und Lage“, erklärt Andreas Schwan.

Ausschlaggebend für die Wahl des Alternativsystems war auch die neue Mannschaftsstruktur. Schließlich ist in Jack James Hobson-McVeigh ein klassischer Abräumer vor der Abwehr hinzugekommen, an dessen Seite Mittelfeldspieler mit Offensivdrang wie etwa Dominik Dohmen, Pascal Regnery und Zugang Drilon Estrefi ihre Qualitäten gut entfalten können. Zudem ist durch Luca Esposito und Mihai Bogoiu noch mehr Tempo für die offensiven Außenbahnen hinzugekommen. Dass die letzten Ergebnisse der Vorbereitung mit der 1:3-Finalniederlage im Burgpokal gegen den SV Straelen sowie dem 1:2 im Test gegen den Mittelrheinligisten FC Hürth nicht stimmten und dann auch das Aus im Niederrheinpokal kam, bereitet Andreas Schwan keine schlaflosen Nächte: „Das waren alles starke Gegner. Ich sehe uns auf einem guten Weg.“

Richtig ernst wird es am Sonntag im ersten Saisonspiel daheim gegen den ETB SW Essen. Die Mannschaft, gegen die Nettetal im ersten Oberliga-Heimspiel der Vereinsgeschichte vor ziemlich genau einem Jahr mit einem 2:1-Sieg für eine Überraschung sorgte. Kein schlechtes Omen also.

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