SC Union Nettetal mit schlechten Aussichten in der Fußball-Oberliga

Fußball-Oberliga : Oberligist ist auf der Suche nach der richtigen Balance

Es sieht nicht gut aus für den SC Union Nettetal. In einer noch mal stärker gewordenen Oberliga stecken die Nettetaler in der zweiten Saison nach dem Aufstieg in der Abstiegszone fest. Es gibt zahlreiche Probleme, aber auch Mutmacher.

Es war zwar eine Leistungssteigerung im Vergleich zur Vorwoche beim 2:5 gegen TuRU Düsseldorf, doch letztlich war das 1:1 im Kellerduell daheim gegen den SC Velbert für den SC Union Nettetal am vergangenen Sonntag zu wenig. Mit einem Sieg wären die Nettetaler nicht nur an den Velbertern vorbeigezogen, sie hätten vor allem vor dem spielfreien Wochenende den Abstand zu den Nichtabstiegsplätzen auf fünf Zähler verkürzen und – noch viel wichtiger – etwas fürs angeknackste Selbstvertrauen tun können.

Denn bis zur Winterpause stehen gegen den 1. FC Bocholt, ETB SW Essen (beide auswärts) und den FC Kray noch drei ganz schwere Spiele an. Und in denen sollten die Nettetaler noch den einen oder anderen überraschenden Punkt holen, denn sonst sieht es in der zweiten Oberliga-Spielzeit der Vereinsgeschichte ganz düster in Sachen Klassenverbleib aus. Aktuell haben die Nettetaler gerade mal zwölf Zähler und hinken ihrer Punkteausbeute aus der Vorsaison deutlich hinterher (damals nach 15 Spieltagen 21).

Dass es so weit gekommen ist, dafür gibt es gleich mehrere Gründe, die teils auch ineinander greifen. Ausgangspunkt aller Probleme war offenbar der an sich richtige Ansatz des Trainerteams, die Mannschaft im zweiten Jahr nach dem Aufstieg spielerisch weiterzuentwickeln, den Fokus nicht primär aufs Umschaltspiel zu legen, sondern ihr auch mehr Optionen gegen tief stehende Gegner mit auf den Weg zu geben. Was in der Vorbereitung noch gut geklappt hatte, sorgte nach den ersten Misserfolgen für Verunsicherung. Dann dauerte es auch nicht mehr lange, bis sich im damals noch üppigen Kader unzufriedene Spieler zu Wort meldeten und kurz vor Ende der Wechselfrist das Weite suchten.

Die Nettetaler besserten personell noch mal nach und kehrten spielerisch zu bewährten Mustern zurück. Das führte zwischen dem sechsten und zehnten Spieltag mit zehn Punkten aus fünf Partien zwar zu einem kurzen Aufschwung, auch weil es weniger Gegentore gab. Doch nach mittlerweile wieder fünf Partien ohne Sieg zeichnet sich ab, dass den Nettetalern der Mut und die Frechheit der Vorsaison abhandengekommen sind. Genau diese Attribute führten damals dazu, dass es gerade gegen die vermeintlich übermächtigen Teams immer wieder überraschende Punkte gab. Das gelingt diese Saison bislang nicht. Wobei es einfach auch so zu sein scheint, dass die Liga qualitativ noch mal zugelegt hat und die Nettetaler mit ihren (finanziellen) Möglichkeiten an Grenzen stoßen.

Dennoch, irgendwie scheinen die Unioner auf der Suche nach der richtigen Balance: Sollen sie Risiko gehen, um die nötigen Tore zu erzielen oder sollen sie eher defensiver agieren, um die Gegentorflut einzudämmen. Während es bislang zu nur 19 eigenen Treffern reichte (zehn davon erzielte alleine Dimitrios Touratzidis), zappelte der Ball schon 38-mal im eigenen Netz. Nettetal schaffte es noch nicht ein einziges Mal, zu null zu spielen. Auch wegen anhaltender personeller Probleme gelingt es einfach nicht, als Team konstant defensive Stabilität aufs Feld zu bringen. Und wenn doch, sind es oftmals hanebüchene individuelle Fehler, die gute Ansätze zunichtemachen. Stichwort Verunsicherung – siehe oben. Vielfach fehlt aber auch das viel beschworene Matchglück.

Mut kann den Nettetalern machen, dass sie in den vergangenen Wochen mehrfach dicht an einem Überraschungserfolg dran waren. Positiv ist auch, dass trotz des unglücklichen Saisonverlaufs noch keine Auflösungserscheinungen zu erkennen sind. Auch nach den heftigsten Rückschlägen ist es Andreas Schwan, dem die SCU-Verantwortlichen kürzlich eine Jobgarantie aussprachen, und seinem Trainerteam gelungen, die Mannschaft wieder zu stabilisieren. In den Spielen bis zur Winterpause ist aber noch mehr gefordert, es bräuchte mal wieder ein richtiges Ausrufezeichen.

Mehr von RP ONLINE