Rene Jansen im Interview über seinen Abschied vom SV Straelen

Fußball : „Eine schwere Zeit mit schlaflosen Nächten“

Der Viersener wird nicht mehr für den Regionalligisten SV Straelen auflaufen. Grund ist ein Streit über einen Einsatz in der Reserve.

Als Fußball-Regionalligist SV Straelen am vergangenen Wochenende auf eigenem Platz 1:1 gegen die Reserve von Borussia Dortmund spielte, da fehlte wieder der Viersener René Jansen im Aufgebot. Und jetzt ist auch klar, dass der 28 Jahre alte Stürmer überhaupt nicht mehr für die Straelener spielen wird. Grund ist eine Meinungsverschiedenheit zwischen Verein und Spieler, die ihren Ursprung im Heimspiel gegen den Bonner SC am 6. Oktober hat. Nach Darstellung des SVS soll Jansen nicht bereit gewesen sein, für die Reserve in der Kreisliga A zu spielen, nachdem er für die Partie gegen Bonn nicht im 18er Kader stand. Zwar ließen die Straelener einer Hintertür für eine Rückkehr offen, wenn Jansen und der ebenfalls betroffen Randy Grens die obligatorische Geldstrafe zahlen und sich bei der Mannschaft entschuldigen würden, doch darauf ging Jansen nicht ein. Warum, das erklärt er im Interview mit unserer Redaktion. Als wir in der vergangenen Woche über den Fall berichteten, wollte der Viersener zunächst noch letzte Details klären, bevor er sich äußert. Jetzt ist es Jansen wichtig, seine Sicht der Dinge darzulegen.

Herr Jansen, wieso äußern Sie sich erst jetzt?

Jansen Das war eine schwere Zeit für mich mit einigen schlaflosen Nächten. Was da teils zu dem Thema veröffentlicht wurde, ist nicht korrekt. Ich habe mir das ganz noch mal reiflich überlegt und finde es wichtig, noch mal abschließend etwas klarzustellen.

Ist es denn jetzt so, dass Sie nicht für die Straelener Reserve in der Kreisliga A spielen wollten?

Jansen Das stimmt, hatte aber keine sportlichen Gründe. Ich habe erst spät am Abend vor dem Spiel gegen den Bonner SC erfahren, dass ich nicht im Kader bin. Natürlich fand ich das nicht gut, aber dennoch bin ich tags darauf zum Spiel gefahren, um meine Mannschaftskameraden zu unterstützen. Erst nach dem Spiel wurde mir dann per WhatsApp mitgeteilt, dass ich tags darauf in der Kreisliga A spielen soll. Doch dann habe ich sofort allen Verantwortlichen mitgeteilt, dass das nicht geht, weil ich da eine wichtige Familienfeier hatte. Ich bin im Gegensatz zu vielen Straelenern Amateur und muss neben meinem Beruf mein Privatleben genau planen, weil ich für den Fußball einen hohen Aufwand betreibe. Diese Feier stand schon lange fest, die konnte ich nicht einfach sausen lassen.

Es hieß, Sie seien wegen schlechter Trainingsleistungen nicht in den Kader für das Spiel gegen den BSC berufen worden.

Jansen Das hat mir der Trainer so nicht gesagt. In der Kaderliste stand die Begründung, dass das mit der U23-Regelung zu tun hat. Es müssen pro Partie vier Spieler im Kader stehen, die unter 23 sind. Wenn dann die erste Elf aus älteren Spielern besteht, wird es schon schwer, noch auf die Bank zu kommen. Zumal Straelen kurz zuvor in Tugrul Erat auch noch einen neuen Spieler verpflichtet hatten, der über 23 ist. Und für das Spiel gegen Bonn wollte der Trainer eben Randy und mich mal draußen lassen. Zuvor habe ich regelmäßig gespielt, bin auf zehn Einsätze und zwei Tore gekommen.

Wie ist denn nach Ihrer Absage für das Kreisliga-A-Team weitergegangen?

Jansen Dann kam ziemlich schnell die Antwort, dass ich 200 Euro Strafe zahlen oder den Verein verlassen müsse, wenn ich nicht in der Reserve spielen würde. Darauf habe ich geschrieben, dass ich die Familienfeier nicht verpassen kann und wir uns eine andere Lösung überlegen müssten. Am Montag darauf war ich normal beim Training, am Dienstag vor dem Training fragte mich Trainer Marcus John, ob ich die Geldstrafe bezahle. Als ich gesagt habe, dass ich das nicht einsehe, wurde ich vom Mannschaftstraining entbunden.

Wie haben Sie das denn aufgenommen?

Jansen Ich war total enttäuscht und sauer und habe ganz schlecht geschlafen. Ich bin dann am Freitag noch mal zum Training gegangen und habe mich von der Mannschaft, vom Trainer und der sportlichen Leitung verabschiedet. Aus der Mannschaft habe ich gehört, dass ich nicht gehen soll.

Der Verein hat geäußert, er sei Ihnen entgegengekommen, indem er die Strafe auf 100 Euro reduziert habe. Mit einer zusätzlichen Entschuldigung vor dem Spiel gegen Aachen wäre das Thema erledigt gewesen.

Jansen Das habe ich auch in den Medien gelesen, aber persönlich ist das nie an mich herantragen worden. Und ich kann schlecht auf etwas reagieren, das mir nicht persönlich mitgeteilt wurde. Hätte jemand mit mir gesprochen, hätte er erfahren, dass ich vor der Partie gegen Aachen wegen Rückenproblemen krankgeschrieben war und gar nicht zum Training hätte kommen können.

Vieles scheint also ein Kommunikationsproblem zu sein. Wird den im Fußball nur noch über das Handy kommuniziert?

Jansen Natürlich ist es immer besser, persönlich zu sprechen. Da muss ich mir auch ein wenig an die eigene Nase fassen. Aber das ist ein Trend, der immer mehr um sich greift und wohl kaum zurückzudrehen ist.

Wie stehen Sie denn jetzt zum SV Straelen?

Jansen Ich möchte nichts Schlechtes über den Verein sagen, mir war die Angelegenheit nur zu einseitig dargestellt. Was soll denn jemand denken, der liest, dass ich so unzuverlässig sei. Ich bin total dankbar, dass mir Straelen die Chance gegeben hat, mein Potenzial auszuschöpfen. Das war eine tolle Zeit, in der wir zweimal aufgestiegen sind und ich viele interessante Menschen kennengelernt habe.

Wie geht es den jetzt für Sie weiter?

Jansen Ich habe keinen Vertrag, den ich einhalten müsste. Ich melde mich zum Jahresende ab und könnten dann für einen anderen Verein spielen, wenn der sich mit Sraelen einig würde.

Wollen Sie denn noch so ambitioniert spielen?

Jansen Auf jeden Fall, ich bin noch in einem guten Alter. Regionalliga muss es nicht unbedingt sein, es gibt ja auch viele interessante Oberligisten.

Union Nettetal hat schon großes Interesse angemeldet.

Jansen Ja, das weiß ich. Ich habe mich aber noch für nichts entschieden. Ich habe die Entwicklung in Nettetal verfolgt und dort gibt es in Toni Weis und Frederik Verlinden zwei Spieler, die ich gut kennen. Aber es gibt viele interessante Vereine, Nettetal gehört auch dazu.

Mehr von RP ONLINE