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Reitsport: Turnierreiter leiden unter der Corona-Pandemie

Reitsport in Mönchengladbach und dem Grenzland : Turnierreiter leiden unter der Pandemie

Auf Hallenturniere müssen die Reiter derzeit überwiegend verzichten. Das ist gerade für junge Pferde schlecht, da sie auf Wettkämpfen wichtige Erfahrungen sammeln. Turnier-Ausrichter sparen indes Kosten.

Keine Hallen-Reitturniere rheinlandweit, keine Starts der Pferdesportler und damit auch keine Publikumsbegeisterung an Parcours und Viereck: Das ist die momentane Lage aufgrund der verschärften Bedingungen des zweiten Corona-Lockdowns. Unter die Absagen fallen unter anderem die „Junior-Open“ des RFV Lobberich an der Lüthemühle als eine der größten Nachwuchsveranstaltungen im Rheinland. „Das ist schade für den Reiternachwuchs, der im Winter nur wenige Startgelegenheiten hat“, sagt Frank Heublein, Vorsitzender des Reit- und Fahrvereins Lobberich. „Dass das Turnier letztendlich ausfällt, ist für uns eine Ersparnis, weil dieses Turnier für uns nicht kostendeckend ist. Wir holen das Turnier im April trotzdem nach, wenn es dann hoffentlich wieder geht.“ Was ihm bei seinem Verein mit 320 Pferdesportlern aber freut: „Die Mitglieder bleiben uns treu. Wir hatten sogar Neuzugänge.“

Das große Springturnier des ZRFV Wickrath im Pferdesportzentrum am Schloss Wickrath fällt nun schon bereits zum dritten Mal aus. Nachdem es 2019 wegen Pferdeherpes nicht stattfand und die Wiederholung bereits zu Ostern wegen der Corona-Pandemie ausfiel, richten die Wickrather das jetzt auch im laufenden Dezember nicht aus. „Wir hatten es angemeldet und vor vier Wochen wieder abgesagt, weil es uns zu unsicher war. Wir wissen nicht, wie es weitergeht. Ich habe die Reißleine gezogen, damit unserem Verein keine Kosten entstehen“, sagt Wickraths Vorsitzende Nina Speis. Aber auch die Aktiven beschäftigt die momentane Lage.

Der Gladbacher Springkreismeister des vergangenen Jahres, Klaus Rahmen vom RC St.Georg Günhoven, sagt: „Da ich als Amateurreiter regelmäßig eine Winterpause mache, fällt es bei mir nicht so sehr ins Gewicht, wenn Hallenturniere ausfallen. Natürlich, wenn ich ein junges Pferd habe, dann bleibt es durch die Hallenturniere im Lauf.“ Berufsreiter Dominik Broich vom Gestüt Seehof in Leuth sagt: „Junge Pferde brauchen Parcours-Erfahrung. Bei den Berittpferden sehen die Kunden es gerne, wenn wir ihre Vierbeiner bei den Turnieren vorstellen. Wir haben auch viele junge Turnierreiter, die jetzt keine Möglichkeiten haben, Turniere zu reiten.“ Sein Sohn Liam reitet das ganze Jahr durch. „Ich finde es traurig, dass die Junior Open, Aachen Jumping Youngstars sowie die beiden Veranstaltungen bei Holger Hetzel ausfallen.“

Linda Lambertz-Johnen betreibt eine Reitschule auf der elterlichen Reitanlage in Viersen-Ummer. Die Pferdewirschaftsmeisterin befasst sich mit der Ausbildung junger Reiter und Pferde. „Derzeit ist die Reitschule aufgrund der Coronaschutzverordnung geschlossen. Mir ist es nur möglich, als Berufsreiter meine eigenen Pferde und die, die ich in Beritt habe, zu bewegen und weiter auszubilden. Nicht nur, dass die Einnahmen aus der Reitschule zu 100 Prozent wegfallen, muss ich mich auch um die Bewegung der Schulpferde kümmern.“ Aufgrund der Pandemie hat derweil auch der Turniersport sehr gelitten.

„Wir hatten das Glück, dass unser Jugendturnier 2020 stattfinden konnte, aber viele Turniere mussten abgesagt werden“, sagt Christoph Johnen, Vorsitzender des jungen Reitervereins Viersen. Auch das Hallenturnier der Günhovener gab es noch im Oktober. „Vor allem für die jungen Pferde ist es schwierig. Sie lernen das Turniergeschehen gerade neu kennen und sind teilweise noch sehr überwältigt. Es fehlt die Routine, wenn sie nur alle paar Wochen zum Turnier fahren können“, sagt Linda Lambertz-Johnen. „Nächstes Jahr sind sie alle ein Jahr älter und müssen eventuell schon in einer höheren Klasse starten.“