Rahmenterminplan des FVN bei Amateuren nicht gut gelitten

Fußball : Verband und Vereine im Interessenkonflikt

Der Rahmenterminplan für die nächste Fußballsaison kommt nicht überall gut an. Insbesondere der Dülkener FC ärgert sich über das erneut frühe Ende der Winterpause. Das Problem dahinter existiert schon länger und basiert und auf unterschiedlichen Interessenlagen.

Vorige Woche verschickte der Fußball-Verband Niederrhein (FVN) eine Pressemitteilung mit dem Rahmenterminplan für die Spielzeit 2019/2020. Interessant zwar für die vielen Amateurfußballer hierzulande, aber eigentlich wenig spektakulär. Doch für Andreas Debock, 2. Vorsitzender des Dülkener FC, war genau dieser Rahmenterminplan ein Grund, sich mächtig aufzuregen. Denn wie in der laufenden Saison legten die FVN-Terminplaner das Ende der Winterpause schon auf Anfang Februar. Und genau dieser frühe Termin hatte im Dezember und Januar dazu geführt, dass der DFC als Ausrichter des traditionsreichen Hallenmasters etliche Absagen von hochkarätigen Mannschaften kassierte.

So fehlten voriges Wochenende Oberligist SC Union Nettetal genauso wie die Landesligisten 1. FC Mönchengladbach, VSF Amern und ASV Süchteln mit der Begründung, dass sie es sich angesichts der Priorität auf der Freiluftsaison so kurz vor dem ersten Punktspiel nicht leisten könnten, ein komplettes Wochenende in der Halle zu verbringen. Ganz zu schweigen vom höheren Verletzungsrisiko. Andere Teams sagten nicht ab, sondern schickten wohl aus ähnlichen Gründen nur ihre Reserven zum Masters. Das Ergebnis: Auch wenn bei der 28. Auflage des Hallenklassikers wieder viel los war und der neue Turniermodus mit einer Zwischenrunde gut ankam, war ein Qualitätsverlust nicht zu übersehen. Nachdem die VSF Amern im Jahr zuvor auch schon abgesagt hatten, droht sich ein Trend zu verfestigen, der diesem an sich attraktiven Turnier auf Dauer schaden könnte.

„Wir wollen natürlich die besten Mannschaften hier haben“, betont Andreas Debock. Der Mann aus dem DFC-Vorstand kann zwar die Argumentation der Absagen nicht in allen Punkten nachvollziehen, doch er bringt Verständnis für die Probleme auf, die sich durch den engen Terminkalender ergeben. Kein Verständnis mehr hat er aber mittlerweile für die Saisonplanung des Verbandes. Darauf angesprochen, redet er sich in Rage: „Wenn wir nicht langsam mal aufstehen, wird sich nichts ändern. Der Verband ist für uns da, und nicht wir für ihn.“ Was ihn aktuell so aufregt, ist ein Problem, dass sich schon seit Jahrzehnten durch den Amateurfußball zieht. Nämlich die widerstrebenden Interessen zwischen den Verbandsfunktionären auf der einen sowie Vereinsvertretern und Spielern auf der anderen Seite. Hier der Verband, der die Spielzeit möglichst früh beenden will, um die Verzahnung mit Auf- und Abstiegen zwischen den einzelnen Ligen nicht zu gefährden, und dort die Vorstände und Aktiven, die sich wundern, dass sie früh im Jahr bei lausigem Wetter raus auf die Plätze müssen, während später im Juni und Juli der Ball ruht, wenn in Deutschland das beste Wetter herrscht. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Anfang Februar, in unseren Breitengraden oft der Höhepunkt des Winters, ohnehin Spiele ausfallen, die später nachgeholt werden müssen.

Dass die Saison für die Landesligisten in Gruppe 1 in diesem Jahr schon wieder am 3. Februar weitergeht, ist der Tatsache geschuldet, dass 19 Teams dabei sind. Das soll nächste Saison wieder anders sein, und dennoch endet die Winterpause 2020 schon am 9. Februar. Das ist zwar für die Landesligisten eine Woche später, für alle anderen FVN-Teams in 18er-Staffeln aber sogar noch eine Woche früher. Somit steht auch der letzte Spieltag Ende Mai an, anstatt wie in der laufenden Saison Anfang Juni. Zwischen Saisonabschluss und den Sommerferien 2020 liegen dann noch rund anderthalb Monate. Grund für das frühe Saisonende wird wohl auch die Fußball-Europameisterschaft sein, die am 12. Juni 2020 beginnt. Allerdings ist das für die Amateurfußballer eigentlich irrelevant, weil aus ihren Reihen nun mal keine Spieler nominiert werden. Doch weil dann eben auch die Profis zeitig durch sein müssen, wollen die Verbandsfunktionäre die Verzahnung nicht gefährden - und Spielpläne müssen ja auch noch erstellt werden. Dass es aber auch anders geht, zeigt ein Blick in die nicht allzu ferne Vergangenheit. In den Spielzeiten 2015/2016 und 2016/2017 wurde nach der Ligenreform des FVN in der Landesliga schon mit 18er-Staffeln gespielt, damals wurde nach der Winterpause erst Ende Februar beziehungsweise Anfang März wieder begonnen, die Saison endete trotzdem schon Anfang Juni beziehungsweise Ende Mai.

Mögen die Gründe für einen früheren Wiederbeginn bei den Senioren in Teilen noch nachvollziehbar sein, fällt das im Juniorenfußball schwer. Wieso die Kinder teils schon Anfang Februar zu Punktspielen bei Dauerregen nach draußen oder bei Eiseskälte auf knochenharte Plätze gejagt werden, obwohl bei ihnen viel weniger Spiele anstehen, erschließt sich nicht. In einer Zeit, wo das Erkältungsrisiko sehr hoch ist, fallen Spieler reihenweise aus. Spaß macht das auch vielen Trainern nicht, die bei knapp besetzten Kadern von Woche zu Woche gucken müssen, ob sie überhaupt eine Mannschaft zusammenbekommen. Ob das zeitgemäß ist, wo auch der Fußball mit einer schwindenden Anzahl an Mannschaften kämpft, ist die große Frage. Ein Beispiel aus dem Seniorenfußball: Gab es in den 13 zum FVN gehörenden Kreisen im Jahr 2000 1650 Teams, so waren es 2018 nur noch 1320. Es gibt etliche Vereine, die keine oder nur so sehr wenige Mannschaften für den Spielbetrieb melden. Wolfgang Jades, Vorsitzender des FVN-Fußballausschusses nannte als Gründe kürzlich das veränderte Freizeitverhalten der Kinder- und Jugendlichen und geburtenschwache Jahrgänge als Gründe. Zudem hätten es die Vereine immer schwerer, Übungsleiter und Vorstandsmitglieder zu finden. Sicher richtig, doch umso unverständlicher ist es, dass der Verband offenbar an der Basis oftmals nicht genau hinhört, wo der Schuh drückt - siehe Terminplan. Dirk Riether, Abteilungsleiter des SC Union Nettetal, äußerte sich kürzlich im Zusammenhang mit dem neuen Rahmenterminplan im Fußballportal Fupa so: „Ich mache den Quatsch jetzt seit 20 Jahren ehrenamtlich. Es hat bis heute noch nie ein Verbandsmensch mal ein Gespräch gesucht, um zu erfahren, was wir als Amateurvereine möchten.“

Wie auch immer, nach aktuellem Stand der Dinge droht den Dülkenern nächstes Jahr erneut ein qualitativ ausgedünntes Masters. Es spricht für den Verein, dass er sich nicht in den Schmollwinkel zurückzieht, sondern im Sinne des Sports  andere Lösungen sucht. Es sollen Gespräche mit anderen Turnierveranstaltern geführt werden, um das Masters eventuell eine Woche nach vorne legen zu können und den Vereinen so eine Entscheidung pro Teilnahme zu erleichtern.

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