Niederrheinischer Turnverband Kempen vor der Auflösung

Turnen : Turnverband steht vor der Auflösung

Im Niederrheinischen Turnverband Kempen mangelt es am Interesse, sich ehrenamtlich im Vorstand zu engagieren. Weil auch die Teilnahme bei Verbandsaktionen Rückläufig war, fiel einstimmig die Entscheidung zur Abwicklung.

Der Niederrheinische Turnverband Kempen (NTVK), Vorgänger des Turngaus Kempen, steht vor der Auflösung. Hauptgrund für das Aus ist, dass sich weder im Vorfeld der Hauptausschussitzung im Februar noch des Verbandstags Ende März Kandidaten für die seit Jahren vakanten Vorstandsposten fanden. Das aktuelle Vorstandsteam um die Waldnielerin Niki Brdar (Vorsitzende) sowie die Kaldenkirchenerinnen Elke Gotzen (Geschäftsführerin) und Pia Gotzen (Oberturnwartin) hatte darauf hingewiesen, dass sie sich ohne Unterstützung nicht in der Lage sähen, den Verband weiterzuführen.

Dabei sieht es so aus, als hätte der Verband mit 22 Vereinen und 8500 Mitgliedern reichlich Potenzial. Doch in den vergangenen Jahren ging die Beteiligung und das Engagement der aus der Tradition heraus auch beim Turnen angesiedelten Unterdisziplinen wie Schwimmen, Trampolin und Leichtathletik kontinuierlich zurück. „In den anderen Bereichen wie Trampolin und Schwimmen läuft immer noch etwas, aber nicht mehr über uns“, sagt Elke Gotzen. Bis vor fünf Jahren hatte der NTVK eine gepachtete Geschäftsstelle beim Kempener TV, die zum Schluss nicht mehr genutzt wurde.

In früheren Jahren gab es das Gauturnfest, wo alle Sportarten, die der Turnverband vertritt, zum Zuge kamen. Drei Lehrgänge wurden bisher durchgeführt und ein weiterer Kurs ist im Herbst geplant. Im Turnsektor gibt es noch bis zu sechs Wettkämpfe im Jahr. „Mit drei Vereinen nehmen wir am Landesturnfest teil, die von uns bezuschusst werden“, sagt Elke Gotzen. Dennoch beschloss der Verbandstag einstimmig die Auflösung des NTVK, der nicht den ganzen Kreis Viersen umfasst. Die Turnvereine der Kreisstadt Viersen wie der Viersener TV oder der TV Helenabrunn gehören zum Turngau Mönchengladbach. Im Herbst soll eine außerordentliche Versammlung zum Thema Auflösung stattfinden. Dort werden die Liquidatoren bestimmt, die die Abwicklung vornehmen. Das Kassenguthaben fließt den Vereinen laut Satzung je nach Mitgliederstärke wieder zu, aber erst ein Jahr nach der Auflösung.

Welchen anderen Verbänden sich die Vereine nach der Auflösung zuwenden, ist noch unklar. „Der Rheinische Turnerbund wird uns beratend zur Seite stehen“, sagt Elke Gotzen. Es ist möglich, dass sich Turnvereine dem Krefelder Turnerbund anschließen oder dem Turngau Mönchengladbach oder gar dem Klever Raum zuwenden. Einer der betroffenen Vereine ist der TuS Waldniel mit seiner Turnabteilung. Dort hält sich die Trauer über das Verschwinden des NTVK in Grenzen, vielleicht auch weil es aktuell keine Nachwuchssorgen gibt. Es können gar nicht so viele Kinder aufgenommen werden, wie Interesse am Turnen haben. „Für unsere Oberliga-Mannschaft ist ohnehin der Rheinische Turnerbund zuständig“, sagt Trainerin Monika Weissert. TuS-Vorsitzende Cacilie Meurer verrät, dass der TuS Richtung Turngau Mönchengladbach tendiert.

Der NTVK blickt auf eine lange Geschichte zurück. Da war einmal die Ära von Agnes und Willi Poeten im Turngau Kempen sowie von Ulla Schori & Co., in deren Amtszeit der NTVK gegründet wurde. „Ein bisschen Wehmut kommt bei der Vorstellung auf, dass es den Verband nicht mehr geben wird. Ich war 40 Jahre dabei. Als Jugendwartin fing ich an und bin weitestgehend im Vorstand geblieben“, sagt Elke Gotzen. Doch: „Die Erinnerung bleibt.“

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