Billard : Jaspers braucht Burgman

Der Niederländer ist der beste Dreibandspieler der Welt. Der 45-Jährige hat zuletzt alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Bei der WM in Viersen ist er aber von der Leistung seines Teamkollegen abhängig.

Billard Der beste Dreibandspieler der Welt weiß, dass er richtig gut ist. "Ich habe in den letzten Jahren einen Durchschnitt von drei bis vier Punkten gespielt, auf mich kann ich mich verlassen", sagt Dick Jaspers. Der 45-Jährige hat zuletzt so ziemlich alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt: Er führt die Weltrangliste an, ist Weltcupsieger, Masters-Champion, Europameister, Supercup-Sieger und hat zuletzt nicht selten die Konkurrenz in Grund und Boden gespielt. Aber daraus den Schluss zu ziehen, dass die Niederlande Weltmeister werden bei der Team-WM in der Viersener Festhalle, das will Jaspers nicht zulassen. "Wir sind bei der WM zwei Leute", sagt er. Raimond Burgman spielt mit Jaspers, wie immer. Aber Burgman ist international nicht mehr so erfolgreich. Deswegen sagt Jaspers: "Wir sind schlagbar."

Das ist das Außergewöhnliche dieses Wettbewerbs: Der eigentliche Einzelsport wird in der Addition zum Team-Wettbewerb, und der eine Spieler kann noch so gut sein, wenn der andere schlecht spielt, reicht es nicht. Ein Wechsel an Position zwei ist auch der Grund, dass Schweden, das von 2005 bis 2009 durchweg siegte, nun nicht zu den Favoriten zählt. Michael Nilsson, der Topspieler Torbjörn Blomdahl immer den Rücken freihielt, fehlt. Ob Nalle Olsson die Qualität hat, die nötigen Punkte zu machen, bezweifelt sogar Blomdahl. "Ich trage mehr Last auf meinen Schultern als in den Jahren zuvor", sagt Blomdahl. Beim 1:1 gegen Kolumbien verlor Olsson seine Partie. Recht offen gehen die Billardspieler mit dem Thema um, im Fußball ist es verpönt, über die Qualitäts-Defizite der Mitspieler zu sprechen.

Jaspers, Blomdahl, der Spanier Daniel Sanchez, der Deutsche Martin Horn und der Koreaner Kim-Kyung Roul sind die Stars, doch entschieden wird der Titelkampf wohl an den zweiten "Brettern". Im vergangenen Jahr war es die "Zwei" Murat Coklu, der den WM-Sieg der Türkei möglich machte, weil er im Finale 3:0 gegen Spaniens Ruben Legazpi gewann. Adnan Yüksel spielte 2:2 gegen Sanchez. An den ersten Tischen "kann jeder jeden besiegen, die Spitze ist eng beisammen", sagt Blomdahl, Jaspers indes ist dem Rest der Welt ein wenig enteilt. "Er ist in einer unglaublichen Form", sagt der verletzte deutsche Spitzenspieler Christian Rudolph, der bei einem Ligaspiel tatenlos zusehen musste, wie der Niederländer nach Belieben Punkte abräumte. Der Belgier Eddy Merckx aber besiegte Jaspers beim letzten Weltcup, mit Eddy Leppens will Merckx nun in Viersen den ersten Team-Titel für Belgien holen. Gegen Portugal gab es im ersten Spiel ein 2:0.

750 Euro bringt der WM-Triumph. Was Jaspers kritisiert: "Wir sind Berufsspieler, und es ist schade, dass es bei der WM nicht so viel zu verdienen gibt." Allerdings mag auch er die Atmosphäre in der Festhalle und kommt daher gern nach Viersen. 1999 gewann Holland dort zuletzt, "da wäre es mal wieder an der Zeit", sagt Jaspers. Gestern siegte Holland 2:0 gegen die Schweiz. Jaspers gewann locker und konnte sich auch auf Burgman verlassen.

(RP)