Interview: Dirk Riether zur Situation beim SC Union Nettetal

Fußball-Oberliga : „Da gehen wir gemeinsam durch“

Der Abteilungsleiter SC Union Nettetal zur schwierigen Lage des Oberligisten vor dem Spiel bei ETB SW Essen.

Nach knapp drei Jahren, in denen es für den SC Union Nettetal unter Trainer Andreas Schwan fast nur nach oben ging, ist die Erfolgsgeschichte momentan stark ins Stocken geraten. Nach Abschluss der Hinrunde und vor den letzten beiden Spielen des Jahres sitzen die Nettetaler in der Abstiegszone der Oberliga fest und weisen schon neun Punkte Rückstand auf das rettende Ufer auf. Vor dem Rückrundenauftakt beim ETB SW Essen am Sonntag spricht Abteilungsleiter Dirk Riether über die Lage bei den SCU-Fußballern, die Gründe für die Misere und blickt auch in die Zukunft.

Herr Riether, wie viel Spaß macht es aktuell noch, in der Oberliga zu spielen?

Riether Da hat sich nichts geändert. Es macht nach wie vor großen Spaß, auch wenn die Ergebnisse derzeit schwierig sind. Aber wir wollten ja in die Oberliga und es ist nach wie vor toll, wenn wir voriges Wochenende in Bocholt im Stadion am Hünting spielen oder jetzt am Sonntag in Essen am Uhlenkrug.

Die schlechte Lage der Reserve in der Kreisliga A drückt doch sicher auch aufs Gemüt.

Riether Das bereitet natürlich noch mehr Arbeit und trägt auch nicht zur Besserung der Lage bei. Aber auch da werden wir in Ruhe besprechen, wie es weitergeht. Das Team hat große Probleme mit verletzten Spielern, andere haben aus unterschiedlichen Gründen einfach aufgehört. Wir werden sicherlich in der Rückrunde alles daran setzen, dass wir am Ende die Klasse halten werden.

Es ist noch gar nicht so lange her, da hat der SC Union Nettetal in Homberg den Klassenerhalt bejubelt. Hätten Sie gedacht, dass die zweite Oberliga-Saison so schwierig wird?

Riether Schon, das habe ich immer gedacht. Es braucht einfach vier bis sechs Jahre, bis man in einer Liga etabliert ist und selbst dann kann es einen immer noch unerwartet erwischen. Das haben die vergangenen Jahre immer wieder gezeigt. Schon gegen Ende der vorigen Saison hat sich abgezeichnet, dass viele Mannschaften noch mal zulegen würden. Da war abzusehen, dass es für uns nicht einfacher werden würde. Aktuell steht Vorjahres-Vizemeister Baumberg auf dem ersten Nicht-Abstiegsplatz und hat 21 Punkte. Es zeichnet sich also ab, dass wieder deutlich über 40 Punkte nötig sein werden, um die Klasse zu halten. Das ist Wahnsinn.

Haben Sie schon Fehler festgestellt, die in der Saisonplanung gemacht wurden?

Riether Wir sind weit davon entfernt, zu sagen, dass wir alles richtig machen. Wir sind intern sehr selbstkritisch. Aber wirkliche Fehler konnten wir nicht ausmachen, denn wir müssen immer unsere finanziellen Möglichkeiten im Vergleich zur Konkurrenz sehen. Im Großen und Ganzen sind wir zufrieden mit unseren Neuzugängen, wir haben gemacht, was für uns möglich war.

Woran liegt es denn, dass Nettetal so tief im Tabellenkeller steht?

Riether Im ersten Jahr hat uns der gute Start und unsere Euphorie sehr geholfen, diese Saison sind wir von Beginn an hinterhergelaufen. Als Hauptgrund sehe ich aber, dass die Qualität der Konkurrenz größer geworden ist. In einzelnen Spielen fehlt teils nicht viel, aber über eine ganze Saison summiert sich das und es reicht eventuell eben nicht. Es kann sein, dass wir im Nachhinein sagen, dass wir etwas anders hätten machen sollen. Aber da gehören dann alle dazu, wir lassen uns da nicht auseinander dividieren. Da gehen wir gemeinsam durch.

Zwischendurch schien es so, als gäbe es Grüppchen im Team, als würde die Mannschaft nicht mehr so als Einheit auftreten wie vorige Saison.

Riether Klar gab es zwischendurch auch mal Diskussionen, einige Spieler haben uns kurz vor Ende der Wechselfrist ja auch noch verlassen. Aber wir hatten gerade erst ein Gespräch mit dem Mannschaftsrat, da ist aktuell alles in Ordnung. Wobei es wichtig ist, sich in solchen Gesprächen nicht nur Komplimente zu machen, da muss auch Klartext gesprochen werden.

Welche personellen Veränderungen wird es in der Winterpause geben?

Riether Ich bin kein großer Freund von Spielerverpflichtungen im Winter. Aber wir halten die Augen auf und wenn sich etwas ergibt, was Sinn für uns ergibt, könnten wir uns das vorstellen. Aber wir werden auf keinen Fall irgendwelche Söldner verpflichten, um etwas zu erzwingen. Das muss schon zu uns passen.

Sie haben Trainer Andreas Schwan eine Jobgarantie ausgesprochen. Bleibt es dabei?

Riether Absolut. Das Trainerteam ist zu 100 Prozent das richtige für uns. Wir haben tolle Erfolge gefeiert, trotz der aktuellen Delle sind wir nach wie vor von der Arbeit überzeugt. Nicht umsonst haben wir den Vertrag beim letzten Mal direkt für zwei Jahre verlängert.

Glauben Sie denn, dass Andreas Schwan im Falle eines Abstiegs weitermachen möchte?

Riether Da bin ich mir sicher. Der Andi haut nicht ab. Er ist noch ein junger Trainer, da müssen wir jetzt gemeinsam durch.  Auch vorige Saison gab es schwierige Phasen, da hat er bewiesen, dass er es kann. Ein Abstieg würde vielleicht auch unserer gemeinsamen Philosophie entgegenkommen, auf junge Perspektivspieler zu setzen. Das ist in der Landesliga auf jeden Fall einfacher.

Wie groß ist die Hoffnung, dass es noch etwas wird mit dem Klassenverbleib?

Riether Wir schenken nichts ab, aber wir sind nicht blöd und können die Tabelle natürlich auch lesen. Wenn ich mir die Kader der anderen Teams angucke, fallen mir nicht viele Teams ein, von denen ich sage, die können absteigen. Einigermaßen auf Augenhöhe sehe ich uns von den Teams auf den Nichtabstiegsplätzen nur mit dem VfB Hilden, aber auch der hat aktuell schon 23 Punkte. So lange es aber rechnerisch möglich ist, geben wir Gas.

Gibt es eine konkrete Vorgabe für die letzten beiden Spiele vor der Winterpause?

Riether Die nächsten vier Spiele werden zeigen, wo die Reise hingeht. Im Februar sind wir schlauer. Denn von 17 noch ausstehenden Spielen müssen wir zehn gewinnen, um die Punkteausbeute der Vorsaison zu erreichen. Wenn es dann nur noch 13 Spiele sind, kann sich jeder ausrechnen, wie realistisch das ist. Natürlich wäre es toll, wenn wir vor Weihnachten noch punkten würden. Das wäre gut fürs Gefühl, das Team lechzt nach einem Erfolgserlebnis. Und die Jungs hätten es sich verdient.

Wenn es keine Punkte mehr gibt, beginnen dann die Planungen für die Landesliga?

Riether Wir setzten uns traditionell zwischen Weihnachten und Neujahr zusammen, um schon mal grob zu skizzieren, wie es weitergeht. In den letzten Jahren haben wir immer zweigleisig geplant, das machen wir dieses Mal wieder.

Vor Nettetal war es aus der Region der 1. FC Mönchengladbach, der den Sprung in die Oberliga geschafft hatte. Für ihn war nach nur einer Saison Schluss. Wieso ist es so schwer, in der Oberliga zu bestehen?

Riether Wenn ein Verein wie Bocholt sich beklagt, dass andere Vereine wegen Mäzenen mit Geld um sich schmeißen können, obwohl sie selbst sehr gut bezahlen, sagt das alles. Ich bin der Meinung, dass so viel Geld in der Oberliga nichts zu suchen hat. Aber es ist nun einmal so. Deswegen kann man nur versuchen, mitzuspielen und das Beste aus seinen Möglichkeiten zu machen. Es ist aber jederzeit klar, dass es dich erwischen kann. Umso höher ist es zu bewerten, dass wir uns vorige Saison gehalten haben.

Würde Nettetal unter diesen Voraussetzungen denn wieder das Abenteuer Oberliga angehen, wenn es am Ende nicht reichen sollte?

Riether Selbstverständlich, man braucht sportliche Ziele, alles andere wäre kontraproduktiv. Wichtig ist nur, um die Probleme zu wissen und bei sich selbst zu bleiben. Dann kann nichts passieren. Gefährlich wird es nur, wenn man zu hohe Risiken eingeht. Und das werden wir nicht tun.