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Lokalsport: Immer mehr Japaner im Amateurfußball

Lokalsport : Immer mehr Japaner im Amateurfußball

Spätestens seit Deutschland 2014 Weltmeister geworden ist, drängen unheimlich viele japanische Talente in den Fußballmarkt. Meistens enden die Profiambitionen im Amateurbereich irgendwo zwischen Ober- und Bezirksliga.

Ob Shinji Kagawa bei Borussia Dortmund, Atsuto Uchida bei Schalke 04 oder Gotoku Sakai, der den Hamburger SV sogar als Kapitän auf den Platz führt - Japaner sind im Deutschen Profifußball allgegenwärtig. Doch auch der Amateurfußball wird zunehmend Ziel der Asiaten: Elf Japaner sind momentan in den Kadern der Oberliga Niederrhein gelistet, 23 sind es in den beiden Landesligastaffeln, zahlreiche selbst in den Bezirksligen. Im Grenzland greifen seit der laufenden Saison in Gestalt von Union Nettetal, der VSF Amern und des 1. FC Viersen alle drei Landesligisten auf die Dienste eines Japaners zurück.

 Yuichiro Chino läuft für die VSF Amern auf.
Yuichiro Chino läuft für die VSF Amern auf. Foto: Fupa

"Das sind alles sehr ehrgeizige Jungs, die mit dem ganz großen Ziel nach Deutschland kommen", sagt Gert Engels, der sich mit dem japanischen Fußball so gut auskennt wie kaum ein anderer. 20 Jahre lang lebte und arbeitete der ehemalige Bundesligaspieler in Japan, wo er unter anderem als Co-Trainer unter Guido Buchwald und Holger Osieck in der erstklassigen J-League trainierte. Mittlerweile betreibt er in Düren eine speziell auf japanische Spieler ausgerichtete Fußballschule, zu der auch zwei Wohnhäuser gehören. Spätestens seit zwei Jahren erlebt er einen Boom: "Seit Deutschland Weltmeister geworden ist, ist das mehr geworden. Da kommen reihenweise junge Leute, die ihren Stars in der Bundesliga nacheifern."

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Dass Anspruch und Wirklichkeit dabei freilich oft weit auseinander liegen, macht die ohnehin schwierige Aufgabe Engels' nicht leichter. Denn für die jungen Japaner, die meist mit Anfang 20 nach Deutschland kommen, sieht er sich nicht nur als Trainer, sondern auch als Mentor und Bezugsperson: "Es geht auch darum, den Jungs die Realität zu vermitteln. Wenn 100 Japaner kommen, dann muss man sich nicht wundern, wenn es nicht mal einer zum Profi schafft. Mein Ziel ist es, den Spielern mehr mitzugeben." Es gilt nämlich noch zu beweisen, dass der Weg über den Amateursport bis in den wirklich gut bezahlten Fußball führen kann. Ryo Suzuki, der sich aus Engels Fußballschule immerhin zu einem Einwechselspieler beim Regionalligisten Alemannia Aachen hochkämpfte, gilt als Aushängeschild. Für die meisten Spieler ist in der Bezirks- oder Landesliga Endstation. Dass dennoch so viele den Schritt wagen, habe mit der japanischen Mentalität zu tun, wie Engels erklärt: "Die Japaner sagen und denken immer: ,Sky is the limit'. Als ich in der J-League war, hat vor der Saison jeder Trainer gesagt, dass er Meister werden will. Das kann man sich als Deutscher zuerst gar nicht vorstellen."

So seien die meisten in der Regel auch nicht enttäuscht, wenn es nicht klappt. "Einen Versuch ist es immer wert", sagt ein japanischer Spielervermittler, der sich mittlerweile in Düsseldorf als Berater ebensolcher Talente selbstständig gemacht hat. Dass er seinen Namen dabei nicht eher in der Presse lesen möchte, bis er es geschafft hat, einen Spieler zum Bundesligastar zu machen, passt dabei perfekt ins japanische Selbstverständnis. "Ich habe schon vier, fünf Spieler in die Regionalliga gebracht, aber mein Ziel ist es natürlich, jemanden nach ganz oben zu bringen", sagt der Berater, über den auch die Viersener an Naoya Tawaraishi und die Amerner an Yuichiro Chino gekommen sind. Dritter Japaner im Grenzland ist Mitsuharu Fujihara im Kader der Nettetaler. Seinen Spielern vermittelt der Berater meist Wohnungen und oft auch Nebenjobs in japanischen Restaurants in Düsseldorf. Die nötigen finanziellen Mittel für diesen Auslandsaufenthalt kämen meist von den wohlwollenden Eltern aus Japan.

In der Szene sind die Importe aus Fernost längst geschätzt. Dennis Sobisz, Trainer bei den VSF Amern, schwärmt von dem 21-jährigen Yuichiro Chino in höchsten Tönen. "Der Junge ist eine Bereicherung für unsere Mannschaft und hat einen tollen Charakter." Er zählt die Eigenschaften auf, die für beinahe jeden Spieler dieser Herkunft zuzutreffen scheinen: "Er ist super zuvorkommend, aufmerksam, und wissbegierig. Was man von Japanern halt kennt." Die Spieler sind meist technisch und läuferisch auf einem hohen Niveau und arbeiten hart an sich, haben taktisch und athletisch aber oft große Defizite. "Deswegen werden sie auch bei fast allen Vereinen als Außenstürmer eingesetzt", erklärt Paul Rösgen, Sportliche Leiter des Oberligisten SC Kapellen, der schon seit längerem mit Japanern zusammenarbeitet. Doch er kennt allerdings auch die Kehrseite der Medaille: "Mit solchen Spielern kann man natürlich nicht langfristig planen, nach einem oder zwei Jahren sind die meistens wieder weg. Ist ja auch logisch, dass da keine Bindung zum Verein entsteht und sie bei einer besseren Chance wechseln."

So endet das Unternehmen Fußballprofi fast immer unvollendet. Kein Beinbruch, wenn man Gert Engels fragt: "Man ist nicht gescheitert, wenn man es nicht geschafft hat. Ich würde mich freuen, wenn die Spieler möglichst viel aus ihrer Zeit hier mitnehmen. So eine Auslandserfahrung hat noch keinem jungen Menschen geschadet."

(RP)