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Handball: "Handballkreis ist gut aufgestellt"

Handball : "Handballkreis ist gut aufgestellt"

Vor dem Auftakt der neuen Spielzeit sieht der Vorsitzendes des Kreises Krefeld-Grenzland aber auch Probleme im heimischen Handball.

Handball Der Handballkreis Krefeld-Grenzland ist der größte Kreis im Handballverband Niederrhein. Vor dem Start in die neue Saison sprach die RP mit dem Vorsitzenden Reinhard Wille. Der Kempener führt den Kreis seit rund zehn Jahren.

Wie stark ist der Handballkreis Krefeld-Grenzland?

Wille Wir sind gut aufgestellt. Insgesamt spielen bei uns rund 400 Mannschaften. Wir verzeichnen einen leichten Rückgang, aber das ist wirklich minimal. Die Zahlen sind seit einigen Jahren relativ stabil. Wir haben zwar mit der HSG Krefeld nur einen Drittligisten, aber unterhalb der Bundesligen spielen relativ viele Mannschaften aus der Region höherklassig.

Wie beurteilen Sie die Struktur im Nachwuchsbereich?

Wille Die Spielklassen in der Jugend lassen sich mit einer Pyramide vergleichen, die sich bis zur A-Jugend verjüngt. Manche Altersgruppen können nicht mehr leistungsdifferenziert gebildet werden und nicht in allen Spielklassen gibt es eine vollständige Anzahl an Meldungen. Uns geht es aber noch relativ gut, denn im Ruhrgebiet geht man schon dazu über kreisübergreifend zu spielen.

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Wo liegen die Ursachen?

Wille Die Gründe sind vielschichtig. Zum einen ist der Fußball sehr dominant. Zum anderen wirkt sich der demografische Wandel aus. Wir merken sehr deutlich, dass es in unserer Region immer wenige Neubaugebiete gibt und damit weniger Kinder. Den Vereinen fällt es darüber hinaus nicht leicht, sich ihren Nachwuchs in Kooperationen mit Schulen zu erschließen. Der Handball ist auch nicht so eine Sportart, die in Schulen unbedingt gefördert wird. Der Sport ist mit rund 300 Sportarten insgesamt individueller geworden. Mittlerweile kommen Lehrer an Schulen, die weder Handball noch Fußball spielen. Ihnen fehlt damit die Affinität zum Mannschaftssport. Das gab es früher nicht in diesem Ausmaß. Außerdem schaffen wir es nicht, Migranten für den Handball zu begeistern. Die können wir, anders als im Fußball, im Handball mit der Lupe suchen.

Wie wirken sich die Ganztagsschulen aus?

Wille Die Belastung ist eine andere. Den Kindern fehlt oft die Zeit für den Sport.

Wie kann der Handball gegensteuern?

Wille Wenn man den Handball mag, muss man die Vereins- und die Kreisbrille abnehmen und in größeren Strukturen denken, schließlich braucht man ohne Gegner keinen Handball zu spielen. Wir beschäftigen uns mit dem Thema der Kooperation von Schule und Handball. Außerdem haben wir uns im Westdeutschen Handballverband in einer Arbeitsgruppe mit dem Thema Zukunft auseinandergesetzt. Zum Beispiel haben wir unseren Sport etwa durch die schnelle Mitte attraktiver gemacht, es damit älteren Spielerinnen und Spielern aber erschwert, ihren Sport länger auszuüben.

Was wäre Ihr Wunsch für die Zukunft des Handballs in der Region?

Wille Da gäbe es einige Wünsche. Zum ersten wäre es schön, wenn wir in der Region eine Vielzahl attraktiver Handballspiele sehen könnten und damit Kindern und Jugendlichen ortsnahe Identifikationsmöglichkeiten ermöglichen. Zum zweiten ist es wichtig, dass wir stets so viel Nachwuchs gewinnen, dass ein lokaler Spielbetrieb möglich bleibt. Und last not least wünsche ich mir so viel Fair Play, dass alle Beteiligten, ob Spieler, Schiedsrichter oder Zuschauer, Freude an unserem Sport haben.

WILTRUD WOLTERS FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(wiwo)