Golflehrerin Christiane Stenger vom GC Haus Bey in Nettetal bei höchster Regelprüfung in St. Andrews erfolgreich

Golf : In der Heimat des Golfs zu höchsten Regelweihen

Christiane Stenger ist Golflehrerin beim GC Haus Bey – und hat als erste Frau im deutschen Verband für Profi-Golfer in St. Andrews die höchste Prüfung zur Schiedsrichterin abgelegt. Die 25-Jährige ist aktuell auch bei der Senioren-DM in Nettetal im Einsatz.

Die Zeit im Blick haben, Windrichtung und Wind-geschwindigkeit kontrollieren, darauf achten, dass am Abschlag alles nach den Regeln läuft: Wenn Christiane Stenger keinen Golfunterricht im Haus Bey gibt, ist sie Schiedsrichterin. Auch bei der PGA Seniors Championship, die von Montag bis Mittwoch auf der schmucken Golfanlage in Nettetal stattfindet und die sie mit vorbereitet hat. Für die 25-Jährige ist es das erste große Turnier, seitdem sie ein „zweites Mal Abitur“ gemacht hat, wie sie selbst sagt. Anfang Februar hat sie als erste Frau in der PGA of Germany, also der Vereinigung der Profigolfer in Deutschland, die höchste Schiedsrichter-Prüfung im schottischen St. Andrews abgelegt. „Für die Prüfung habe ich noch mal richtig gepaukt“, sagt Stenger. Und das monatelang, nicht auf Deutsch, sondern auf Englisch.

Ihren ersten Job im Ausland mit ihrer neuen Qualifikation hat sie bereits auch sicher: „Im September darf ich bei einem Turnier der PGA Europe in Griechenland arbeiten.“ Vor knapp zwei Wochen habe sie das Angebot erhalten. Zum Vergleich: Am Turnier im Nettetal nehmen 92 Spieler teil – in Griechenland an der Costa Navarino werden es 240 sein, 60 Teams aus ganz Europa. Das Turnier zählt zu den Spitzen-Veranstaltungen im internationalen Profi-Sport. Zu Stengers Aufgaben zählt aber nicht nur die Arbeit an den Spieltagen, wenn Teilnehmer antreten. Auch die Organisation eines Turniers und die Vorbereitungen am Spielfeld gehören dazu, wie beispielsweise die Markierung der Spielfelder. Alles Kenntnisse, die Stenger bei der Tournament Administration and Referee School (TARS) erfolgreich unter Beweis stellen durfte.

St. Andrews wird auch „The home of golf“ genannt, also die Heimat des Golfsports. Das „Royal & Ancient Clubhouse“ in der Stadt an der östlichen Küste Schottlands ist weltweit bekannt als Golf-Hochburg. Mit der Grundsteinlegung 1853 begann nicht nur ein Stück schottischer, sondern auch internationaler Golf-Tradition. Das Seminar und die Prüfung der TARS fanden im „Royal & Ancient Clubhouse“ statt. „Zum Abschluss gab es ein gemeinsames Essen“, sagt Stenger. „Da darf man sonst nicht rein, das war schon etwas sehr Besonderes.“

Mit 25 Jahren Schiedsrichterin mit der höchsten Qualifikation überhaupt: Gewöhnlich sei das nicht, gibt die Dülkenerin zu. Viele Berufskollegen seien im Schnitt etwa Mitte 30. „Viele arbeiten zuerst in einem anderen Hauptberuf und entscheiden sich später für eine Karriere im Golf“, sagt Stenger. Für sie sei aber schon früh klar gewesen: Ihr Sport soll auch zu ihrem Beruf werden. Mit fünf Jahren hat sie mit dem Golfspielen angefangen. In einem Club in Frankreich, da sie gebürtig aus dem Saarland kommt. „Als Kind war ich oft mit meinen Großeltern Golf spielen“, sagt Stenger und lacht. Es sei das absolute Klischee, und leider bei Außenstehenden auch oft der Eindruck von der Sportart, sagt die Golflehrerin. „Viele stellen sich vor, das sei ein Rentner-Sport.“

Auch als Jugendliche habe sie ihren Sport verteidigen müssen. „Aber mit der Zeit sind einige Freunde mal mitgekommen, haben das mal ausprobiert und waren überrascht.“ Wer den Sport professionell betreiben will, absolviert Krafttraining, hat einen meist eng gestrickten Terminplan mit Training und Turnieren und muss besonders auf den Rücken achten. Durch die rotierenden Bewegungen und starken Schwünge werde dieser besonders stark belastet, sagt Stenger.

Begonnen hat sie ihre berufliche Laufbahn im Golf mit 21 Jahren mit einer dreijährigen Ausbildung. Arbeiten im Golfclub, blockweise Theorie-Unterricht. „Den ganzen Tag in einem Büro zu arbeiten, das konnte ich mir nie vorstellen“, sagt Stenger. „Ich muss draußen sein.“ Auch bei Wind und Wetter. Und auch in ihrer Freizeit sei sie meist in der Natur unterwegs, sagt die 25-Jährige. In ihrem Beruf könne sie außerdem ohne Bedenken arbeiten, den Job irgendwann altersbedingt aufgeben zu müssen. „Man kann sehr lange unterrichten, und mit der Arbeit als Schiedsrichterin habe ich ein zweites Standbein.“ Am Mittwoch nach der Siegerehrung bei der Senioren-DM auf der heimischen Anlage hat sie die erste Bewährungsprobe hinter sich.