Getrübte Stimmung durch frühes Aus der Deutschen bei der Billard-WM in Viersen

Billard-WM : Deutsche Pleite trübt die Stimmung

Erstmals seit 2004 schieden die Deutschen in der Vorrunde aus. Die Türkei holte sich den WM-Titel.

Als zum Abschluss der Billard-WM für Dreiband-Nationalmannschaften in Viersen am Sonntag die Halbfinale und das Finale auf dem Programm standen und sich später die Türken nach ihrem 40:22-Sieg gegen die Niederländer zum fünften Mal als Weltmeister feiern ließen, da waren die Deutschen mal wieder in der Zuschauerrolle. Das ist seit dem bislang letzten Medaillengewinn im Jahr 2014 (Bronze) zwar zu einer unschönen Angewohnheit geworden, doch so schlecht wie ausgerechnet bei der 30. WM-Auflage in Folge in Viersen schnitt die Mannschaft des Gastgebers Deutsche Billard-Union (DBU) schon lange nicht mehr ab. Trotz des Sieges am Freitagabend gegen Peru kamen Martin Horn (Essen) und Ronny Lindemann (Witten) nicht über die Vorrunde hinaus.

Das hatte es zuletzt im Jahr 2004 gegeben. Damals scheiterten Christian Rudolph, der dieses Mal sein Debüt als Bundestrainer feierte, und Martin Horn ebenfalls in der Vorrunde. Und das, obwohl sie zwei Jahre zuvor in einem starken Finale gegen die Niederlande noch Weltmeister geworden waren. Bei der Auflage 2019 ereilte das deutsche Duo das Aus, obwohl es zwei Partien gegen Kolumbien und Peru gewann. Weil aber die Kolumbianer nach einem Auftaktsieg gegen Peru am Freitag dank einer atemberaubenden Aufholjagd überraschend die Türken 40:38 schlugen, gegen die Horn/Lindemann zuvor deutlich verloren hatten, schoben sie sich mit dem besseren Generaldurchschnitt noch an den Deutschen vorbei auf Platz zwei der Gruppe D.

Lütfi Cenet und Murat Coklu (v.l.) holten sich am Sonntag den Titel bei der Billard-WM in Viersen. Foto: Joerg Knappe

Klar, dass die Deutschen direkt nach der Partie maßlos enttäuscht waren. Schließlich waren sie nicht nur selbst unter ihre eigenen Erwartungen geblieben. Das Ausscheiden hatte nämlich insofern eine weitere Dimension, als es für die WM im eigenen Land ein Stimmungskiller ist, wenn das Gastgeberteam in der entscheidenden Phase zuschauen muss. Am Samstag sah Ronny Lindemann die Angelegenheit aber schon wieder relativ nüchtern. „Man muss auch die Leistung der anderen anerkennen. Und Kolumbien hat nun mal das Unmögliche möglich gemacht“, sagte der 38-Jährige. Auf der anderen Seite hätten er und Horn sich das Pech auch erarbeitet: „Das kannst man sich genauso erarbeiten wie Glück. Wir haben einfach viel zu selten zur selben Zeit gute Leistungen abgerufen. Das zog sich wie ein roter Faden durchs Turnier“, betonte Lindemann.

Dass sein erster Auftritt als Dreiband-Bundestrainer für immer mit diesem schwachen Abschneiden in Verbindung stehen wird, lässt Christian Rudolph. selbst viermal Team-Weltmeister in Viersen, ziemlich kalt. „Natürlich muss auch ich mich hinterfragen. Aber die Spieler haben mir eine gute Arbeit attestiert. Ich denke einfach, dass Martin und Ronny beim reinen Scotch Double ihre Stärken nicht entfalten können. Damit haben auch andere Teams ihre Probleme“, erklärte Rudolph. Überhaupt bringt das Scotch-Double-System den Deutschen kein Glück. In all den Jahren zuvor überaus erfolgsverwöhnt, gab es ab 2015 keine Medaille mehr für Deutschland. Damals wurde für zwei Jahre Scotch Double in der K.o.-Runde als einer Art Entscheidungssatz bis 15 eingeführt, wenn es nach zwei Einzelpartien unentschieden stand. Die beiden Spieler eines Teams stießen abwechselnd, bis sie einen Fehler machten, dann war der Gegner an der Reihe. Das brachte spannende Entscheidungen und sorgte deswegen allgemein für eine überaus positive Resonanz. Ab 2017 sollte dann das reine Scotch Double den Mannschaftscharakter der WM stärker betonen, die Einzelpartien fielen komplett weg. Es wurde nur noch ein Match im Scotch Double bis 40 gespielt.

Trotz aller Bemühungen der führenden Funktionäre, die positiven Seiten hervorzuheben, kam diese Regelreform bei der großen Mehrheit der Spieler und Fans überhaupt nicht an. DBU-Präsident Helmut Biermann hat sich seit seinem Amtsantritt im Juli 2017 immer wieder dafür eingesetzt, dass über den WM-Modus neu nachgedacht wird. Schon im Vorfeld der laufenden WM in der Festhalle hatte Biermann davon berichtet, dass die Zuschauerzahlen seit der Umstellung auf das Spielsystem im Jahr 2017 jährlich um 20 Prozent zurückgegangen seien. Dieser Trend hat sich auch am Wochenende fortgesetzt. Zumindest taten sich auf den Zuschauerrängen bei der Finalrunde am Samstag große Lücken auf, wobei das auch mit dem Fehlen des deutschen Teams zu tun gehabt haben dürfte.

Umso erleichterter war Helmut Biermann, als er am Samstag nach einem Gespräch mit Farouk Baki, Präsident des Weltverbandes UMB, verkünden konnte, dass ab 2020 in Viersen wieder wie in den Jahren 2015 und 2016 gespielt wird, also mit Scotch Double als Entscheidungsbringer ab dem Viertelfinale. „Das nimmt eine Menge Druck von mir“, sagte Biermann, der sich nicht nur die Klagen von Spielern und Fans anhören musste, sondern angesichts der sinkenden Zuschauerzahlen auch in Erklärungsnot gegenüber Sponsoren gekommen war, die nach seiner Aussage ansonsten mit dem Turnier und dessen Organisation sehr zufrieden sind. Auch der deutsche Topspieler Martin Horn ist heilfroh, dass sich das WM-System ändert. „Das finden wahrscheinlich 90 Prozent der Spieler gut. Wie wir 2015 und 2016 gespielt haben, war eine super Mischung“, sagte Horn. Dass es auch damals für Deutschland nichts zu gewinnen gab, macht ihm keine Sorgen. „Unsere Chancen steigen auf jeden Fall. Als Individualisten sind wir auf jeden Fall besser, der Entscheidungssatz ist dann eben Lotterie.“

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