Georg Mewes mit Ratingen gegen seinen Ex-Klub SC Union Nettetal

Fußball-Oberliga : Ruhrpott-Original mit Nettetal-Historie

Georg „Schorch“ Mewes war zwei Saisons Trainer beim SC Union Nettetal. Inzwischen ist er Sportlicher Leiter bei Germania Ratingen in der Fußball-Oberliga. Weil die Nettetaler dort am Sonntag zu Gast sind, gibt es ein Wiedersehen.

Wie beliebt Georg „Schorch“ Mewes noch beim SC Union Nettetal ist, war Anfang des Jahres zu beobachten. Damals hatte er kurz zuvor seinen Trainerposten beim Fußball-Landesligisten SV Hönnepel-Niedermörmter niedergelegt und war dann als Manager der Fußball-Abteilung und Sportlicher Leiter der Oberliga-Mannschaft zu Germania Ratingen gegangen. Mit den Ratingern kam er zum ersten Spiel nach der Winterpause in die Christian-Rötzel-Kampfbahn. Und obwohl die Gäste am Ende klar 3:0 gewannen, gab es für Mewes herzliche Umarmungen, freundschaftliche Gespräche und vom weiblichen SCU-Anhang sogar das eine oder andere Küsschen.

Groß anders wird es wahrscheinlich auch nicht aussehen, wenn die Nettetaler am Sonntag in Ratingen antreten, selbst wenn sie unterliegen und damit ihren miserablen Saisonstart fortsetzen sollten. Der Grund für diese offenbar sehr emotionale Verbindung liegt, wie sollte es anders sein, in der Vergangenheit. Denn in seiner 40-jährigen Laufbahn als Fußballtrainer machte der inzwischen 70-jährige Mewes auch für zwei Jahre Station in Nettetal. Und das wie bei fast allen seinen Engagements überaus erfolgreich. Hatte er in seiner ersten Saison (2006/2007) mit dem SCU in der Landesliga noch Platz zehn belegt, so scheiterte er in der Spielzeit darauf mit den Nettetalern als Zweiter - drei Punkte hinter der Reserve des SV Straelen - nur ganz knapp am Aufstieg. „Das sind tolle Erinnerungen. Ich habe immer noch guten Kontakt nach Nettetal“, sagt Mewes. Dass er und die Nettetaler dann getrennte Wege gingen, lag laut Mewes daran, dass ihm der Aufwand zu groß wurde, mehrmals in der Woche von seinem Wohnort Oberhausen Richtung Grenzland zu fahren.

Aber für einen Fußballverrückten wie Mewes war das natürlich noch lange nicht das Ende seiner Trainerkarriere. Seinen größten Erfolg feierte er im Kreis Kleve beim SV Hönnepel-Niedermörmter. Mit dem Dorfverein wurde er 2014 Meister der Oberliga, doch auf den Regionalliga-Aufstieg verzichtete der Klub aus finanziellen Gründen. In der Winterpause der vorigen Saison beendete er bei Hönnepel dann auch seine Trainerlaufbahn. Doch vom Fußball kann der 70-Jährige dennoch nicht lassen. „Ich bin noch bei jedem Training dabei und sitze bei jedem Spiel auf der Bank. Ein Ende ist noch nicht in Sicht. Solange ich noch Autofahren kann und einigermaßen fit bin, setzt ich mich doch nicht zu Hause vor den Fernseher“, betont Mewes, der von allen, die ihn auch nur ein bisschen kennen, nur Schorch genannt wird.

Und das sind ziemlich viele. Am Niederrhein dürfte es zumindest kaum jemanden aus der Fußballszene geben, dem das Ruhrpott-Original mit dem lockeren Mundwerk gänzlich unbekannt ist. Zumal Mewes auf seine alten Tage auch noch im Fernsehen und in sozialen Netzwerken Karriere macht. Von der WDR-Sendung „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“ begleitete ihn schon mehrmals ein Kamerateam und in kleinen Filmen des DFB-Pokal-Sponsors Ergo taucht er vor jeder Pokalrunde als Reporter und Experte auf. Zudem ist er zu bestimmten Anlässen mit der DFB-Pokal-Tour im Land unterwegs, wo den Menschen in einem dreistöckigen Bus die lebhafte Geschichte des Traditionswettbewerbs nähergebracht wird.

Georg Mewes (r.) mit Ratingens Trainer Alfonso Del Cueto. Foto: Blazy, Achim (abz)

Doch Medienpräsenz hin oder her, Mewes’ Hauptaugenmerk gilt aktuell Germania Ratingen. Seit er da ist, geht’s aufwärts. Mit zwei Siegen ist der Saisonauftakt bislang auch gelungen. „Wenn wir jetzt auch noch gegen Nettetal gewinnen, haben wir seit langem mal wieder einen richtig guten Start“, sagt Mewes. Da müssen dann auch die guten Verbindungen zum SCU mal ruhen: „Nach dem Spiel gegen uns können die gerne alles gewinnen.“ Wobei der 70-Jährige glaubt, dass sein Ex-Verein nach dem schwachen Start noch die Kurve bekommt: „Das habe ich schon alles erlebt. Da arbeiten gute Leute. Die müssen die Ruhe bewahren, dann werden sie ihre Ziele auch noch erreichen.“ Beim SC Union Nettetal werden sie es gerne hören.

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