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Gastbeitrag: Felix Linden zu den Problemen der Nachwuchsgewinnung im Handball

Gastbeitrag Felix Linden : Handball verfügt über viel Potenzial

Trotz EM-Begeisterung und vieler positiver Attribute ist es schwer, Kinder für den Sport zu gewinnen.

Es ist gerade mal ein paar Wochen her, da haben wir bei der EM noch mit der deutschen Nataionalmannschaft mitgefiebert. Die Frage, die sich nach einem solch großen Turnier stellt, ist, ob die große Aufmerksamkeit auch für Vereine an der Basis etwas gebracht hat – Stichwort Mitgliedergewinnung. Positiv waren die Übetragungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Im Schulsport habe ich immerhin schon beobachtet, dass Kinder die Trikots von Wolff, Kühn und Pekeler tragen.

 Oft sind es aber Kinder, die schon Handball spielen. Neue Kinder für den Handball zu gewinnen, das ist schwierig. Die Mitgliedergewinnung gestaltet sich seit Jahren kompliziert, denn die Kinder haben heutzutage immer mehr Freizeitstress. Dabei hat der Handball so viel Potenzial.

Es herrscht ein faires Miteinander, die Topspieler sind angesichts vieler Partien in kurzer Zeit ein Vorbild an Einsatzwillen. Symbolisch für das alles ist der Abschluss eines Spiels. Nach dem Schlusspfiff treffen sich alle Spieler und Offiziellen – auch die Schiedsrichter – und klatschen sich nochmal ab. Das hat meiner Meinung nach Vorbildfunktion auch für andere Sportarten. In Gesprächen mit anderen Trainerkollegen wird aber deutlich: Zu einer signifikanten Erhöhung an Nachwuchsspielern führt das nicht.

Viele Vereine kooperieren schon mit Schulen. Das ist eine tolle Sache, weil man die Kinder dort direkt abholen kann. Der Trend im Handball geht derzeit immer wieder zu Fusionen – alles soll verschlankt werden. Landesverbände, Handballkreise, Ligen und Vereine legen ihre Institutionen und Mannschaften zusammen. Aber geht hier nicht die Vielfalt verloren? Es gibt zwar auch Beispiele, dass es gut funktioniert hat. Das sind aber wenige Ausnahmen.

Ich glaube, dass Funktionäre und Entscheidungsträger von Vereinen an der Basis weiterdenken müssen. Fragt man in Vereinsvorständen nach Zielen für die nächsten zwei bis fünf Jahre, gibt es oft nur lapidares Schulterzucken. Es wäre aber zu leicht, den Verantwortlichen alleine die Schuld zu geben. Denn das Ehrenamt als Grundsäule des Handballs stößt oft an seine Grenzen. Dabei ist zum Beispiel die Arbeit der Jugendtrainer gesellschaftspolitisch von großer Bedeutung. Denn die Kinder machen nicht nur tolle Bewegungserfahrungen, sie lernen auch Disziplin, Ordnung, Fairness und den Vergleich im Wettkampf.

 Die Nachwirkungen von G8 sind leider auch im Handball angekommen. Es gibt etliche A-Jugendmannschaften, die keinen richtigen Trainingsbetrieb mehr haben, weil sie Studenten und Azubis in ihren Reihen haben. Aus dieser Altersgruppe kamen oft auch Jugendtrainer, die jetzt ebenfalls fehlen.

Demotiviert werden viele Jugendtrainer auch dadurch, dass in Seniorenmannschaften Aufwandsentschädigungen gezahlt werden, während sie ihre Arbeit ehrenamtlich machen. Dieses Finanzmodell könnte man kontrovers diskutieren. Eine erste Mannschaft ist wichtig für den Verein. Die jungen Spieler schauen meistens zu diesen Spielern auf. Der DHB wollte dieser Entwicklung entgegentreten, Doppelspielrecht hieß das Zaubermodell. Wichtig für jeden Spieler ist es, Spielpraxis zu sammeln und auch Verantwortung zu übernehmen. Daher mein Appell: Kämpfen Sie weiter an der Basis und Front des Handballs.

Info Autor Felix Linden, 31 Jahre, DHB-A-Lizenztrainer und zertifizierter DHB-Nachwuchsleistungstrainer, Buchautor, Trainer der HSG Krefeld in der 2. Bundesliga.