1. NRW
  2. Städte
  3. Viersen
  4. Regionalsport

Fußball: Willi Kehrberg, VSF Amern, über den Amateurfußball in Corona-Zeiten

Amerns Trainer Willi Kehrberg : „Der Amateurfußball existiert derzeit nicht“

Der Trainer des Landesligisten VSF Amern, Willi Kehrberg, spricht über die Situation der Fußballvereine in der Corona-Pandemie und über die Folgen durch die Annullierung der Saison.

Seit vergangener Woche haben die Vereine Gewissheit. Die Saison 2020/21 wird annulliert. Nun können die Planungen für die Spielzeit 2021/22 losgehen. Doch wie fühlt man sich als Trainer? Und vor allem welche Folgen kann die aktuelle Situation mitunter für die Vereine haben? Der erfahrene Trainer Willi Kehrberg vom Landesligisten VSF Amern gibt seine persönliche Sicht der Dinge wieder und weist auch auf mögliche Folgen und Gefahren der aktuellen Situation hin.

Wie geht es Ihnen persönlich und wie gehen Sie mit der aktuellen Situation des Amateurfußballs um?

Kehrberg Für mich ist das schon eine große Lücke in der Lebensqualität nicht mit der Mannschaft arbeiten und auf dem Platz stehen zu können. Auch das Vorher und Nachher fehlt mir. Der Amateurfußball existiert zurzeit nicht, das ist sehr schade.

Kann man die Spieler nach der langen Zwangspause überhaupt noch motivieren?

Kehrberg Bis zur Annullierung war die potenzielle Fortsetzung der Saison der Ansporn, sich durch Laufchallenges oder Ähnliches fit zu halten. Mittlerweile sind die Spieler auf sich allein gestellt. Sollten wir wieder auf den Platz können, wird es wichtig sein, der aufgestauten Lust und dem Spaß am Fußballspiel freien Lauf zu lassen. Der Ehrgeiz, sich mit anderen Teams messen zu wollen, Spiele zu gewinnen und Punkte zu holen, kommt dann von allein.

  • Fortuna-Kolumne „Senf drupp“ : Sophie Schramm schreibt offenen Brief an Uwe Rösler
  • Philip Erkes wechselt zurück zu seinem
    Fußball-Bezirksliga : VfL Jüchen-Garzweiler verliert wichtigen Spieler
  • Jürgen Press ist neuer Trainer des
    Einer mit Lizenz : Jürgen Press neuer Trainer des KFC Uerdingen

Die Saison ist annulliert worden. Welche Folgen wird das für die Vereine haben?

Kehrberg Natürlich können alle im Verein es kaum erwarten, dass es wieder losgeht. Dennoch ist es nicht selbstverständlich, dass alle Spieler, Trainer, Betreuer, Funktionäre, Ehrenamtler und Fans genau da weitermachen, wo sie unfreiwillig aufgehört haben. Ich hoffe, dass wir das hinbekommen.

Und was sind die Folgen für die Spieler? Wird sich das in irgendeiner Art und Weise auf die kommende Saison widerspiegeln?

Kehrberg Bereits vor der Unterbrechung war klar, dass die Saison bis Oktober keine normale Saison war. Da schon die vorige Saison abgebrochen wurde, schlagen sich die Kader jetzt schon zwei Spielzeiten damit herum, das wirkt sich natürlich aus. Wir zum Beispiel haben in dieser Zeit in Amern 14 neue Spieler geholt, die noch keine richtige Saison zusammengespielt haben. Für einen Mannschaftssport ist das ganz schlecht. Wir müssen uns als Team erst noch zusammenfinden.

Die A-Junioren haben einen Großteil des Heranführens an den Seniorenbereich verpasst. Bleiben die Talente jetzt aus, die sonst immer den Sprung geschafft haben?

Kehrberg Normalerweise sichtet man die Jungs und führt sie dann langsam heran. Da geht es um mehr als nur Mittrainieren. Der Sprung in den Seniorenbereich ist groß, das ist für die Jungs, die diese Saison aus der A-Jugend kommen, ein großer Nachteil. Generell ist das für die Jugend eine Katastrophe. Als ich in dem Alter war, habe ich jeden Tag Fußball gespielt, das ist jetzt seit fast einem Jahr nicht richtig möglich. Für mich wäre das damals unvorstellbar gewesen.

Wie kann nach dieser Zäsur Ihrer Meinung nach der Re-Start des Amateurfußballs aussehen?

Kehrberg Sobald wir wieder auf den Platz dürfen, werden wir trainieren, Kleingruppen, Zehner-Gruppen, Mannschaftstraining, egal was. Ich hoffe, dass im Juni etwas möglich ist und es dann auch keine Unterbrechung mehr gibt. Ab dann wird durchtrainiert. Sicher wird man einige Fußballer bremsen müssen, ich fürchte aber, dass manche Vereine auch Jungs verlieren werden und sich auch im Umfeld neu werden aufstellen müssen. Wir in Amern jedenfalls werden voller Vorfreude und Optimismus an die nächste Landesligasaison herangehen.