Frühes Aus für Madeline Folgmann von der TG Jeong Eui Nettetal bei Taekwondo-WM in Manchester

Taekwondo-WM : Heftiger Dämpfer für Olympia-Träume

Nur mit einer Medaillenplatzierung bei der Teakwondo-WM in Manchester hätte die Nettetalein Madeline Folgmann noch realistische Chancen gehabt, sich direkt für Tokio 2020 zu qualifizieren. Das Aus kam aber schon im Achtelfinale.

Obwohl die Taekwondo-Weltmeisterschaft im englischen Manchester schon die die vierte WM-Teilnahme für Madeline Folgmann bedeutete (eine in der Jugend, die dritte bei den Senioren), der hochkarätige Wettbewerb war alles andere als Routine für die 22-Jährige von der TG Jeong Eui Nettetal. Beim Saisonhöhepunkt wollte Folgmann ihre Chance beim Schopfe packen, um mit einer Treppchenplatzierung in der Gewichtsklasse bis 53 Kilogramm wichtige Punkte für die Olympia-Rangliste zu sammeln und sich so Chancen auf die direkte Qualifikation für Tokio 2020 zu bewahren. Doch daraus wurde nichts. Die Weltranglisten-Vierte musste schon im Achtelfinale gegen die Marokkanerin Oumaima El Bouchti die Segel streichen und belegte unter dem Strich den neunten Platz.

„Das tut echt weh und frustriert total“, sagte die 22-Jährige nach ihrem frühen Aus. Schließlich hatte sie sich akribisch auf den Saisonhöhepunkt vorbereitet. Und nach der Auslosung sah es auch so aus, als sollte es das Schicksal gut meinen. „Da wäre das Halbfinale gut möglich gewesen“, meinte Heimtrainer Björn Pistel, der mit mach Manchester gereist war, Folgmanns Betreuung an der Matte übernahm bei der WM aber Bundestrainer Yeonji Kim. Und die sah nach einem Freilos in der Runde der letzten 32 auch gleich einen etwas gehemmten Start der Nettetalerin. Gegen die Kanadierin Charlotte Brown lief sie direkt einem Rückstand hinterher, den sie allerdings in der letzten Runde zu ihren Gunsten drehen konnte. Letztlich ging es mit einem 11:8-Sieg in die nächste Runde. Gegen Oumaima El Bouchti wusste Folgmann, was auf sie zukommt, denn gegen die Marokkanerin hatte sie bereits vor einigen Wochen im Halbfinale des President’s Cup verloren.

Entsprechend versuchten die Trainer, sie einzustellen. Doch von Beginn an hatte Folgmann Probleme, ein probates Mittel gegen die starke Faust von El Bouchti zu finden. Etliche Punkte gelangen der Marokkanerin so, und Folgmann musste einen großen Aufwand betreiben, um den Anschluss zu halten. In der dritten Runde gelang der Ausgleich zum 10:10, und die Nettetalerin probierte alles, um den Siegtreffer zu setzen. Doch während sie nicht durchkam, werteten die Kampfrichter ganz spät einen umstrittenen Fausttreffer für El Bouchti. Damit war das frühe Aus für Folgmann besiegelt. Da konnte es auch kein Trost sein, dass die Titelverteidigerin Zeliha Agris (Türkei) schon in Runde eins und die Olympia-Zweite Tijana Bogdanovic in Runde zwei ausgeschieden waren. „Es war mehr drin an diesem Tag in Manchester, was die Niedergeschlagenheit nach dem knappen Ausscheiden noch größer macht“, sagte Björn Pistel. Wie schon so oft in dieser Saison, wendete sich in knappen Situationen das Blatt gegen die Nettetalerin. In dem so erfolgreichen Jahr davor war das genau andersherum gewesen. „Aber vielleicht sind es diese Erfahrungen, die einen Athleten stark machen für die Zukunft, wenn man die richtigen Schlüsse daraus zieht“, erklärte Björn Pistel, „es geht nicht darum, wie viele Niederlagen man erleidet, sondern wie oft man wieder aufsteht und weiter für sein Ziel kämpft.“

Folgmanns großes Ziel, die Olympischen Spiele in Tokio, haben jetzt aber zunächst mal einen kräftigen Dämpfer erhalten. Für die direkte Qualifikation wäre eine Platzierung unter den ersten Sechs in der Rangliste der olympischen Gewichtsklasse bis 57 Kilogramm vonnöten. Doch in diesem Ranking liegt die Nettetalerin aktuell nur auf Position 13, und ohne die WM-Punkte ist der Rückstand von über 100 Zählern auf Platz sechs nur noch in der Theorie aufzuholen.

So bleibt lediglich die Hoffnung auf die europäische Kontinental-Qualifikation für Tokio im April des kommenden Jahres. Wobei noch ungewiss ist, welche Kämpferinnen aus welcher Gewichtsklasse teilnehmen. „Eigentlich führt an Madeline kein Weg vorbei, sie ist aktuell immer noch die erfolgreichste deutsche Kämpferin“, betonte Pistel. Das letzte Wort hat aber die Deutsche Taekwondo-Union.

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