Lokalsport: Diskussion mit konkreten Ergebnissen

Lokalsport : Diskussion mit konkreten Ergebnissen

Rund 200 Gäste kamen ins Forum des Kreishauses zur Veranstaltung "Im Sport steckt Bildung". Dass das so ist, darüber waren sich auch die Teilnehmer der Diskussionsrunde einig. Dennoch brauchen die Sportvereine noch Unterstützung.

Seit dem Spätsommer 2015 treibt der Landessportbund mit großem Aufwand seine Kampagne "Das haben wir im Sport gelernt" voran. Ziel ist, die Sportvereine neben Kindergärten, Schulen und Universitäten als Bildungsträger auf Augenhöhe zu positionieren. Doch es gibt offenbar noch viel zu tun. "Die Sportvereine werden in der Politik als Lernort geschätzt. Doch wenn man ehrlich ist, werden sie gegenüber den anderen Bildungsinstitutionen noch nicht als gleichwertig gesehen", sagte die Viersenerin Martina Maaßen aus der Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen.

Sie war am Mittwochabend der Einladung des Kreissportbundes Viersen (KSB) zur Veranstaltung "Im Sport steckt Bildung" gefolgt, um mit sechs weiteren Gästen im Forum des Kreishauses über das Bildungspotenzial des Sports zu diskutieren. Mit dabei waren auch noch Kreisdirektor Ingo Schabrich, Schulrat Thomas Mohr, Barbara Janke als 2. Vorsitzende des KSB, Ruder-Olympiasieger Ansgar Wessling, der Viersener TV- und Radiojournalist Dieter Könnes sowie als Vereinsvertreterin die Taekwondo-Sportlerin Jamie Lee Poos aus Willich. Doch bevor sie vor rund 200 Vertreten von Sportvereinen, Kindertagesstätten, Schulen, Verwaltung und Politik darüber sprachen, wie es um die gesellschaftliche Bedeutung des Sports im Allgemeinen und der Sportvereine im Besonderen steht, machte der Brüggener Sportmediziner Wildor Hollmann in einem Vortrag zunächst noch mal deutlich, wie wichtig Bewegung für die kindliche Entwicklung ist.

Neben den positiven Effekten auf die Ausschüttung von Wachstumshormonen und auf die körperliche Leistungsfähigkeit ging der inzwischen 92-Jährige, dem Thema des Abends entsprechend, auch noch auf die kognitive Entwicklung ein. Und auch dabei sprechen alle wissenschaftlichen Erkenntnisse dafür, dass Bewegung optimale Voraussetzungen für eine gesunde Entwicklung des kindlichen Gehirns schafft. "Der beste Reiz für die Vergrößerung der Synapsen in den Nervenzellen und die Vernetzung der Nervenzellen im Gehirn ist körperliche Aktivität", betonte Hollmann. Zudem berichtete er von einer Studie, in der die Gehirne von aktiven und inaktiven Kindern untersucht wurden. Die Kernaussage: Alle für die Intelligenz entscheidenden Areale des Gehirns waren bei den aktiven Kindern besser ausgeprägt.

Aus diesen Erkenntnissen hat Hollmann gleich mehrere Konsequenzen für den Bereich Schule abgeleitet, drei von ihnen fanden sich auch in der anschließenden Diskussionsrunde wieder: die Empfehlung von drei Schulsportstunden pro Woche, Kinder zu Mitgliedschaften in Sportvereinen zu ermuntern und Eltern auf die positiven Einflüsse von Sport hinzuweisen. Zunächst stellte Moderator Michael Heise allerdings die Frage nach der Bedeutung, die Sportvereine unter den Bildungsinstitutionen im Kreis Viersen einnehmen. Kreisdirektor Ingo Schabrich attestierte dem Sport einen hohen Stellenwert, der sich auch in der guten Zusammenarbeit mit dem KSB ausdrücke. Gleichwohl forderte Barbara Janke vom KSB noch mehr Unterstützung ein, um möglichst vielen Sportvereinen zu ermöglichen, mit Kindertagesstätten und Schulen zu kooperieren. "Wir müssen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass die Sportvereine Bildungsakteure sind. Denn wir wollen gleichwertiger Partner auf Augenhöhe sein", sagte Janke.

Schulrat Thomas Mohr ist zufrieden damit, dass schon rund die Hälfte aller Grundschulen im Kreisgebiet mit Sportvereinen kooperieren. "Das ist ein Gewinn für beide Seiten. Wir bekommen mehr Sport in die Schulen und mehr Kinder gehen in Vereine", sagte Mohr. Vor dem Hintergrund, dass die Landtagsabgeordnete Martina Maaßen eingestand, dass die Politik Nachholbedarf hat, Sportvereine als Bildungsakteur wahrzunehmen, sagte sie zu, sich dafür einzusetzen, dass sich das ändert. Auch beim Wahlprogramm der Grünen will sie noch mal genau hinschauen. "Vielleicht sollten wir da mal eine Verbindung zwischen dem Sport- und Bildungskapitel einarbeiten", sagte sie mit einem Schmunzeln. Nicht nur ihr ist aufgefallen, dass der Sportunterricht oftmals zu schnell ausfällt.

Aus dem Auditorium meldete sich eine ehemalige Sportlehrerin mit der Frage, wie realistisch es sei, dass es an Grundschulen zuverlässig eine dritte Sportstunde gebe. Schulrat Thomas Mohr betonte, dass drei Wochenstunden Schulsport eigentlich verpflichtend seien, es aber aus Raumnöten oder wegen Lehrermangel nicht selten vorkomme, dass eine Stunde ausfalle. Das brachte Journalist Dieter Könnes auf den Plan, der nicht nur mehr Eigenverantwortung von der Eltern einforderte, um ihre Kinder zu mehr Bewegung zu bringen, sondern von den Schulen auch mehr Fantasie: "Wenn eine Halle nicht zur Verfügung steht, dann kann ich mit den Kindern auch nach draußen gehen. Dort gibt es genug Bewegungsmöglichkeiten." Da applaudierten nicht die Zuhörer, sondern auch Schulrat Mohr, der sich spontan bereiterklärte sich mit Könnes mal zusammenzusetzen, um Ideen auszutauschen. Doch das war nicht die einzige konkrete Maßnahme, die der Abend brachte. Mohr will auch eine Art runden Tisch einrichten, um Grundschulen und Sportvereine noch besser zusammenzubringen. "Dort können die Schulen sagen, was sie brauchen, und die Vereine, was sie bieten können."

(RP)
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