Die Viersenerin Anna Seeberger wird Zweite bei der Wander-WM

Walking : Vize-Weltmeisterin auf Schusters Rappen

Die Viersenerin Anna Seeberger kann vom Walken gar nicht genug bekommen. Bei ihrem Abstecher zur Wander-WM gab’s Platz zwei.

Seit die Viersenerin Anna Seeberger 2016 eher zufällig über eine Freundin das Walking für sich entdeckte, mischt sie die Szene dieser Sportart in Deutschland regelmäßig mit neuen Bestmarken auf. Offenbar eine gute Voraussetzung, um mal einen Abstecher zu den artverwandten Wanderern zu machen. Denn bei den kürzlich in Wildschönau ausgerichteten Wander-Weltmeisterschaften holte sich die 49-Jährige zusammen mit der Deutschen Ursula Schneider einen geteilten zweiten Platz hinter der Österreicherin Evelin Schmidt.

Eine durchaus beachtliche Leistung, denn auch wenn die Wanderer durch das Raster des herkömmlichen leistungsorientierten Wettkampfsports fallen, ist ihrer WM alles andere als eine Randerscheinung. Bereits seit 2002 wird sie jährlich ausgetragen. Sie wird vom Internationalen Volkssport Verband (IVV) ausgerichtet und ist die größte Wanderveranstaltung Europas für Genusswanderer, Leistungssportler und Vereine. Ende September waren knapp 1200 Aktive aus 18 Nationen am Start. An jedem der drei Wettkampftage stehen bis zu vier verschiedene Strecken zwischen fünf und 42 Kilometern zur Wahl. Zum Weltmeister wird derjenige gekürt, der die meisten Kilometer zurücklegt - also der, der an jedem Tag bis zu vier Wanderungen absolviert.

Die Viersenerin legte an den drei Tagen 150 Kilometer zurück. Zum Auftakt waren es 55 Kilometer: morgens sieben Runden à fünf Kilometer und die lange Tour über 20 Kilometer am Nachmittag. Am zweiten Tag absolvierte Seeberger 45 Kilometer: morgens vier Runden à sechs Kilometer und einen Halbmarathon am Nachmittag plus eine geführte Fünf-Kilometer-Runde. Am dritten Tag kamen noch 50 Kilometer hinzu: morgens vier Runden à sechs Kilometer und am Nachmittag wieder ein Halbmarathon. „Bei dem wurden wir unterwegs per Seilbahn auf den Roßkopf gebracht, wo es von da an komplett bergab mit 900 Höhenmetern zum Ziel ging“, erklärt die Viersenerin. Ihre WM-Taktik: Morgens Gas geben und Kilometer reißen und nachmittags die lange Strecke, sofern die Beine noch mitmachten. Was ihr zunächst entging, war, dass vom ersten Tag an unter Beobachtung stand. Schließlich war sie absolute Newcomerin auf internationalem Parkett flott unterwegs. Das machte die Coaches der internationalen Teams neugierig. „Die haben mich netterweise über das aktuelle Ranking auf dem Laufenden gehalten“, sagte Seeberger. Wohl nicht ganz ohne Hintergedanken. Denn sie versuchten, auch die Viersenerin für ihr Team zu gewinnen. Selbst bei einer Mannschaft aus Australien, ständig international dabei und dieses Jahr zum wiederholten Mal Teamweltmeister, steht die 49-Jährige auf der Wunschliste.“

Dass es seit den Anfängen im Jahr 2016 in Sachen Walking so schnell bergauf ging mit ihrer Leistungsentwicklung, damit hat Seeberger nicht gerechnet. „Ich war überrascht, auf Anhieb vorne mitzumischen.“ Ihre Zeiten wurden kontinuierlich schneller und die Distanzen länger. Bis jetzt hat sie vier 100-Kilometer-Märsche bewältigt. Ihre Bestzeiten sind über 100 Kilometer in Berlin 17:50 Stunden, über fünf Kilometer in Essen 32:08 Minuten, über die Halbmarathondistanz in Oberhausen 2:25:54 Stunden (gleichzeitig deutsche Jahresbestzeit) und über zehn Kilometer in Eschweiler 1:04:58 Stunden. Das Besondere: Alle Zeiten walkte sie im vergangenen Monat.

Offenbar eine perfekte Vorbereitung für die Weltmeisterschaft in den Kitzbühler Alpen. Doch weitere neue Herausforderungen warten schon: die 100 Kilometer „Rund um Frankfurt“, das Finale der „Hunderter-Challenge“, sowie Ende Oktober auf besondere Einladung den Lauf „Rund um die Insel Sylt“.

Mehr von RP ONLINE