Studium in den USA : Wie bekomme ich ein Sportstipendium?

Sportstipendien für US-Colleges werden in Deutschland über Agenturen vermittelt. Manche versprechen mehr, als sie halten.

Zur Weihnachtszeit kehren viele junge Sportler in die Heimat zurück, die ein College-Studium in den USA absolvieren. Sie sehen darin eine große Chance, aber gewöhnlich gehen die Studiengebühren jährlich in die Zehntausende und sind für die meisten nicht zu finanzieren. Doch gute Sportler können über Stipendien ein Großteil oder sogar die kompletten Kosten finanziert bekommen. Philipp Liedgens leitet die Agentur Sport-Scholarships in Mönchengladbach und hilft bei der Beantwortung der wichtigsten Fragen rund um das Thema Stipendien. In der Region haben in den vergangenen Jahren schon etliche Sportler den Sprung über den Atlantik gewagt und waren begeistert. Zum Beispiel die Fußballer Philipp Spickenbaum (Niederkrüchten) und Henri Tophoven (Brüggen) vom 1. FC Mönchengladbach oder der Golfer Tom Büschges vom GC Haus Bey aus Nettetal.
Welche Bedingungen herrschen an den Colleges?

„In den USA habe ich die Möglichkeit, ein Studium mit dem Leistungssport zu verbinden“, sagt Liedgens. Auf dem Campus sind die Wege zwischen Hörsaal und Trainingsplatz kurz. Der Sport genießt einen hohen Stellenwert. Je höher das Ansehen des Colleges ist, desto bester sind nicht nur die akademischen, sondern auch die sportlichen Angebote. Alle Sportler können die Highend-Facilitys der Basketball- und Footballteams nutzen. Bedingungen, mit denen selbst die Nachwuchszentren der Bundesliga häufig nicht mithalten können.
Wer bekommt ein Stipendium?

Sowohl die akademischen als auch die sportlichen Leistungen sind entscheidend dafür, welche Colleges infrage kommen. Liedgens Agentur vermittelt Fußballer zwischen Verbands- und Regionalliga-Niveau. Wenn jemand auf hohem Level spielt, Abinote wie Aufnahmetest sehr gut ausfallen, kommen sogar Elite-Colleges infrage. Aber auch für schwächere Schüler haben Chancen, 1000 Unis in den USA führen Förderprogramme. Zehn auf drei Jahre angelegte Vollstipendien darf ein Trainer auf seinen Kader aufteilen. Dabei erhalten die besten fünf Spieler meist ein Stipendium von 80 bis 90 Prozent, der Rest wird abgestuft. Auch in anderen Sportarten, wie Leichtathletik, Hockey oder Tennis, werden Stipendien vergeben.
Wie lässt sich die passende Agentur finden?

Seit der Fußball in den USA boomt, ist die Nachfrage nach deutschen Talenten gestiegen. Folglich ploppt ständig eine neue Agentur aus dem Boden. Wie bei Spielerberatern gilt: Es braucht keine Qualifikation. Viele machen Versprechungen, die sie nicht einhalten können, weil ihnen das Netzwerk fehlt. Wenn Agenturen gar ohne Partnerschaft mit Logos von Colleges werben, können die Spieler nachträglich ausgeschlossen werden. „Da wird mit den Schicksalen von jungen Menschen gespielt“, sagt Liedgens. Er fliegt seit 17 Jahren regelmäßig in die USA, um sich auszutauschen, viele US-Trainer vertrauen auf seine Expertise. Auch, weil er stets versucht, realistische Empfehlungen zu geben. Am besten ist es wohl, mit zwei Agenturen kostenfreie informelle Gespräche zu führen und sich danach für eine zu entscheiden. Bei Liedgens Agentur werden für den gesamten Service einmalig 990 Euro, bei erfolgreicher Vermittlung an ein College dann noch einmal 2500 Euro fällig.
Ist Videomaterial nötig?

Es ist wichtig, Spiel- und Trainingsaufnahmen zu sammeln, damit die Agentur ein aussagekräftiges Online-Profil für die Colleges aufbereiten kann. Für Liedgens arbeitet zu diesem Zwecke seit 2018 der ehemalige Videoanalyst von Jogi Löw.
Gibt es einen Aufnahmetest?

Um an einem College aufgenommen zu werden und eine Spielberechtigung zu erhalten, muss ein Multiple-Choice-Test abgelegt werden, der Mathe- und Englischkenntnisse prüft. Eine Teilnahme ist sechsmal im Jahr möglich.
Gibt es Praxistests?

Die größten Talente werden von Liedgens den Colleges aktiv angeboten oder von ihnen kontaktiert. Die anderen spielen kurz vor Weihnachten bei einem Sichtungsturnier vor, zu dem Trainer der Colleges aus den USA eingeflogen werden. Die Teilnehmer können danach mit den Trainern in Kontakt treten, die über das Sportprogramm und die Studienangebote ihrer Colleges informieren.