Der neue Vorsitzende des Fußballkreises Kempen/Krefeld Jürgen Hendricks im Interview

Fußball : „Dafür sorgen, dass es Vereinen gut geht“

Der Nettetaler Jürgen Hendricks ist seit knapp zwei Monaten Vorsitzender des Fußballkreises Kempen/Krefeld. Im Interview spricht er auch über die aktuellen Probleme im Amateurfußball.

Seit Anfang Mai steht der Nettetaler Jürgen Hendricks an der Spitze des Fußballkreises Kempen/Krefeld. Damals trat er als Nachfolger des nicht mehr kandidierenden Willi Wittman, den er zuvor auch schon als Vorsitzender des Stadtsportverbandes Nettetal abgelöst hatte, in große Fußstapfen. Ursprünglich kommt der 56 Jährige aus dem Fußball. Er war 27 Jahre Spieler und Vorsitzender des FC Lobberich/Dyck. Fast zwei Monate nach seinem Amtsantritt sprach die RP mit ihm über sein neues Amt und aktuelle Probleme im heimischen Amateurfußball.

Herr Hendricks, fast zwei Monate sind Sie Amt. Haben Sie den Schritt schon mal bereut?

Hendricks Nein, ich wusste ja, was auf mich zukommt. Die Aufgabe ist so, wie ich Sie mir vorgestellt habe. Ich musste mich nur etwas umorganisieren. Ich bekleide ja im Verband auch noch Ämter im Bereich Futsal sowie Freizeit- und Breitensport. Deshalb habe ich meine Staffelleitungen an Jüngere abgegeben.

Sie sind auch Stadtsportverbands-Vorsitzender. Wieso auch noch das neue Amt?

Hendricks Ich komme aus dem Fußball. Bis vor dreieinhalb Jahren, als ich dann Ämter beim FVN übernommen habe, war ich schon mal im Kreisvorstand. Schon damals bin ich mal gefragt worden, ob ich mir den Vorsitz vorstellen könnte. Jetzt war der Zeitpunkt gekommen.

Sie haben Willi Wittmann auch beim Stadtsportverband beerbt. Gibt es zwischen Ihnen beiden eine besondere Verbindung?

Hendricks Eigentlich nicht. Wir sind zwar beide Schaager und wohnen nur etwa 200 Meter auseinander, doch kennengelernt haben wir uns erst über den Sport. Zuerst im Fußballkreis und dann noch als ich Geschäftsführer im Stadtsportverband wurde. Wir haben einen guten Draht und ähnliche Herangehensweisen. Willi hat viel Erfahrung, ich großen Elan. Die Stoßrichtung ist dieselbe.

Wie sehen Sie die Rolle des Fußballkreises gegenüber den Vereinen?

Hendricks Der Kreis muss den Vereinen Service bieten und ihre Stimme beim Verband sein. Wir müssen im Rahmen unserer Möglichkeiten dafür sorgen, dass es den Vereinen gut geht. Es muss möglichst viel geregelt, informiert und geschult werden. Ganz wichtig ist es, im Gespräch zu bleiben. Da spielt der Vereinsdialog des Verbandes eine wichtige Rolle, da sind wir ja auch immer mit dabei.

Sie haben sich bestimmt einen ersten Überblick verschafft. Was sind die dringlichsten Aufgaben im Fußballkreis?

Hendricks Es gibt nicht viele Bereiche, wo wir direkt einwirken müssen. Das Thema Sportstätten in Krefeld ist zum Beispiel sehr schwer, aber da müssen wir den Daumen in die Wunde legen. Schließlich kommt die Vereinsarbeit der Stadt zugute, dafür werden gute Sportstätten benötigt. Da werden wir bald Gespräche mit dem Stadtsportbund Krefeld führen. Zudem wird es wichtig sein, sich auch wieder mehr auf den Fußball zu fokussieren, um die Leistungsdichte zu erhöhen. Zum Beispiel über die Ausbildung von Trainern. Ich hätte gerne wieder mehr Kreisvereine in der Bezirksliga. Lob an die Teams in der Oberliga und Landesliga, aber darunter können wir einen breiteren Unterbau gut gebrauchen.

Woran liegt es denn, dass die Leistungsstärke bei den hiesigen Amateurvereinen abgenommen hat?

Hendricks Das hat natürlich auch etwas mit Sponsoren zu tun. Die Anstoßzeiten im Profifußball tun den kleinen Vereinen nach wie vor nicht gut. Da müssen wir Einfluss beim Verband nehmen. Da haben wir in Peter Frymuth einen Präsidenten, der pro Amateure ist und als DFB-Vizepräsident auch gute Verbindungen hat.

Vereinsvertreter sind oft nicht gut zu sprechen auf Verbandsfunktionäre. Wie wollen Sie Hemmschwellen und Vorurteile abbauen?

Hendricks Ich habe mir auf die Fahne geschrieben, für mehr Transparenz zu sorgen. Es gibt zum Beispiel gute Gründe, wieso ein Spielplan so ist, wie er ist. Da gibt es Rahmenbedingungen und Zwänge, die wir ganz offen darlegen müssen.

Wie sehen Sie die Rolle des Fußballkreises gegenüber dem FVN und dem DFB?

Hendricks Ich war erst bei einer Beiratssitzung des FVN dabei. Aber Willi Wittmann hat mir versichert, dass wir gehört werden. Es geht darum, Mehrheiten zu organisieren und unsere Positionen zu äußern.

In jüngster Vergangenheit gab es mehrere Gewaltausbrüche auf Fußballplätzen in der Region. Wie kann dem begegnet werden?

Hendricks Die Entwicklung ist sehr unerfreulich. Bei Gewalt gegen Schiedsrichter müssen sich die Vereine überlegen, ob sie die Spiele bald selbst pfeifen müssen. Denn wenn es so weitergeht, wird es immer weniger Schiedsrichter geben. Da müssen harte Strafen ausgesprochen werden. Wobei die Frage ist, ob wir so dem gesellschaftlichen Wandel beikommen können. Das denke ich nicht. Wir haben seit geraumer Zeit einen Kreiskonflikt-Beauftragten. Da müssen wir mal genauer hinterfragen, wie er im Falle eines Falles eingesetzt werden und was er bewirken kann.

Welche Rolle kann es spielen, dass es immer mehr Videobilder von den Amateurplätzen gibt?

Hendricks Ich bin da etwas zwiegespalten. Einerseits kann es abschreckend sein, andererseits kann es dazu führen, dass Kinder und Jugendliche unreflektiert Bilder sehen, wie Schiedsrichter angegriffen werden und sich lustig darüber machen. Da wäre ganz klar kontraproduktiv.

Aktuell läuft die Frauen-WM. Im Frauenfußball läuft’s im Kreis derzeit nicht so gut. Wie wichtig ist Ihnen das Thema?

Hendricks Zunächst einmal: Andere Kreise bekommen nicht mal eine Frauen-Kreisliga zusammen. Wir schon, deswegen geht es uns vergleichsweise gut. Aber es ist richtig: In der Spitze und in der Breite haben wir ein Problem. Mir ist schon wichtig, dass sich das ändert. Aber erzwingen können wir nichts, das muss von unten wachsen, da müssen wir Geduld haben. Vielleicht kann die aktuelle WM etwas dazu beitragen. Deutschland spielt ja eine gute Rolle.

Wie lässt sich gegensteuern?

Hendricks Zunächst müssen wir mal zusammen mit den Vereinen überlegen, wie wir das, was wir haben, erhalten können. Vielleicht kann eine Flexibilisierung und Individualisierung im Spielbetrieb dazu beitragen, dass wir unsere Kreisliga langfristig behalten.

Im Nachbarkreis Mönchengladbach/Viersen steht seit kurzem eine Frau an der Spitze. Wann ist es in Kempen/Krefeld soweit?

Hendricks Wir haben viele gute Frauen bei uns. Da wird es ganz bestimmt auch mal eine Frau an der Spitze geben. Wobei es darum geht, in den Kreisvorständen ein gutes Arbeitsklima zu entwickeln. Wenn das Team funktioniert, dann ist es unerheblich, wer an der Spitze steht.

Wie lange planen Sie denn, den Job des Kreisvorsitzenden zu machen? Willi Wittman war 25 Jahre im Amt.

Hendricks In 25 Jahren wäre ich ungefähr so alt wie Willi jetzt. Wichtig ist, dass man selbst erkennt, wann die Zeit reif ist. An Posten zu kleben, ist nicht gut. Andere Menschen haben andere Gedanken und Ideen. Das ist enorm wichtig.

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