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Fußball: "Das hat mich sehr getroffen"

Fußball : "Das hat mich sehr getroffen"

Frank Mitschkowski (37), scheidender Trainer des 1. FC Viersen, über den Weggang vom Hohen Busch, Enttäuschungen und seine neue Aufgabe beim ASV Süchteln.

Letztes Saisonspiel, letzter Höhepunkt. Der 1. FC Viersen kann mit einem Erfolg bei Rot-Weiß Oberhausen II den vierten Tabellenplatz festigen und eine sensationelle Spielzeit krönen. Stephan Mangels sprach vor den letzten 90 Minuten mit dem scheidenden Trainer Frank Mitschkowski.

Am Sonntag stehen Sie zum letzten Mal für den 1. FC Viersen an der Seitenlinie. Kommt bei Ihnen eigentlich Wehmut auf?

Mitschkowski Auf jeden Fall. Ich hatte hier ein sehr erfolgreiches und schönes Jahr. Es hat uns großen Spaß gemacht, mit den Jungs zu arbeiten. Die Aufgabe ist uns schon sehr ans Herz gewachsen. Zudem habe ich hier viele nette Menschen kennengelernt, deren Freundschaften ich auch in Zukunft pflegen werde.

Als "Neuling" haben Sie sich schnell in der Niederrheinliga zurechtgefunden und sich auch einen Namen gemacht. Wie ging das?

Mitschkowski Ich denke, dass ich bereits in den Jahren zuvor konstante Resultate mit Giesenkirchen und dem 1. FC Mönchengladbach vorgewiesen habe. Daher wurde mir das Vertrauen ja auch für diese Aufgabe geschenkt. Ich bin stets bemüht, die maximale Leistungsbereitschaft und das daraus resultierende Leistungsvermögen aus den einzelnen Spielern herauszukitzeln. Wir haben hart an unseren Defiziten gearbeitet und die gute Rückrunde ist das Resultat. Dann steht der Trainer mit in der Sonne.

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Können Sie es nachvollziehen, dass man den Vertrag mit Ihnen nicht verlängert hat? Schließlich spielt der 1. FC Viersen die beste Saison seit einem Jahrzehnt, zumindest was die ehemalige Verbandsliga angeht.

Mitschkowski Nein, das kann ich nicht. Daraus mache ich auch keinen Hehl. Das hat mich sehr getroffen. Die Entscheidung fiel zu einem Zeitpunkt, als wir auf dem 13. Platz standen. Scheinbar hatte ich die Erwartungen nicht erfüllt. Die Vorgabe vom 1. Vorsitzenden war, eine gute Saison zu spielen. Dieses Ziel sah ich nie gefährdet.

Im Umfeld des Hohen Buschs rumort es kräftig. Eine erfolgreiche Mannschaft scheint auseinanderzubrechen. Können Sie das erklären?

Mitschkowski Die Mannschaft fällt nicht komplett auseinander. Da wird immer mehr hineininterpretiert, als tatsächlich wahr ist. Dass der ein oder andere geht, passiert in fast allen Vereinen des Fußballkreises. Nur hier wird es wahnsinnig aufgeblasen. Man ist einen Schritt gegangen, um Viersener Spielern in Zukunft mehr Spielmöglichkeiten in der 1. Mannschaft zu geben. Wenn man jetzt aber sieht, dass gerade einige dieser eigenen Spieler den Verein verlassen werden, fragt man sich schon, wofür man das eigentlich gemacht hat. Ich kann die Enttäuschung der Vereinsführung absolut verstehen.

Jetzt gehen Sie in die Bezirksliga zum ASV Süchteln. Warum?

Mitschkowski Ich hatte mich schon fast damit abgefunden, die kommende Saison als Zuschauer zu verbringen, wollte meinen nächsten Trainerschein machen und hätte dann Norbert Meier gefragt, ob ich bei ihm bei Fortuna Düsseldorf ein einmonatiges Praktikum machen darf. Dann bekam ich vergangene Woche einen Anruf von Süchteln. Ich wusste ja, was derzeit in Süchteln entsteht und hatte von Anfang an Interesse, diese Aufgabe zu übernehmen. Dass es jetzt wahrscheinlich die Bezirksliga ist, trübt nicht meine Überzeugung, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Auch wenn der Druck, kommende Saison aufsteigen zu müssen, natürlich viel größer ist als bei einem Start in der Landesliga. Aber damit komme ich klar.

Süchteln wird als "schlafender Riese" bezeichnet. Werden Sie ihn zum Leben erwecken?

Mitschkowski Ich hoffe und denke, dass ich meinen Teil dazu beitragen kann. Ich alleine werde es auf gar keinen Fall schaffen. Ziehen alle an einem Strang, können wir den ersten Schritt machen.

Kann ihr neuer Verein auf Dauer dem 1. FC Viersen gefährlich werden?

Mitschkowski Ich konzentriere mich nur auf meine Aufgabe ab dem 1. Juli. Wie schnell das auch im Amateurbereich geht, habe ich ja jetzt am eigenen Leib erfahren müssen. Man sollte das Ganze aber etwas globaler sehen. Ziel muss es doch sein, dass möglichst viele Vereine aus dem Fußballkreis oben spielen. Lürrip hat sich jetzt mit dieser tollen Saison in der Landesliga etabliert. So muss es weiter gehen. Und ich bin davon überzeugt, dass auch Klaus Fleßers davon begeistert wäre, wenn es irgendwann einmal zu einem Niederheinligaspiel des 1. FC Viersen gegen den ASV Süchteln vor 2000 Zuschauern kommen würde.

(RP)