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Coronavirus im Grenzland: Die Auswirkungen auf den Sport in der Region

Coronavirus im Amateursport : So wirkt sich Corona in der Region aus

Die verschiedenen Sportverbände gehen unterschiedlich mit dem Thema um. Generelle Absagen gibt es nur im Kreis Heinsberg.

Mit der Entscheidung, das Derby in der Fußball-Bundesliga zwischen Borussia und dem 1. FC Köln ohne Publikum auszurichten, hat die Corona-Problematik aus sportorganisatorischer Sicht eine neue Dimension erreicht. Die verschiedenen Sportverbände gehen sehr unterschiedlich mit der Situation um, gerade im Amateur- und Freizeitsport ist das Bild sehr heterogen. Nachfolgend geben wir für ausgewählte Sportarten einen Überblick über den Stand der Dinge in der Region.

FUSSBALL

Im Kreis Heinsberg, wo das Virus am stärksten verbreitet ist, ruht der Sportbetrieb schon seit Anfang März, so dass die meisten dort angesiedelten Vereine bislang noch nicht in die Rückrunde starten konnten. Ein paar wenige haben auf Verbandsebene bislang nur Auswärtsspiele bestritten. Stand Dienstag soll am Wochenende aber wieder gespielt werden. „Aktuell gibt es keine generelle Absage, aber die Ereignisse überholen uns stündlich. Deswegen kann sich das schnell auch wieder ändern“, sagt Josef Küppers, Vorsitzender des Kreisspielausschusses. „Wir hoffen, dass wir wieder spielen dürfen“, sagt Thomas Klingen, Geschäftsführer des Mittelrheinligisten FC Wegberg-Beeck, mit Blick auf das Heimspiel am Freitagabend gegen Borussia Freialdenhoven.

Gleichzeitig ist Klingen Vorsitzender des Kreisfußballausschusses im Heinsberger Nachbar-Fußballkreis Mönchengladbach/Viersen. Dort sieht er die Lage gänzlich anders. „Bei uns sind weder Kindergärten noch Schulen geschlossen. Deswegen ergibt es keinen Sinn, mit Absagen im Sport zu beginnen“, erklärt Klingen, ergänzt aber: „Wenn das Gesundheitsamt entsprechende Vorgaben macht, müssen wir die Situation neu bewerten.“ Auch beim ebenfalls in der Nachbarschaft liegenden Fußballkreis Kempen/Krefeld ist eine generelle Absage derzeit kein Thema. „Der Verband ist im ständigen Kontakt mit dem Gesundheitsministerium und gibt die Lage an die Kreise weiter“, sagt Kreisvorsitzender Jürgen Hendricks. „Wir beobachten aber auch die Situation in Heinsberg mit Argusaugen.

HANDBALL

Seit genau zwei Wochen sind alle Sportstätten im Kreis Heinsberg geschlossen. Davon sind auch die Handballer stark betroffen. Nicht nur die anstehenden Ligaspiele wurden abgesagt, auch ein Training war nicht möglich. Dies galt zunächst nur für die Heimspiele, mittlerweile wurden jedoch ebenso die Auswärtsspiele verlegt. Bis Ende dieser Woche bleiben die Hallen gesperrt, wie es danach weitergeht, ist noch ungewiss. Die Meisterschaftsspiele der beiden Landesligisten ASV Rurtal und TV Erkelenz am kommenden Wochenende wurden verlegt. Bei Spielen außerhalb des Kreises Heinsberg ist die offizielle Vorgabe des Handballverbandes Niederrhein, dass es keine generelle Absage gibt. Sollten jedoch eine Mannschaft oder die Schiedsrichter gesundheitliche Bedenken haben, ist eine Absage möglich.

„Wir werden gesundheitliche Bedenken nicht so einfach von der Hand weisen“, betont HVN-Präsident Ernst Wittgens. So gab es an den beiden vergangenen Spieltagen drei Partien, bei denen Mannschaften von außerhalb wegen gesundheitlicher Bedenken nicht in Mönchengladbach antreten wollten. Sollte die Saison nicht mehr vernünftig zu Ende gespielt werden können, denkt der Verband darüber nach, eventuell die Hinrundentabelle zu werten, oder eventuell die nach dem 17. Spieltag. Michael Girbes, Vorsitzender der Technischen Kommission im HVN: „Wir müssen aber auch für andere Möglichkeiten gewappnet sein und erörtern intensiv die verschiedensten Szenarien.“

HOCKEY

Bereits am Sonntag hatte der Deutsche Hockey-Bund bekanntgegeben, dass die australische Nationalmannschaft wegen der erhöhten Ansteckungsgefahr nicht zu den Pro-League-Spielen nach Mönchengladbach kommen wird, so dass die Spieltage am 21./22. März im Hockeypark abgesagt wurden. Eine spätere Austragung wird diskutiert, somit behalten die im Vorverkauf erworbenen Eintrittskarten für die beiden Spiele gegen Deutschland ihre Gültigkeit. Nach jetzigem Stand werden die Pro-League-Partien der deutschen Herren und Damen jeweils gegen Belgien am Donnerstag, 19. März, stattfinden.

Auch die Pro League im Hockey ist betroffen. Foto: Sascha Hohnen

Mit Blick auf den letzten Spieltag der Hallensaison am Wochenende meint Marcus Küppers vom Westdeutschen Hockeyverband: „Da es sich hier nicht um ein lokales Problem handelt, haben wir mit dem Deutschen Hockey-Bund Rücksprache gehalten. Alle Rückmeldungen, die wir bekommen haben, gehen in die Richtung, dass es keine generelle Absage geben wird.“ Allerdings habe sich der Verband dazu entschieden, dass Spiele, die keinen Einfluss auf Auf- oder Abstieg mehr haben, nicht mehr stattfinden müssen. Sofern beide Mannschaften das Spiel nicht austragen möchten, erfolgt eine Wertung mit 0:0 und 0 Punkten für beide Teams. Partien, die noch einen Einfluss auf einen Auf- oder Abstieg haben, müssen dagegen stattfinden.

TISCHTENNIS

Im Westdeutschen Tischtennisverband (WTTV) wird es keine generellen Absagen von Spieltagen geben. „Weiterhin gehen wir davon aus, dass alle angesetzten Punkt- und Pokalspiele auch stattfinden“, sagt WTTV-Geschäftsführer Michael Keil. Er weist darauf hin, dass die beteiligten Vereine ohnehin die Möglichkeit haben, sich über eine Nachverlegung zu verständigen. Die Spielleiter hätten darüber hinaus die Möglichkeit, in Einzelfällen Spiele abzusetzen oder verspäteten Nachverlegungen zuzustimmen. Soweit einzelne Spielerinnen und Spieler durch Krankheit (egal welche), Quarantäne oder andere Umstände an der Teilnahme an einem Punkt- oder Pokalspiel gehindert seien, so Keil, handele es sich um ein Problem, das durch Ersatzspieler zu regeln sei.

BILLARD

Am vergangenen Wochenende hätte die Billard-WM für Dreiband-Nationalmannschaften in Viersen stattfinden sollen, doch die Traditionsveranstaltung war schon in der Woche zuvor wegen des Coronavirus’ abgesagt worden. Immerhin gibt es seit Sonntag einen Nachholtermin. Die WM soll vom 27. bis 30 August, also erstmals überhaupt im Hochsommer, in der Festhalle über die Bühne gehen.

Die Billard-WM in Viersen wird im August nachgeholt. Foto: David Beineke

JUDO

Der Vorstand des 1. JC Mönchengladbach teilte am Montag mit, dass er beschlossen hat, die Rheinland-Open am Wochenende 21./22. März wegen des Coronavirus’ abzusagen. „Mönchengladbach liegt direkt neben dem am stärksten betroffenen Kreis Heinsberg“, heißt es in einer Pressemitteilung des Judovereins.