Lokalsport: Brülls und Straka waren WM-Pioniere

Lokalsport : Brülls und Straka waren WM-Pioniere

Der eine nahm als erster Borusse überhaupt teil, der andere war der erste ausländische Borusse.

Albert Brülls war in vielerlei Hinsicht der Erste: Am 31. Mai 1962 trug er als erster Borusse das DFB-Trikot bei einer WM, 0:0 endete das Spiel gegen Italien in Chile. Drei Tage später schoss er Deutschland beim 2:1 gegen die Schweiz mit 1:0 in Führung, es war das erste WM-Tor eines Borussen. Der größten Legende der Gladbacher Vor-Bundesliga-Zeit folgen nun sieben weitere WM-Fahrer, so viele wie noch nie bei einem Turnier. Die Bestmarke hielten bislang die fünf 1974er, die allesamt für Deutschland spielten und den Titel gewannen. Bis heute trat nur Christoph Kramer in ihre Fußstapfen, der auch der erste Borusse seit 40 Jahren in einem Endspiel wurde.

Aus dem Weltmeister-Quintett von 1974 kam Wolfgang Kleff als einziger nicht zum Einsatz. So wie dem Ersatztorwart erging es in der Geschichte vier weiteren Borussen: Klaus-Dieter Sieloff und Peter Dietrich saßen 1970 nur auf der Bank, Wilfried Hannes 1982 und Uwe Rahn 1986. Auf der anderen Seite ist Berti Vogts der Rekord-Borusse mit 19 Einsätzen und auch der einzige, der dreimal dabei war (1970, 1974 und 1978). Mit zehn Einsätzen folgt dahinter Rainer Bonhof, nach ihm schon Oliver Neuville und Patrik Andersson mit je sieben Einsätzen.

Der Schwede Andersson ist damit auch der Rekord-Ausländer unter den Borussen. Den Anfang machte 1990 Frantisek Straka für die Tschechoslowakei, 60 Jahre nach dem ersten Turnier der Geschichte. Mit der zunehmenden Internationalisierung des Fußballs, vor allem infolge des Bosman-Urteils, nahm auch die Zahl der ausländischen WM-Borussen zu. 1994 (noch kurz vor Bosman) wurde Schweden mit einem Duo überraschend Dritter. Neben Andersson sorgte Martin Dahlin mit vier Toren in fünf Spielen für Furore. Häufiger als einmal hat bisher kein weiterer Borusse bei einer WM getroffen. Neben Dahlin waren Brülls, Bonhof, Oliver Neuville (mit dem historischen 1:0 gegen Polen 2006), Michael Bradley und Granit Xhaka erfolgreich. Bradley war 2010 Teil einer einmaligen Konstellation. Mit den USA traf er in der Gruppenphase auf Algerien und Teamkollege Karim Matmour. Dass es diesmal wieder zu einem Borussenduell kommt, ist gar nicht so unwahrscheinlich. Das Schweizer Quartett würde im Achtelfinale auf Deutschland und Matthias Ginter treffen, wenn beide Mannschaften die Gruppenphase überstehen - als Erster und Zweiter oder als Zweiter und Erster. Im Viertelfinale könnte dann Belgien mit Thorgan Hazard warten.

Theoretisch ist auch Schweiz-Towart Yann Sommer schon ein WM-Borusse gewesen, allerdings nur für einen Tag. Am 1. Juli 2014 trat sein im Frühjahr unterschriebener Vertrag in Kraft, am selben Tag schied die Schweiz im Achtelfinale gegen Argentinien aus, Sommer saß auf der Bank. Diesmal sind Nico Elvedi und Denis Zakaria mit erst 21 Jahren dabei, können aber nicht Marcell Jansen unterbieten, der 2006 erst 20 Jahre alt war.

(RP)
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