Borussias Stürmerproblem

Die 89. Minute in Mainz hatte Symbolcharakter. Borussia lag da am vergangenen Freitag 0:1 gegen den Gastgeber FSV zurück, brauchte so dringend den Ausgleich. Trainer Lucien Favre wechselte Roel Brouwers ein.

Kein Stürmer, sondern ein Abwehrspieler. Der Niederländer rannte nach vorne in des Gegners Strafraum. Er ist groß, er ist kopfballstark. Aber er ist kein Angreifer, sondern Innenverteidiger.

Favre hatte jedoch schlichtweg keine Wahl. Ihm gingen die Stürmer aus: Igor de Camargo ist verletzt, Mike Hanke kassierte am Bruchweg eine Ampelkarte — so stand Mo Idrissou alleine im Sturmzentrum. Und auf der Bank saß kein Angreifer mehr. Kein beruhigender Gedanke.

Camargo trainierte nur morgens

Denn das Problem ist: Gegen Borussia Dortmund (Samstag, 18.30 Uhr) muss Favre erneut tüfteln.Der Tabellenletzte braucht gegen den designierten Meister unbedingt einen Sieg. Hanke ist jedoch gesperrt. Und hinter dem Einsatz de Camargos steht ein ziemlich dickes Fragezeichen.

Der Brasilianer mit belgischem Pass trainierte zwar morgens erstmals normal mit der Mannschaft, Favre ließ ihn beim Nachmittagstraining jedoch außen vor — zur Schonung. "Ich muss den Körper wieder auf 100 Prozent bekommen", sagte der Stürmer, der noch an den Spätfolgen einer Bänderdehnung im Knie leidet.

Zudem hielt sich de Camargo nach dem Training den Rücken. "Ich werde alt", sagte er scherzhaft, um später zu erklären: "Das ist eine alte Verletzung aus meiner Zeit bei Standard Lüttich. Da hatte ich es mit dem Rücken. Das bricht jetzt wieder auf."

Trainer Favre nannte den Einsatz von de Camargo am Samstag gegen Dortmund "noch fraglich", dabei braucht der Schweizer den Angreifer so dringend. Denn nur mit Idrissou (und vielleicht Marco Reus hinter den Spitzen) gegen das Dortmunder Abwehrbollwerk — das ist schlichtweg zu wenig.

So bleiben zwei Alternativen. Die eine ist, dass Marco Reus zu Mo Idrissou ins Sturmzentrum rückt, quasi als hängende Spitze. Auf dieser Position hat der 21-Jährige bereits überragende Leistungen abgeliefert. Für ihn könnte Patrick Herrmann auf die rechte Seite rücken, der an guten Tagen durchaus für Gefahr im Strafraum sorgen kann.

Falls de Camargo tatsächlich noch fit wird, ist jedoch wahrscheinlicher, dass er die Position der hängenden Spitze übernimmt und Reus dafür auf dem rechten Flügel bleibt. Egal, für welche der Varianten sich Favre am Ende entscheidet, für Borussia bleibt zu wünschen, dass sie funktionieren. Damit nicht wieder ein Verteidiger eingewechselt werden muss. Als Stürmer.

(RP)
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