Besserer Schutz für Schiedsrichter durch neue Maßnahmen der Fußballverbände

Fußball : Mehr Schutz für Schiedsrichter als Ziel

Immer neue Attacken gegen Unparteiische haben dazu geführt, dass der Fußballverband Mittelrhein eine Ausweitung seines Maßnahmenpaketes zur Gewaltprävention beschlossen hat. Auch am Niederrhein tut sich etwas.

Es brodelt schon länger. Die in den vergangenen Jahren steigende Anzahl an verbalen und körperlichen Ausschreitungen gegen Unparteiische brach sich erstmals im Oktober öffentlichkeitswirksam Bahn. Da legte ein Schiedsrichter-Streik den Berliner Fußball lahm, im November folgten dann die Kollegen in Köln. Als Erster der drei Verbände in Nordrheinwestfalen reagierte jetzt der Fußballverband Mittelrhein (FVM) auf die aufgeheizte Stimmung, in dem das Präsidium eine Ausweitung seines Maßnahmenpaktes zur Gewaltprävention beschloss. Aber auch im Fußballverband Niederrhein (FVN) gibt es offenbar schon ganz konkrete Ideen zum Schutz der Schiedsrichter.

„Ohne Unparteiische ist unser Sport nicht denkbar. Deshalb müssen sie konsequent geschützt werden. Wir wollen zurück zu einem respektvollen Umgang aller Akteure miteinander auf dem Platz“, erklärte FVM-Präsident Bernd Neuendorf. Da kann Jürgen Eitel in seiner Funktion als Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses im Fußballkreis Heinsberg nur zustimmen. Er war dabei, als sich alle wichtigen Entscheidungsträger des FVM Ende November in Hennef trafen, um sich darauf zu verständigen, wie Schiedsrichter künftig besser geschützt werden können. „Wir sind froh, dass der FVM jetzt konkret etwas auf den Weg gebracht hat“, betont Jürgen Eitel angesichts der Tatsache, dass es jüngst auch im vergleichsweise beschaulichen Fußballkreis Heinsberg einen betroffenen Schiedsrichter gab.

Nach einem A-Jugend-Spiel erhielt dere Unparteiische (17) einen Kopfstoß. Dem Gewalttäter wurde vergangenen Montag vom Sportgericht eine neunmonatige Sperre aufgebrummt. Eine Strafe nahe am Höchstmaß für Jugendspieler von einem Jahr. Dass die Heinsberger eine Verfahrensbeteiligung beantragt haben, ist ganz im Sinne des erweiterten FVM-Maßnahmenpaketes zur Gewaltprävention (siehe Infokasten). Die Idee ist, dass die Interessen der betroffenen Schiedsrichter so wirksamer vertreten werden können.

Auch wenn der Fußballverband Niederrhein, zu dem auch die Kreise Mönchengladbach/Viersen und Kempen/Krefeld gehören, noch kein konkretes Maßnahmenpaket vorgelegt hat, so war doch zu vernehmen, dass Präsident Peter Frymuth in engem Austausch mit den Kollegen vom Mittelrhein und aus Westfalen steht. Erst am gestrigen Donnerstag verständigte sich eine sogenannte Präsidentenkonferenz auf ein Maßnahmenpaket gegen Gewalt, wobei ein besonderes Augenmerk auf dem Schutz und der Unterstützung der Schiedsrichter lag. Allerdings soll ein Projektteam sich noch der Vertiefung und weiteren Konkretisierung der angestoßenen Maßnahmen widmen.

Ganz konkret hat der FVN allerdings schon beschlossen, so teilte auf RP-Anfrage Pressesprecher Henrik Lerch mit, ab Januar 2020 einen „Lehrstab Konfliktmanagement“ ins Leben zu rufen. Experten wie etwa Polizisten und Sozialarbeiter sollen Qualifizierungsmaßnahmen anbieten. Doch damit nicht genug. Andreas Kotira, Schiedsrichterobmann aus dem Kreis Kempen/Krefeld, hat kürzlich positive Signale bekommen, dass von ihm eingebrachte Vorschläge zum Schutz von Schiedsrichtern auf den Weg gebracht werden sollen.

Dazu gehören Umwandlungen von Strafen für Rote und Gelbe Karten von Wochen- in Spieltagssperren wie bei den Profis, Erhöhung des Strafmaßes für Gewalttaten auf bis zu zehn Jahre, eine bessere juristische Ausbildung der Sportgerichte und die Möglichkeit einer Revision bei nicht nachvollziehbaren Urteilen. „Es bewegt sich etwas im FVN“, sagt Kotira. Es wird auch Zeit, denn auch im Kreis Kempen/Krefeld hat es am Wochenende wieder gekracht. Einem Schiedsrichter wurde eine Flasche hinterher geworfen, ein anderer wurde von einem Jugendtrainer umgerammt.