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Aus den Vereinen: Bahr ist Kaldenkirchens Legende

Aus den Vereinen : Bahr ist Kaldenkirchens Legende

Jamaika, die dominikanische Republik oder Haiti. Was für die Menschen heute beliebte Urlaubsziele der Karibik sind, waren die Orte, in denen Hellmuth Bahrs zehn Jahre seines aufregenden Lebens verbracht hat.

Nicht als Urlauber, sondern als Gefangener in einem Sammellager während des zweiten Weltkriegs. Von 1936-46 erlebte er in Curacao ein hochinteressantes Leben, das auch dort schon vom Sport geprägt war. Im Lager spielte er Hockey, Fußball, Faustball und war auch in der Leichtathletik aktiv.

Als der Krieg vorüber war, zog es ihn wieder in seine Heimat zurück. Anfangs kam er bei einem Freund in Dresden unter. Später erhielt er Post von seinem Bruder Gerhard, der in Kaldenkirchen untergekommen ist. "Als ich dort ankam, spürte ich, dass ich wieder ein Zuhause habe", erinnert sich Bahr noch heute an die Zeit.

In Kaldenkirchen trat er dann 1949 dem TSV bei. Von 1952 bis 1956 baute er dort die bestehende Leichtathletikabteilung aus und nahm an Turnieren teil. "Bei einem solchen traf ich auf Ernst von Aaken", sagte Bahrs. Ein Mann, der sein Leben in gewisser Weise prägte. Denn von Aaken war der Ansicht, dass Bewegung das Wichtigste für den Menschen ist — diese teilte er mit Bahrs.

1966 gründete er mit weiteren Mitgliedern die Tennisabteilung beim TSV, spielte natürlich auch selber und engagierte sich nebenher noch als Trainer der Kaldenkirchener Fußballmanschaft und der von Grefrath. "Ich sparte immer das Geld, das ich verdiente, um den Jungs einen Trainingsanzug zu schenken", sagte der 91-Jährige. Damals war das Wort der Kommerzialisierung noch ein Fremdwort.

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Im Verein war jedoch noch lange nicht Schluss mit der Eröffnung der Tennisabteilung. Bahrs gründete eine Waldlaufgruppe für Frauen und Männer, eine Radfahrgruppe und auch in der Handballabteilung war er zu finden. Er selbst hat in seinem Leben, zählt man all seine gelaufenen Meter zusammen, einmal die Welt umrundet. Eine beeindruckende Leistung des Ehrenmitglieds des TSV Kaldenkirchen. "Mit dem Alter muss man den Sport schon ein wenig anpassen", weiß Bahrs. Mittlerweile fährt er kein Ski mehr. "Mit 85 machen das die Knie nicht mehr mit", sagt er schmunzelnd. Stattdessen fährt er nach wie vor regelmäßig Rad und auch beruflich ist er in seiner Firma noch aktiv. "Ich kümmere mich noch um die Inventur und die Dinge im Hintergrund", sagt der mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnete Bahrs.

Auch beim TSV lässt er sich noch gerne blicken. "Ich schaue mir gerne die Fußballspiele an", sagt der passionierte Sänger, der sogar CD's aufgenommen hat und die Lieder auch auf Mallorca präsentierte. Wenn man Bahr begegnet, sieht man ihm die 91 Jahre nicht an. Er versprüht eine enorme Lebensfreude und mit seinem Lachen weiß er auch seine Mitmenschen anzustecken. In Kaldenkirchen kennt ihn praktisch jeder. Er ist das beste Beispiel dafür dass sich "der Mensch bewegen muss, um gesund zu bleiben", sagt Bahrs abschließend in Anspielung auf Ernst von Aaken.

(RP/rl)