Ausgefeilte Wurftechnik

Anneliese Gerhards ist die olympische Rekordhalterin im Grenzland: Bei den Spielen 1960 in Rom, 1964 in Tokio und 1972 in München startete die Hinsbeckerin als Speerwerferin.

Die ehemalige Erfolgs-Speerwerferin Anneliese Gerhards hält einen Rekord, der von einem heimischen Leichtathleten wohl nur schwer zu überbieten ist. Die heute 73-Jährige aus Hinsbeck-Oirlich blickt auf drei olympische Teilnahmen zurück: 1960 in Rom, 1964 in Tokio und noch einmal mit 37 Jahren 1972 in München war sie dabei. Ihre Bestweite 58,34 Meter: „Ich erinnere mich sehr gerne noch daran. 1960 war das erste Jahr, als ich zur absoluten Spitze der Speerwerferinnen gehörte. Es gab noch zwei deutsche Mannschaften. In Erfurt war dann Ausscheidung und ich konnte mich über die gesamt-deutsche Mannschaft für Olympia qualifizieren“, erzählt sie.

1964 führte Anneliese Gerhards die Weltrangliste an. Sie zog sich dann aber eine Schulterverletzung zu. „Ich bekam eine Vereisungsspritze gegen die Schmerzen und wurde im Vorkampf Achte. Aber da gab es noch die alte Regelung, dass nur sechs aufs Siegertreppchen kamen, statt heute der acht. 1972 war ich in guter Form, alle drei Würfe lagen um 56,50 Meter. Ich sah mich schon als Siebte, aber zwei hinter mir warfen irregulär weiter und ich wurde Neunte. Da gab es nichts dran zu rütteln, für mich war es ein Wettkampf“, erzählt sie.

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Die Werferin des TV Lobberich, die als Handballerin im TuS Oedt begann und ihre Karriere beim damaligen Lobbericher LC startete, war zu ihrer aktiven Zeit sogar auf einem Sammelbildchen abgebildet. Da hieß es über sie: „Seit zwei Jahren macht die junge Sportlerin von sich reden. Sie versteht sich auf einen ausgefeilten und kräftigen Abwurf beim Speerwerfen.“

Gerhards wird die leichtathletischen Wettkämpfe der olympischen Spiele in Peking am Fernseher verfolgen. „Es ist eine ganz andere Welt geworden: hell, laut und schrill. Schauen sie sich doch die Athleten an, die haben doch fast gar nichts mehr an.“ Ihr gefällt die große Show nicht, die damit verbunden ist, dass „die einzelnen Sportler sich heute alle so wichtig finden. Wie die sich darstellen und geben, das ist nicht mein Ding. Sie sind manchmal nicht besser als wir früher waren.“ Sie überlegt kurz und fügte hinzu: „Was haben wir für unsere Leistungen noch ackern müssen.“ Sie sieht den Olympiazirkus mit gemischten Gefühlen: „Wer weiß, wer da alles gedopt ist.“

Kürzlich sagte ein Bekannter zu ihr: „Die werfen heute noch genauso weit wie du damals zu deiner besten Zeit“. Sie entgegnete: „Mit meiner besten Weite wäre ich heute noch im Endkampf.“ Anneliese Gehards: „Wenn ich an meine Ära denke, bin ich stolz, bei Länderkämpfen und internationalen Meisterschaften für Deutschland zu starten. Heute geht es überwiegend um das große Geld. Die Sportler von heute nehmen ihren Wettkampf gar nicht mehr so ernst, wie wir es zu unserer Zeit getan haben. Ich habe das Gefühl, dass sich die Spiel- und Spaßgesellschaft, wie sie heute genannt wird, auf den Sport immer mehr überträgt.“

Sie selber hält sich heute mit Rad fahren fit oder spielt noch beim Tennis im Doppel mit. Ansonsten zupft und rupft in ihrem Garten: „Da geht es auch rauf und runter...“

(RP)