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Auch Gewalt gegen Schiedsrichter aus den Fußballkreisen Kempen/Krefeld und Mönchengladbach/Viersen

Fußball : Heimische Schiedsrichter können sich einen Streik vorstellen

Neben verbaler gibt es auch auf den Plätzen in den Fußballkreisen Kempen/Krefeld und Mönchengladbach/Viersen körperliche Gewalt.

Als am vergangenen Wochenende die Schiedsrichter in Berlin streikten, um auf Gewalt gegen Vertreter ihrer Zunft aufmerksam zu machen, konnten sie nicht ahnen, dass es in einem anderen Teil der Republik mächtig krachen würde. Da schlug nämlich am Sonntagnachmittag in der Partie zwischen der FSV Münster und dem TV Semd in Hessen ein 28 Jahre alter Spieler dem Unparteiischen ins Gesicht, nachdem dieser ihm die Gelb-Rote Karte gezeigt hatte und schickte ihn bewusstlos zu Boden.

Wobei es nicht wirklich überraschen kann, dass es auch während des Streiks zu Gewalt gegen Schiedsrichter kam, denn die gehört offenbar mittlerweile zum Tagesgeschäft der Unparteiischen. „Es passiert doch inzwischen jede Woche irgendwo etwas. Und wenn es nur verbale Gewalt ist, aber die kann auch sehr wehtun“, sagt Andreas Kotira, Chef der Schiedsrichter im Fußballkreis Kempen/Krefeld. Wobei es auch in seinem Zuständigkeitsbereich am Wochenende einen Fall gab, der über derbe Sprüche hinausging. Da wurde ein Referee während einer Partie in der Kreisliga C am Oberarm gepackt, nachdem er einer Karte gezeigt hatte.

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„Der Kollege hat mich hinterher angerufen und mich gefragt, wie er sich verhalten soll. Ich habe ihm klar gesagt, dass er den Vorfall in den Spielbericht eintragen soll, damit gegebenenfalls auch weitere Schritte eingeleitet werden können“, sagt Kotira, „es kann einfach nicht sein, dass so etwas mittlerweile als normal angesehen wird. auch verbale Beleidigungen nicht.“ Wobei er betont, dass es in seinem Zuständigkeitsbereich noch relativ gesittet zugeht, in Kreisen wie Essen und Moers gehe es noch deutlich heftiger und häufiger zur Sache.

Das sieht auch René Donné so, Kotiras Amtskollege im Nachbar-Fußballkreis Mönchengladbach/Viersen. Gleichwohl gab es auch dort am Wochenende einen Vorfall in der Kreisliga A, wozu der Schiedsrichter einen Sonderbericht anfertigen musste. Ganz heftig ging es erst im vergangenen Mai zu, als bei einer Partie der Jugend-Kreisklasse ein Spieler ausrastete und den Schiedsrichter mit dem Ball bewarf, weitere Handgreiflichkeiten folgten. „Wir dürfen uns nicht mehr alles gefallen lassen. Alle Vorfälle müssen Konsequenzen haben. Plakate und gutes Zureden haben jedenfalls nichts gebracht“, sagt René Donné. Auch Andreas Kotira sieht einen Punkt erreicht, wo Lippenbekenntnisse nicht mehr reichen: „Es darf nicht mehr nur gequatscht werden, sondern es muss ein klares Zeichen gesetzt werden.“

Kotira setzt dabei auch große Hoffnungen in den neuen DFB-Präsidenten Fritz Keller. Normalerweise würden die Probleme von der Basis an der Verbandsspitze nämlich nicht wirklich ernst genommen, weil dort niemand davon betroffen sei. „Denn Gewalt gegenüber Schiedsrichtern findet nun mal hauptsähclich im Kreisliga-Fußball statt“, weiß Kotira. Er erwartet, dass das Problem von oben her klar benannt wird, um dann Lösungsansätze zu erarbeiten. Etwa durch eine Verschärfung des Strafenkatalogs, angepasst an andere Sportarten wie etwa im Handball, sowie Verbesserungen bei der Sportgerichtsbarkeit, den Staffelleitern aber auch den Schiedsrichtern.

„Das wird zwar Jahre dauern, aber wir müssen es angehen. Denn ich möchte nicht, dass irgendwann ein Schiedsrichter totgeschlagen wird“, sagt Kotira. Er und sein Kollege Donné aus dem Nachbarkreis haben bislang von den heimischen Unparteiischen noch keine Forderungen nach einem Streik vernommen, ausschließen wollen aber beide eine solche Maßnahme nicht. „Ich würde aber versuchen, alles Kreise des Niederrheins ins Boot zu holen, um ein stärkeres Zeichen zu setzen“, betont René Donné.