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ASV Süchteln und 1. FC Viersen vor der 2. Runde im Niederrheinpokal

Fußball : Niederrheinpokal als Lust oder Last?

In der zweiten Runde des Pokals auf Verbandsebene treffen der ASV Süchteln und der 1. FC Viersen auf starke Gegner, die aber keine Zuschauermassen anlocken. Die Trainer stehen vor der Frage, wie viel sie investieren sollen.

Es war einer der größten Abende in der Vereinsgeschichte, als die Landesliga-Fußballer des ASV Süchteln vor ziemlich genau einem Jahr in der zweiten Runde des Niederrheinpokals auf den KFC Uerdingen trafen. Vor knapp 1500 Zuschauern im Stadion am Hohen Busch schnupperten die Süchtelner gegen den Drittligisten sogar an einer Sensation, verloren aber in der Verlängerung mit 1:2. Nach solchen Spielen mit der Konstellation David gegen Goliath lechzen die unterklassigen Vereine von Jahr zu Jahr, egal ob auf Verbandsebene oder im großen DFB-Pokal. Doch klar ist auch, nicht jede Runde in den Pokalwettbewerben kann solche Knüller bereithalten. Dann stehen die Trainer vor der kniffligen Frage, wie viel sie investieren wollen, ohne die Erfolgsaussichten für das kurz darauf folgende Meisterschaftspiel zu schmälern.

Ganz hart hat es in dieser Hinsicht in der zweiten Runde der laufenden Pokalrunde am Niederrhein die einzig verbliebenen Teilnehmer aus dem Grenzland erwischt. Sowohl der mit den tollen Erlebnissen aus dem Vorjahr ausgestattete ASV Süchteln als auch der Bezirksligist 1. FC Viersen haben für Mittwoch (20 Uhr) Oberligisten zugelost bekommen, die im Normalfall zwar extrem schwer zu schlagen sind, aber über keinen so großen Namen verfügen, dass mit einem extremen Zuschaueransturm zu rechnen ist. Um die Chance auf den Einzug in die dritte Runde zu haben, muss also das Maximum investiert werden, ohne Garantie auf irgendeinen Ertrag und mit dem Risiko, Körner für die wichtigere Meisterschaft zu verpulvern.

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„Ich sehe das mit gemischten Gefühlen“, bestätigt denn auch Süchtelns neuer Trainer Fabian Wiegers, der beim dem Pokalspektakel gegen den KFC im Vorjahr noch nicht dabei war, vor der Heimspiel gegen den ganz stark in die Oberliga gestarteten FC Kray. „Auf der einen Seite sehe ich das richtungweisende Ligaspiel am Wochenende gegen Hönnepel, auf der anderen Seite weiß ich aber auch, wie wichtig für den Verein die Möglichkeit ist, im Pokal solche Highlights wie gegen Uerdingen zu erleben. Alle Spieler, die das miterlebt haben, schwärmen noch heute in höchsten Tönen davon.“ Deswegen geht er einen Kompromiss ein.

Um kein unnötiges Risiko einzugehen, wird er keine angeschlagenen Spiele einsetzen, und seien sie noch so wichtig, dafür sollen die aufgebotenen Akteure aber alles in die Waagschale werfen, um eine Überraschung möglich zu machen. Schließlich könnte dann in der Runde drei das ganz große Los warten. „Mal gucken, mit welcher Ein- und Aufstellung Kray in die Partie angeht. Vielleicht kommen wir mit etwas Glück weiter“, sagt Fabian Wiegers, „aber auch wenn wir einfach nur ein gutes Spiel machen, kann uns das einen positiven Push fürs Wochenende geben.“

Für Viersens neuen Trainer Kemal Kuc ist es auch keine Option, mit Blick auf die hohen Ziele in der Bezirksliga in der Pokalpartie gegen den Oberligisten VfB Hilden, der am Sonntag im Ligaalltag den SC Union Nettetal etwas glücklich 2:1 schlug, in den Energiesparmodus zu wechseln. „Dafür ist es noch viel zu früh in der Saison, wir stehen voll im Saft“, betont Kuc. Er fühlt sich dem Verein verpflichtet, der in dem frisch modernisierten Stadion am Hohen Busch liebend gerne eine Pokal-Sternstunde erleben würde wie der ASV Süchteln im Vorjahr. „Wir geben in jedem Spiel 100 Prozent, etwas anderes gibt es bei mir nicht. Wenn man spekuliert, geht so etwas sowieso schief. Und wenn man nicht die volle Körperspannung hat, steigt auch noch die Verletzunsgefahr“, erklärt Kemal Kuc.

Das einzige Zugeständnis an den Pokal ist, dass er auch Spielern die Chance geben will, die bislang nicht so viel auf dem Feld standen. Schließlich haben die Viersener einen quantitativ wie qualitativ gut bestückten Kader, der bei Laune gehalten werden will. Kuc hat da seine eigene Philosophie: „Alle Spieler trainieren gut und haben es verdient, eingesetzt zu werden. Wir haben eine lange Saison, und mir liegt daran, dass möglichst alle Spieler zufrieden sind. Deswegen rotiere ich grundsätzlich viel.“ Ob die zweite Pokalrunde für die beiden Grenzlandteams eher Lust oder Last war, wird spätestens am späten Mittwochabend feststehen.