Analyse über Union Nettetal in der Fußball-Oberliga

Fußball-Oberliga : Nettetal braucht dringend wieder Tore

Analyse Mit dem hart erkämpften 0:0 gegen die SpVg. Schonnebeck haben Unions Oberliga-Fußballer eine Negativserie gestoppt. Mit defensiver Stabilität haben sie eine gute Basis für die nächsten Wochen gelegt. Doch jetzt muss auch die Offensive aus der Krise finden.

Die Erleichterung war zu Recht groß beim Fußball-Oberligisten Union Nettetal nach dem 0:0 am Sonntag gegen die als Aufstiegsanwärter in die Saison gestartete SpVg. Schonnebeck. Schließlich hatte den Aufsteiger nach einem Traumstart in die Saison in den Wochen davor das Spielglück verlassen. Dreimal in Folge gab es nach guten Leistungen eine unglückliche 0:1-Niederlage, was sich offenbar so auf die Gemütslage der Nettetaler auswirkte, dass die Partie in Monheim (0:3) zur schlechtesten Vorstellung im bisherigen Saisonverlauf geriet.

Insofern war es richtig, sich gegen Schonnebeck zunächst auf die Grundlagen zu konzentrieren, sprich mit einer mannschaftlich geschlossenen Leistung samt hohem läuferischen Einsatz und aggressiver Zweikampfführung gegnerische Chancen und Tore zu verhindern. Dementsprechend passte Trainer Andreas Schwan auch das Personal an, gestaltete das Mittelfeld eher defensiv und zweikampfstark. Die Rechnung ging auf, sogar in Unterzahl waren die Nettetaler so gut organisiert, dass die Gäste aus Essen zwar Dominanz ausübten, aber kaum wirklich gefährlich wurden. Am Ende feierten die Nettetaler nach ihrer Durststrecke das torlose Unentschieden wie einen Sieg, zum ersten Mal in der Saison blieben sie sogar ohne Gegentor. Daraus wollen sie Mut schöpfen für die nächsten wichtigen Spiele in der Liga gegen Mannschaften (VfB Hilden und TuRU Düsseldorf), die sie eher auf Augenhöhe wähnen und gegen die es im Kampf um den Klassenverbleib tunlichst die nächsten Zähler geben sollte.

In diesem Zusammenhang ist Mut das richtige Stichwort. Denn auch wenn die Nettetaler den Negativtrend der vergangenen Wochen stoppen konnten, ist auffällig, dass sie nach elf Toren in den ersten fünf Spielen jetzt seit fünf Partien ohne eigenen Torerfolg sind. Damit stellt die Union nach dem bislang völlig enttäuschenden ETB SW Essen (acht Tore) den zweitschwächsten Angriff der Liga. Klar ist, dass eine derart schwache Offensivleistung auf Dauer nicht reichen wird, um das Saisonziel zu erreichen. Unentschieden wie gegen Schonnebeck können in einer kritischen Saisonphase kurzfristig Seelenbalsam sein, doch genug Punkte bringen sie nicht ein. Andreas Schwan und sein Trainerteam sind nun gefordert, Ideen zu entwickeln, wie sie mit ihrer Mannschaft die richtige Balance zwischen defensiver Stabilität und zielstrebigem Offensivspiel finden.

Dass Nettetal grundsätzlich die richtigen Spielertypen dafür im Kader hat, war in der ersten Spielen der Saison zu beobachten. Insbesondere Petar Popovic war mit seiner jugendlichen Unbekümmertheit ein Erfolgsgarant. Mit sieben Toren aus den ersten fünf Punktspielen rangiert er immer noch ganz oben in der Oberliga-Torjägerliste. Dass der junge Neuzugang aus der Landesliga diese Quote nicht durchhalten würde, war logisch, ist aber auch ein Grund für die Erfolglosigkeit der vergangenen Wochen. Schon in den ersten Saisonspielen waren eigentlich zu viele eigene Tore nötig, um die Gegentreffer zu kompensieren. Auch in den beiden bisherigen Niederrheinliga-Partien gegen Kray (4:3) und Ratingen (2:1) ging es nicht ohne Gegentreffer. Als dann die Torflaute der Union einsetzte, setzte es in der Liga hauptsächlich knappe Niederlagen.

Der robuste Vensan Klicic und der eher grazile Dimitrios Touratzidis, der bislang meist von der Bank kam, sind zwar flink und für ein schnelles Umschaltspiel prädestiniert, doch mit jeweils einem Liga-Tor haben sie bislang zu selten getroffen. Zudem kommt zu wenig Gefahr aus dem Mittelfeld. Der schnelle und enorm fleißige Dominik Dohmen auf der linken Außenbahn und Marc Paul auf Rechts, der gegen Schonnebeck wegen der eher defensiven Ausrichtung lange auf der Bank saß, haben noch gar nicht getroffen. Aus dem zentralen Mittelfeld war lediglich der eher defensive Michael Enger zweimal vom Elfmeterpunkt erfolgreich.

Am Mittwoch im Achtelfinale des Niederrheinpokals beim Landesligisten Cronenberger SC hat Schwan die Chance, neue Offensivvarianten auszuprobieren. Ein Einzug in die nächste Runde wäre zwar schön, zumal dort ein attraktiver Gegner warten könnte, doch die Nettetaler haben immer betont, dass der Klassenverbleib in der Oberliga absolute Priorität genießt.

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