Fußball: Amerner Verletzungspech setzt sich fort

Fußball : Amerner Verletzungspech setzt sich fort

Bislang war es aus personeller Sicht eine Saison mit Pleiten, Pech und Pannen für den Fußball-Landesligisten VSF Amern. In den letzten beiden für den Abstiegskampf so wichtigen Partien der Saison fällt jetzt auch Daniel Friesen aus.

Einige Spieler dürften gedanklich schon in der Halbzeitpause gewesen sein, da fasste sich Amerns Daniel Friesen ein Herz und setzte im Derby beim 1. FC Viersen zu einem Distanzschuss an. Doch Gegenspieler Korbinian Beckers warf sich in die Schussbahn. Dann knallte es heftig und beide Spieler blieben lange am Boden liegen, doch während Beckers zunächst weitermachen konnte, wurde Friesen von einem Krankenwagen abtransportiert.

Immerhin, nach der im Abstiegskampf bitteren 2:3-Niederlage bekamen die Amerner zunächst die gute Nachricht, dass Friesen nicht den befürchteten Fußbruch erlitten hatte. Dennoch wird der Angreifer im so wichtigen Saisonendspurt nicht mehr zu Verfügung stehen. Denn neben einer schweren Mittelfußprellung zog sich Friesen im rechten Sprunggelenk einen Bänderriss zu. Der Arzt hat ihm erst einmal zwei Monate Pause verordnet. Das passt ins Bild einer Amerner Saison, die aus personeller Sicht von Pleiten, Pech und Pannen geprägt ist. Was die Schwalmtaler auch versuchten, um ihren Kader qualitativ und vor allem quantitativ breiter aufzustellen, das Meiste ging schief. Der vor der Saison gekommene Stürmer George Tawiah entwickelte sich zum ewigen Patienten, bestritt gerade mal sechs Spiele. Zugang Christopher Hermes fiel in der Hinrunde lange aus, weil er daheim vom Balkon stürzte, und war im Winter schon wieder weg. Stammkräfte wie Tobias Bruse (Handgelenkbruch) und Dominik Kleinen (Knie-OP) mussten ebenfalls lange passen, Fabian Göckler stieg wegen einer alten Verletzung erst später voll in die Saison ein und Michel Busen verabschiedete sich im Laufe der Hinrunde aus beruflichen Gründen. Zudem entstand bei den VSF nach den Abschieden von Dennis Metten und Tim Wolters auf der Torwartposition eine große Lücke, die zunächst durch Routinier Thorsten Saleh geschlossen werden konnte. Der im Winter gekommenen Roger Vaziri laboriert an einer Knieverletzung, immerhin kommt Zugang Jonas Derixx (19) in der Rückrunde auf elf Einsätze.

Auch in Sachen Offensive reagierten die VSF im Winter und holten André Merkens zurück, doch ihn warfen wohl als Folge einer schon älteren, schweren Verletzung immer wieder muskuläre Probleme zurück. Immerhin lief es zunächst bei Daniel Friesen rund - bis vorigen Sonntag. Es ehrt VSF-Coach, dass er die Personalprobleme nie als Grund für die missliche Tabellensituation angeführt hat, doch auch ihm ist klar: "Wir bekommen keine Konstanz in unsere Startelf, und die Trainingsqualität leidet." Auch von der Bank kann Kehrberg viel zu selten neue Impulse bringen. Immer wieder muss er gerade genesene Spieler aufbieten, wodurch weitere Probleme programmiert sind. So musste am Sonntag Dominik Kleinen im ersten Spiel nach seiner Knie-OP gegen Viersen direkt über 90 Minuten ran. Auch Daniel Friesen war erst gerade von einer Zerrung genesen.

Doch das sieht der 27-Jährige nicht als Grund für seine neuerliche schwere Verletzung. "Wir haben einfach beide voll durchgezogen, und Korbinian hatte einfach mehr Glück", erklärt Friesen. Dass er die Verletzung relativ locker nimmt, hat wohl damit zu tun, dass er in der jüngeren Vergangenheit leidgeprüft ist. Nachdem er 2016 zum 1. FC Viersen gewechselt war, zog er sich zwei Nasenbrüche und eine schwere Bänderverletzung zu. Vom Wechsel zum SC Schiefbahn erhoffte er sich einen Neustart, doch dort brach er sich in der Vorbereitung die Schulter und absolvierte nur vier Spiele, ehe er dem Ruf von Willi Kehrberg nach Amern folgte. Mit Blick auf den neuerlichen Bänderriss empfahl ihm der Arzt jetzt sogar, über ein Karriere-Ende nachzudenken. "Aber Fußball ist meine Leidenschaft. Ich werde erst mal aussetzen und dann schauen, was der Arzt sagt und was der Fuß hergibt", sagt Friesen. Wer ihm genau zuhört, der kann aber heraushören, dass er davon ausgeht, wieder für Amern aufzulaufen. "Am liebsten natürlich in der Landesliga. Ich fühle mich sehr wohl in Amern. Wenn wir die nächsten beiden Spiele gewinnen, dann bleiben wir auch drin", meint Friesen. Über Pfingsten bekommen die Amerner zunächst mal komplett trainingsfrei, dann beginnt die Vorbereitung auf die beiden Finale gegen Nievenheim und Mettmann. VSF-Coach Willi Kehrberg: "Da müssen wir dann unsere Liga-Tauglichkeit nachweisen. Schaffen wir das nicht, dann haben wir den Klassenerhalt auch nicht verdient."

(RP)