Amatuerfußballern mit Gelbsucht am letzten Spieltag des Jahres

Glosse : Gelbsucht auf den Fußballplätzen

Das Reglement sorgt dafür, dass sich einige Amateurfußballer am letzten Spieltag vor der Winterpause seltsam Verhalten. Sie wollen unbedingt eine Gelbe Karte.

In den Ligen des Fußballverbandes Mittelrhein ist es an diesem Wochenende so weit, am Niederrhein eine Woche später: Der letzte Fußball-Spieltag des Jahres steht für die Amateure an. In allen Ligen, egal ob Ober- oder Kreisliga, wird dabei wieder ein Phänomen zu beobachten sein: Die Gelbsucht grassiert - zumindest bei einigen Spielern. Speziell in den letzten Minuten wird sie zutage treten, werden etliche Akteure ihr Hauptaugenmerk darauf legen, sich noch schnell eine Gelbe Karte abzuholen.

Die Gründe dafür liegen in den Statuten. Denn anders als bei den Profis gilt die fünfte Gelbe Karte nicht auf jeden Fall für das nächste Punktspiel, was ja dann im neuen Jahr wäre. Im Reglement heißt es zwar, dass die Sperre für das nächstfolgende Pflichtspiel gilt, längstens jedoch bis zum Ablauf von zehn Tagen. Womit der Kreis der potenziell Gelbsüchtigen schon mal klar umrissen ist: All die, die bislang vier Gelbe Karten auf dem Konto haben, hätten mit der fünften ihr Sündenkonto wieder getilgt, würden unbelastet ins neue Fußballjahr starten. Wenn nach der Winterpause wieder um Punkte gekickt wird, sind die Sperren längst abgelaufen, dann ohne Konsequenzen für die jeweiligen Sünder.

Von daher wird es auf den Fußballplätzen am letzten Spieltag wieder skurrile Szenen geben - die Möglichkeiten, sich beim Schiedsrichter die gewünschte Verwarnung einzuholen, sind ja vielfältig. Da dürften zum Beispiel Einwürfe in Höhe der Mittellinie heftig reklamiert werden, dürfte ebenfalls im Mittelfeld bei wenig gefährlichen Situationen gerne zur Textilbremse gegriffen werden - und auch die eine oder andere Hand könnte sich mal in voller Absicht dem Ball nähern. Völlig verpönt werden für diesen Anlass dagegen die sonst so beliebten versteckten Fouls sein - der Unparteiische muss das Vergehen ja unbedingt mitkriegen. Auf freie Sicht des Unparteiischen sollte daher schon geachtet werden, damit der auch die vom Spieler so dringend gewünschten Konsequenzen ziehen kann.

Fein raus werden dagegen Torschützen sein: Die ziehen zum Jubeln danach einfach ihr Trikot aus und holen sich damit den gelben Karton ab. Und wenn es auch nur das Ehrentor zum 1:5-Endstand ist - völlig egal, Hauptsache runter damit. All das kann man dank Weihnachten und der Winterpause nur einmal im Jahr in geballter Form auf den Fußballplätzen erleben. Die Regeln machen’s möglich.