30. Billard-WM für Dreiband-Nationalmannschaften in Viersen

Interview Christian Rudolph : „Viersen hätte mehr Zuschauer verdient“

Der viermalige Mannschaftsweltmeister Christian Rudolph kehrt als Bundestrainer in die Festhalle zurück.

Die 30. Auflage der Billard-WM in Folge in der Festhalle ist nicht nur für die Stadt Viersen etwas ganz Besonderes, sondern auch für Christian Rudolph. Der 54 Jahre alte Dreiband-Crack aus Hünxe, der bei der Premiere in Viersen an der Bronzemedaille für Deutschland und später an allen vier deutschen WM-Titeln beteiligt war, kehrt als Bundestrainer zurück. Vor dem WM-Auftakt blickt er in die Vergangenheit und spricht über sein neues Amt.

Herr Rudolph, wie fühlt es sich an, in völlig neue Funktion nach Viersen zu kommen?

Rudolph Das ist schon aufregend, damit hätte ich nicht gerechnet. Ich habe 23-mal in Viersen gespielt und war sehr erfolgreich. Jetzt als Trainer dabei zu sein, ist sehr interessant. Und ich hoffe, dass ich dazu beitragen kann, dass Deutschland mal wieder eine Medaille gewinnt

Welche Erinnerungen haben Sie an Ihren ersten Start in Viersen?

Rudolph Das werde ich nie vergessen. Ich war mit 25 Jahren noch sehr jung und habe gehofft, mein sehr erfahrener Partner Günter Siebert könnte mir helfen, meine Nervosität in den Griff zu bekommen. Dabei war es selbst so rappelig, dass ich ihn beruhigen musste. Dann haben wir sogar die Bronzemedaille geholt.

Wie bewerten Sie die vier WM-Titel mit Ihrer Beteiligung aus heutiger Sicht?

Rudolph Für mich war natürlich jeder Titel etwas Besonderes, zumal ich an Brett eins auf die jeweils besten der anderen Mannschaften getroffen bin. Beim Titel 2002 an der Seite von Martin Horn konnte ich im Endspiel sogar den mehrfachen Weltmeister Dick Jaspers mit 3:0 schlagen. Das war das Beste, was ich bei der WM je gespielt habe.

Was haben Sie abseits des sportlichen Erfolgs erlebt?

Rudolph Ich weiß nicht mehr, in welchem Jahr, aber es gab mal mehrere kleine Feuer, bei denen sich später herausstellte, dass sie von einem Feuerwehrmann der freiwilligen Feuerwehr gelegt worden waren. Da ist aber nichts Schlimmes passiert. Dann gab es mal ein Spiel in einem Halbfinale zwischen dem Holländer Dick Jaspers und dem Schweden Torbjörn Blomdahl, das zeigt, wie fair es bei uns zugeht. Blomdahl sagte, sein Stoß sei erfolgreich gewesen, der Schiedsrichter und Jaspers hatten das aber nicht gesehen. Dennoch sagte Jaspers, Blomdahl solle weiterspielen.

Was wünschen Sie der WM für die nächsten 30 Jahre?

Rudolph Ich wünsche der Veranstaltung noch mehr Zuschauer, sie hätte es verdient. Deswegen freue ich mir auch, dass ab nächstes Jahr wieder nach einem anderen System gespielt werden soll. Das Publikum bevorzugt meiner Meinung nach Einzelpartien im Gegensatz zur rollierenden Variante beim Scotch Double. Natürlich würde ich auch gerne noch mal mitspielen. Zwar leide ich nach wie vor unter Nacken- und Schulterproblemen, aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

Jetzt sind Sie aber Trainer von Spielern, die Sie gut kennen. Mit Martin Horn waren Sie 2002 sogar Weltmeister. Kann das funktionieren?

Rudolph Auf jeden Fall, denn das Trainer-Sportler-Verhältnis ist anders als in anderen Sportarten. Bei uns spielt weniger Autorität eine Rolle. Es geht eher darum, für guten Zusammenhalt zu sorgen und alle auf das gleiche Ziel einzuschwören. Das kriege ich hin, ich weiß worum es geht.

Woran haben Sie mit den Spielern im Vorbereitungslehrgang kurz vor der WM noch erarbeitet?

Rudolph Grundsätzliche Dinge lassen sich so kurzfristig nicht ändern. Es geht eher darum, mit den Spielern über verschiedene Lösungsmöglichkeiten einer Position zu diskutieren und kleine Tipps zu geben. Die Spieler müssen von dem, was sie tun, überzeugt sein. Bloße Anweisungen zu geben, bringt nichts..

Wo sehen Sie die größten Konkurrenten?

Rudolph Das sind die üblichen Verdächtigen, allen voran Belgien. Denn Frédéric Caudron und Eddy Merckx haben die besten Weltranglistenpositionen. Aber auch die Südkoreaner als Sieger der beiden letzten Turniere sowie Holland, Vietnam, Griechenland und die Türkei haben Titelchancen.

Wie sehen Sie die Chancen, dass es für Deutschland mal wieder mit einer Medaille klappt?

Rudolph Martin Horn ist aktuell richtig gut drauf, hat in kurzer Zeit den Sprung in die Top 20 der Weltrangliste geschafft. Auch Ronny Lindemann ist in guter Form und hat sich international bereits einen Namen gemacht. Zusammen mit der Unterstützung durch das tolle Viersener Publikum haben die beiden auf jeden Fall das Zeug, aufs Treppchen zu kommen.

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