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Kreis Viersen: SPD gewinnt von allen Parteien

Kreis Viersen : SPD gewinnt von allen Parteien

Die CDU im Kreis Viersen, großer Verlierer der Landtagswahl trotz ihrer verteidigten zwei Direktmandate, hat an alle Parteien Stimmen verloren. 12 260 Wähler wechselten laut Ulmer Institut für Wahl-, Sozial- und Methodenforschung von ihr zur SPD, FDP, zu Piraten, Grünen und Nichtwählern.

Umgekehrt hat der Wahlgewinner SPD von bisherigen Wählern der CDU profitiert: 4450 Zweitstimmen (Vergleich zur Landtagswahl 2010), 2010 der Grünen, 1810 der Linken und 450 der FDP. Und die Genossen schafften es, 1980 Nichtwähler für sich zu mobilisieren. Diese Daten für den Kreis Viersen (in der nebenstehenden Tabelle die Daten für Kempen) ergeben sich aus der Wanderungsanalyse des Ulmer Instituts für Wahl-, Sozial- und Methodenforschung.

Die kräftigen Zuwächse für die SPD machten die Abwanderung von 1690 aus ihrer Klientel zu den Piraten mehr als wett: Unterm Strich gewann die SPD kreisweit 46 517 Zweitstimmen (Landtagswahl 2010: 37216) oder 34,1 Prozent (27,8). Die CDU stürzte auf 42 208 Voten (54 606) oder 30,9 Prozent (40,8) ab. Erstmals liegt die SPD im Kreis und in sechs der neun Kommunen vorn. Die CDU bleibt nur in Brüggen (das hatten wir gestern falsch gemeldet), in Nettetal und in Schwalmtal die stärkste Kraft.

Die tot geglaubte FDP, aber mit sagenhaften 11,1 Prozent lebendiger denn je, holt sich Stimmen überwiegend von der CDU (2980) und gibt selbst nur relativ wenige an SPD und Piraten ab. Die Piraten schöpfen aus dem Reservoir von allen Parteien und locken 2140 bisherige Nichtwähler an die Wahlurnen.

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Auf das Niveau einer Splitterpartei ist die Linke im Kreis Viersen gesackt. Sie hatte vor zwei Jahren noch kreisweit fünf Prozent bei den Zweitstimmen geholt, jetzt ist sie auf 1,9 Prozent abgesackt. Die Linke verlor 1810 Stimmen an die SPD, dazu 830 an die Piraten und 540 an die Grünen.

Auf dem äußersten rechten Flügel hat zwar Pro NRW erheblich zugelegt. Immerhin 1438 Wähler gaben ihr die Stimme. Im gleichen Maße aber hat die NPD, die in der Kommunalwahl 2009 Mandate im Kreistag und im Viersener Stadtrat für sich verbuchte, Stimmen eingebüßt. Die Tierschutzpartei verbuchte immerhin 1218 Voten.

Unter "ferner liefen" kamen die beiden Direktkandidaten der Freien Wähler und der "Partei" ins Ziel. Georg Alsdorf aus Kempen, der einst der CDU angehörte, kam im Wahlkreis 52 auf 525 Stimmen. Rund die Hälfte davon verbuchte er in Kempen — diese Stimmen fehlten dem neuen Landtagsabgeordneten der CDU, Dr. Marcus Optendrenk, um in der Thomasstadt vor der SPD zu bleiben. Der Lobbericher wird von der Familie Alsdorf und ihren Anhängern für die Entmachtung des ehemaligen Kreistagsabgeordneten Rudolf Alsdorf nach der Kommunalwahl 2009 verantwortlich gemacht. Alsdorf senior hatte die CDU daraufhin mit seinem Sohn im Schlepptau verlassen.

Und möglicherweise hat Optendrenk auch Stimmen in der Thomasstadt als Folge dessen verloren, dass er und nicht die Kempener CDU-Vorsitzende Eva Theuerkauf Ende März mit der Landtagskandidatur bedacht wurde.

(RP)