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Kita-Betreuung: SPD fordert Ausweitung der Kita-Zeiten

Kita-Betreuung : SPD fordert Ausweitung der Kita-Zeiten

Die SPD-Fraktion beantragt, die Randzeiten-Betreuung in Brüggener Kindergärten zu verbessern. Berufstätige Eltern berichten davon, wie schwierig es ist, Job und Kind unter einen Hut zu bekommen. Ohne die Oma geht es oft nicht

Wenn Eltern Vollzeit arbeiten und die Kinder im Kindergarten sind, müssen sie gut organisieren können. Diese Erfahrung macht Astrid Berten täglich. Sie hat eine dreijährige Tochter und arbeitet wie ihr Mann in Vollzeit. Wenn der Kindergarten „Hampelmann“ in Bracht um Viertel nach sieben öffnet, bringt Astrid Berten die Tochter hin und fährt dann weiter zur Arbeit nach Düsseldorf. Bis sie dort angekommen ist, ist es 9 Uhr. Um 18 Uhr macht sie Feierabend, um 19 Uhr ist sie wieder in Bracht – viel zu spät, um die Kleine vom Kindergarten abzuholen. Denn im „Hampelmann“ ist um 16.15 Uhr Schluss.

Deshalb sieht der Wochenplan bei Bertens so aus: Montags und mittwochs holen Oma und Opa das Mädchen vom Kindergarten ab, dienstags und donnerstags kommt Papa, freitags die Uroma. „Ohne meine Eltern geht derzeit nichts“, sagt die 27-Jährige. In anderen Familien sei das ebenso: „In unserer Nachbarschaft wohnen drei Omis, die ihre Enkel vom Kindergarten abholen und einspringen, wenn das Kind krank ist oder Ferien sind.“

Die SPD-Fraktion will nun in Brüggen dafür sorgen, dass Kindergärten länger öffnen. „Zur besseren Förderung von Beruf und Familie gehört heutzutage auch eine bedarfsorientierte Kinderbetreuung“, begründet der Fraktionsvorsitzende Gottfried Optenplatz den Antrag. Neu geschaffene Kindergartenplätze reichten nicht aus: „Aus Sicht unserer Fraktion werden so genannte Betreuungsrandzeiten, die mit normalen Öffnungszeiten in Kindergärten nicht übereinzubringen sind, nicht bedacht oder abgedeckt.“

Deshalb hat die SPD beantragt, in den Kitas eine Betreuung anzubieten, die über die normalen Zeiten hinausgeht und zu prüfen, wie groß der Bedarf in der Gemeinde ist. Sie möchte, dass dies auch für die Grundschul-Betreuung geprüft wird. Der Antrag der SPD ist Thema in der Ratssitzung am Dienstagabend. Die Gemeindeverwaltung empfiehlt dem Rat allerdings, das Thema nicht weiter zu verfolgen – die Bedarfsplanung für das Betreuungsangebot in Kitas sei Sache des Kreisjugendamts. Auf das Thema Randzeitenbetreuung solle das Kreisjugendamt bei der Vorstellung des nächsten Bedarfsplanes in Brüggen eingehen.

Laut Gemeindeverwaltung sind die Kitas in der Gemeinde Brüggen in der Regel von 7.15 bis 16.15 Uhr geöffnet, das Familienzentrum Vennmühle bietet von 7 bis 17 Uhr eine Betreuung an. In den Familienzentren würden darüber hinausgehende Betreuungswünsche regelmäßig abgefragt, berichtet die Gemeindeverwaltung, doch bislang seien lediglich im Einzelfall Wünsche vorgebracht worden.

Auch das Kreisjugendamt schätzt den Bedarf, Kinder in Randzeiten betreuen zu lassen, als gering ein. Unter Randzeiten versteht der Kreis Viersen eine Betreuung zwischen 6 und 7 Uhr sowie 18 und 22 Uhr unter der Woche, außerdem eine Betreuung an Wochenenden, Feiertagen und nachts. Der Bedarf sei so gering, dass man keine Kita belegen könne – selbst wenn man die Kinder aus allen fünf Kommunen, die dem Kreisjugendamt angeschlossen sind, zusammennehmen würde. Hinzu kommt das Personalproblem: Es müssten mindestens zwei Erzieherinnen da sein, die Arbeitszeit von zehn Stunden darf nicht überschritten werden. Fazit: Brauchen Eltern über die Kita-Öffnungszeiten hinaus eine Betreuung, empfehle das Kreisjugendamt eine Tagespflege.

Auch Bianca Mertens (34) würde sich flexiblere Kita-Öffnungszeiten wünschen. Sie und ihr Mann arbeiten beide Vollzeit. Sie fährt 55 Kilometer zur Arbeitsstelle, er 80. Deshalb fährt er ganz früh am Morgen, sie bringt die Kleine zum Kindergarten. Dann holt er das Kind am Nachmittag ab, sie kommt später nach Hause. Hat er Termine, springt Oma ein. „Ich bin voll auf Oma angewiesen“, sagt Bianca Mertens. Bei Familie Tolls funktioniert die Betreuung der anderthalbjährigen Zwillinge derzeit nur deshalb, weil ihr Mann in Elternzeit ist, erklärt Hanna Tolls (32). Sie arbeitet im Schichtdienst in der Pflege. Im kommenden Jahr sollen die Zwillinge in den Kindergarten gehen. Er öffnet frühestens um 7.15 Uhr – für Hanna Tolls beginnt die Frühschicht aber um 6.30 Uhr.