Schwalmtal: Solarbad wird für Wehrübung evakuiert

Schwalmtal: Solarbad wird für Wehrübung evakuiert

Für eine Übung der Schwalmtaler Feuerwehr wurde am Samstagabend das Schwimmbad an der Schulstraße geräumt. Jugendliche spielten Badbesucher und Saunagäste, die von den Wehrleuten nach einem Chlorunfall gerettet wurden

"Achtung, durch einen technischen Defekt ist es notwendig, dass Sie das Solarbad sofort verlassen. Bitte bewahren Sie Ruhe." Die Durchsage am Samstag um 18.10 Uhr im Waldnieler Bad ruft rund 40 jugendliche Schwimmer der DLRG-Ortsgruppen Schwalmtal und Niederkrüchten auf den Plan: Sie ziehen sich aus dem Wasser, werfen sich ein Handtuch über die Schulter und gehen nach draußen zur Liegewiese.

Von Panik keine Spur. "Wir haben die Jugendlichen natürlich eingeweiht, dass es sich um eine Feuerwehr-Übung handelt und sie quasi Models sind", sagt Badleiter Gerd Klingen. Der 63-Jährige hat mit dem Waldnieler Löschzugführer Toni Pascher folgendes Szenario entwickelt: Bei einem Flaschenwechsel kippt eine Gasflasche um, giftiges Chlorgas tritt aus. Das Bad muss evakuiert werden. Weil das Gas in nördliche Richtung zur Friedenstraße strömt, müssen die Badgäste die Halle in südliche Richtung zur Schillerstraße hin verlassen.

Dort kommt sechs Minuten nach der Alarmierung ein leerer KVS-Bus an. Busfahrer Klaus Wirtz öffnet die Türen, die halbnackten Schwimmer machen es sich drinnen bequem und beobachten die Blaulicht-Szenerie auf der Straße. Dort sind zeitgleich mit dem Bus drei Feuerwehrfahrzeuge um die Ecke gebogen: ein Tanklöschfahrzeug, ein Gerätewagen Logistik sowie ein Kommandowagen. "Alles im Griff", sagt Einsatzleiter Pascher, während die Kameraden die Logistik aufbauen für die "Rettung".

35 Feuerwehrleute waren am Samstagabend mit sieben Fahrzeugen in Waldniel im Einsatz. Wehrleiter Dirk Neikes zog danach eine positive Bilanz. Foto: Küppers Axel

Was der Einsatzleiter im Blick hat: In der Sauna des Solarbades im Souterrain ist noch ein halbes Dutzend Jugendliche, die die Durchsage nicht mitbekommen haben, weil sie mit Kopfhörern über ihr Smartphone Musik hören. "Im Ernstfall kann die Sauna zur tödlichen Falle werden. Chlorgas ist schwerer als Luft und kriecht am Boden entlang", erläutert der Schwalmtaler Wehrleiter Dirk Neikes. Drei Einsatzkräfte holen die Jugendlichen aus der Sauna und bringen sie über die Liegewiese zum Bus. "Heute ist es zum Glück warm. Wenn wir minus 20 Grad haben, haben wir natürlich Decken zur Verfügung", berichtet Neikes.

Gleiches gilt für die Messung des Gas-Austritts. "Wir wissen, dass das Atemgift mit Ätz- und Reizwirkung ausweicht. Aber die genaue Konzentration misst unser ABC-Einsatzwagen." Über die Leitstelle in Viersen ist die ABC-Einheit alarmiert. Im Ernstfall wäre das Spezialfahrzeug in wenigen Minuten da.

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Derweil baut die Schwalmtaler Wehr von der nördlichen - der gefährlichen - Seite ein Chlorgas-Bekämpfungs-Szenario auf. Dazu gehört auch eine Wasserwand, die das entweichende Chlorgas bremst und verhindert, dass an der benachbarten Europaschule, in der Seniorenresidenz oder in der Nachbarschaft Menschen das Gift einatmen. Mit Atemschutzmasken und grünen Schutzanzügen kämpfen sich Feuerwehr-Techniker zu der Stelle vor, wo die Flasche leck geschlagen ist. Der "Schaden" ist schnell behoben, die Flasche ist wieder dicht. Prokuristin Angela Blohm-Wassermann und Vorstand Dirk Lankes von den Schwalmtalwerken sind beeindruckt, wie professionell die "Froschmänner" vorgehen.

All das beobachten Jochen Trumm und Sebastian Rzepka aus dem Einsatzleitwagen, der östlich des Unfallherds "Am Zoppenberg" vor der Gärtnerei steht. Sie koordinieren den Einsatz. "Es sind jetzt 35 Feuerwehrleute und sieben Fahrzeuge im Einsatz", erklärt Trumm. Auch die großräumigen Absperrungen funktionieren, die Zahl der Schaulustigen hält sich erfreulicherweise in Grenzen.

Um 18.54 erklären Neikes und Pascher die Übung für beendet. "Keine Verletzten, in einer halben Stunde alles abwickelt - kürzer geht's nicht", lautet das positive Resümee des Wehrleiters. "Alles super gelaufen", sagt strahlend auch der Einsatzleiter, der jetzt nassgeschwitzt den Helm abnehmen kann.

Am Ende bedanken sich die Verantwortlichen vor allem bei den DLRG-Jugendlichen, die geduldsam als "Statisten" mitgespielt haben. Grillwurst und Cola, die hinterher am Badeingang aufgetischt werden, haben sie sich redlich verdient.

(kuek)