So viel EU steckt im Kreis Viersen

Europawahl 2019 : So viel EU steckt im Kreis Viersen

Wanderwege in Nettetal, Stadtentwicklung in Viersen, Städtepartnerschaft in Brüggen – in vielen Projekten stecken Fördergelder der EU. Und: Die Menschen im Kreis Viersen profitieren überdurchschnittlich stark vom Binnenmarkt.

Wenn über die EU gesprochen wird, scheint das immer weit weg. Dabei ist die Europäische Union längst im Kreis Viersen angekommen. Jüngstes Beispiel: die Städtepartnerschaft von Brüggen und Beesel. „Dafür haben wir 25.000 Euro Fördergelder der EU abgerufen“, berichtet Beatrix Schuren, Fördermittelmanagerin der Burggemeinde. Gleich 2,6 Millionen Euro schwer war ein dreijähriges Digitalprojekt, für das am Freitag Bilanz gezogen wird: Sieben niederländische und fünf deutsche Gemeinden – darunter auch Niederkrüchten und Brüggen – waren in die Entwicklung eines Kulturführers für den Naturpark Schwalm-Nette. In Viersen investierte die EU Millionen in die Aufwertung der Südstadt. „Da hingen Schilder: EU-Fördergebiet“, erinnert sich Stadtsprecher Frank Schliffke. Und in Nettetal denken gewiss viele tausend Besucher an die Veranstaltung „Genuss am See“ zurück, indirekt gefördert durch das EU-Entwicklungsprogramm für den ländlichen Raum. „Die Stadt Nettetal profitiert von EU-Fördermitteln insbesondere im Rahmen der euregionalen Förderung“, heißt es bei der Verwaltung. „So wurden beispielsweise im Bereich der Stadt Nettetal unter anderem die Beschilderung von Wanderwegen, die Inszenierung der Motte Alt Kricken und die Nordkanalroute gefördert.“

Wie viele Agarsubventionen in den Kreis Viersen fließen, darüber gibt die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung auf Euro und Cent genau Auskunft. Die jüngsten verfügbaren Zahlen stammen aus dem Jahr 2017. Damals erhielten 171 Landwirte in der Stadt Viersen Fördergelder der Europäischen Union – von 307,74 Euro bis zu 254.406 Euro. Insgesamt flossen fast zwei Millionen Euro aus Brüssel in die Bauernhöfe der Stadt Viersen, macht im Schnitt pro Betrieb 11.670 Euro. Die in fast allen Fällen gewährte „Basisprämie“ ist ein finanzieller Ausgleich für die weit höheren Umweltschutz-, Tierschutz- und Verbraucherschutzstandards in der EU im Vergleich zu den Produktionsauflagen von Mitbewerbern auf dem Weltmarkt. Darüber hinaus können Landwirte eine Prämie bekommen, wenn sie dem Klima- und Umweltschutz förderliche Landbewirtschaftungsmethoden anwenden. In der Liste der Bundesanstalt taucht übrigens auch der Landrat auf – 34.120 Euro gingen im Jahr 2017 an den Kreis Viersen aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums.

Doch neben den Projektförderungen profitieren die Einwohner des Kreises Viersen auch ganz allgemein vom Binnenmarkt der EU. Sogar überdurchschnittlich, wie eine Erhebung der Bertelsmann-Stiftung zeigt: 1134 Euro betrage der Pro-Kopf-Einkommensgewinn in der Region Düsseldorf, zu der auch der Kreis Viersen zählt, heißt es in der Studie. Zum Vergleich: Deutschlandweit erhöht der EU-Binnenmarkt laut Studie das Pro-Kopf-Einkommen um 1046 Euro.  

„Gerade als Landkreis in direkter Nachbarschaft zu den Niederlanden hat die EU für uns viele Vorteile – vom grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt über gemeinsame Natur- und Umweltschutzprojekte bis hin zum Telefonieren ohne Roaming-Gebühren“, sagt Landrat Andreas Coenen (CDU).

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