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So steht es um den Hohen Busch und die Süchtelner Höhen in Viersen

Süchtelner Höhen : Wie sich der Wald in Viersen verändert

Nach Stürmen, Dürre und Borkenkäferplage ist die Lage in Viersen kritisch. Der Stadtförster sieht im Neuanfang aber auch eine Chance.

Stadtförster Rainer Kammann sieht keine andere Möglichkeit, als optimistisch zu sein. „2020 wird gut“, sagt er also und steuert sein Auto weiter über die matschigen Waldwege auf den Süchtelner Höhen in Viersen. „Ich weiß nicht, wie es sonst weitergehen soll“, fügt er an, während er an kahl wirkenden Landstücken vorbei fährt, auf denen vor ein paar Monaten noch Dutzende Fichten standen. Um Viersens Wald steht es schon jetzt nicht gut, „die Lage ist an vielen Stellen kritisch“, sagt Kammann. Folgt jetzt noch so ein Jahr wie die vergangenen beiden, mit Stürmen, Borkenkäferplage, wochenlangem Warten auf Regen – ach, das will sich der Stadtförster gar nicht ausmalen. Da denkt er lieber positiv: „Wir haben jetzt die Möglichkeit, aus der Not eine Tugend zu machen und dem Wald ein neues Gesicht zu geben.“

Im Auftrag der Stadt Viersen ist derzeit mal wieder ein Unternehmer im Wald unterwegs, der vom Borkenkäfer geschwächte Fichten fällt. „Das ist schon bitter“, sagt Kammann dann doch resiginiert: „Wir hatten es 30 Jahre lang geschafft, die Fichten hier zu halten. Ende 2020 stehen davon vielleicht noch zehn Prozent.“ Wie viele Bäume das sind? „Wir zählen in Festmeter stehend Holz. Vor Sturm Friederieke im Januar 2018 hatten wir 12.000 Festmeter Fichte“, erläutert der Stadtförster. Bleiben demnächst wohl also etwa 1200. Im Gegenzug forsten Kammann und seine Mitarbeiter weiter mit anderen Baumarten auf. Vor allem auf den Süchtelner Höhen sind sie unterwegs, am Hohen Busch ist die Lage nicht ganz so kritisch: Dort sei der Anteil der Nadelbäume wie eben Fichten geringer, erklärt der 62-Jährige. Allerdings seien am Hohen Busch im Sommer wegen der langen Dürre einige 150 bis 170 Jahre alten Buchen komplett abgestorben. Am Heiligenberg auf den Süchtelner Höhen seien ebenfalls Altbuchen betroffen. „Trockenstress verursacht bei Bäumen auch Grünastabwurf“, erklärt Kammann. Und so hatte im September 2019 die katholische Gemeinde St. Clemens Süchteln sogar die alljährliche Irmgardisoktav auf dem Heiligenberg absagen müssen, aus Sorge, dass Besuchern herabstürzende Äste auf die Köpfe fallen könnten.

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Im Frühjahr 2019 wurden in Viersen bereits 18.000 Laubbäume gepflanzt, weitere 17.000 sollen bis Ende März 2020 dazu kommen, kündigt Kamman an. Im Wildgehege auf den Süchtelner Höhen stehen außerdem 11.000 eingetopfte Nadelbäume, die in zwei bis drei Jahren gepflanzt werden, wenn sie ein Stück gewachsen sind. Auch im Winter 2020 sollen wieder 15.000 bis 20.000 Bäume gepflanzt werden, „dann müssten die Flächen größtenteils wieder zu sein“, schätzt der Stadtförster. „Wir setzen nach wie vor auf heimische Baumarten“, sagt er. „Aber 50 Prozent werden Exoten sein“, ergänzt Kammann und nennt als Beispiele Esskastanie und Traubeneiche. Wichtig ist dabei vor allem, dass die neuen Bäume gut mit Hitze und Trockenheit zurecht kommen. Der Wald in Viersen wird also in den kommenden drei Jahren deutlich jünger, deutlich anders aussehen. Das sei auch für Laien leicht erkennbar, sagt Kammann. Damit Spaziergänger, Jogger und Radler  aber auch zukünftig noch Vertrautes auf den Süchtelner Höhen sehen, ältere Bäume wieder kräftiger werden, ist eins jetzt erstmal besonders wichtig: „Es muss im Winterhalbjahr viel regnen“, betont der Stadtförster. Er geht einfach Mal optimistisch davon aus, dass in den kommenden Wochen viel Wasser von oben kommt. Doch den Borkenkäfer als Bedrohung für die letzten verbliebenen Fichten kann er nicht ausblenden, da fehlt ihm der Optimismus: „Der kommt wieder.“