So reagieren die Bürgermeister auf die angekündigten Filialschließungen der Sparkasse Krefeld

Kreis Viersen : Reaktionen auf Filialschließungen

Bedauern, aber auch Verständnis: So reagieren die Bürgermeister auf die Ankündigung der Sparkasse Krefeld, sieben Filialen im Westkreis zu schließen. Es gibt aber schon eine Idee, wie das Kreditinstitut den Kommunen helfen kann.

Die Ankündigung der Sparkasse Krefeld, sieben Filialen in Viersen, Nettetal, Brüggen, Niederkrüchten und Schwalmtal im Frühjahr 2020 zu schließen, hat bei viele Kunden verärgert. „Gerade die Filiale an der Löhstraße hatte sogar bessere Öffnungszeiten als die Hauptstelle“, sagte ein Kunde aus Viersen. „Da werden sich nun auch viele Geschäftskunden abwenden.“ Die Entscheidung, die Filiale zu schließen, sei  „völlig unverständlich“.

„Seit Jahren verweigert die Sparkasse notleidenden Kommunen die Überschussbeteiligung. Nur so könne sie sicherstellen, dass sie in der Region mit ihren Filialen vertreten sei. Die Sparkassenführung interessiert sich nur für den Profit.“ Britta Pietsch Kreissprecherin Die Linke. Foto: Die Linke

Angesichts der Niedrigzins-Phase und eines veränderten Kundenverhaltens – Kunden suchen deutlich seltener als früher die Filialen auf, erledigen Überweisungen online – hatte die Sparkasse am Donnerstag erklärt, dass sie insgesamt 19 Filialen im Kreis Viersen sowie in Krefeld und Geldern schließen wird. Bereits ab nächstem Monat werden viele der betroffenen Geschäftsstellen nur noch vormittags öffnen.

Kalle Wassong, parteiloser Bürgermeister von Niederkrüchten, sagt: „Ich bedaure, dass die Filiale in Niederkrüchten geschlossen wird. Da tut sich ein Problem auf, gerade für ältere Menschen und alle, die bei ihren Bankgeschäften nicht auf Online setzen.“ Frank Gellen (CDU), Bürgermeister von Brüggen, spricht von einer „wichtigen Infrastruktureinrichtung in Bracht, die nun wegfällt“. Er äußerte aber auch Verständnis für die Entscheidung des Kreditinstituts: „So traurig das ist: Das Nutzungsverhalten hat sich geändert, und die Sparkasse ist auch ein Wirtschaftsunternehmen.“

„Eine wichtige Infrastruktureinrichtung in Bracht geht verloren. So bedauerlich das ist: Die Sparkasse ist auch ein Wirtschaftsunternehmen, und das Nutzerverhalten der Kunden hat sich verändert.“ Frank Gellen (CDU) Bürgermeister Brüggen. Foto: Busch, Franz-Heinrich sen. (bsen)

Britta Pietsch, Kreis-Sprecherin der Linken, warnte vor den Folgen der Filialschließungen: „Der Rückzug aus der Fläche bringt massive negative Folgen für die Bürger.“ Der Abbau öffentlicher Infrastruktur ende oft damit, dass auch der letzte Bus in die Region gestrichen wird. Pietsch: „Die Verödung ganzer Landstriche darf nicht der Preis für satte Gewinne eines öffentlich-rechtlichen Kreditinstituts sein. Die Sparkasse muss sich ihrer Verantwortung für die Region und die Menschen im Kreis Viersen stellen – und das jetzige Filialnetz erhalten.“ Schließlich habe der Vorstand immer erklärt, er könne den Kommunen keine Gewinne ausschütten, um das dichte Filialnetz aufrechtzuerhalten.

Günter Syben, Ortsvorsteher in Nettetal-Schaag, äußert Verständnis für die Entscheidung der Sparkasse: „Für sie lohnt sich eine Filiale in Schaag nicht.“ Mal würden Kunden Überweisungen abgeben, mal Kontoauszüge drucken, aber das Meiste spiele sich online ab. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es für Schaag ein großer Verlust ist.“ Er hofft, dass ein Geldautomat erhalten bleibt. Als mögliche Nachnutzung bringt er eine Bäckerei mit Café ins Spiel.

Heinrich Ophoves, Ortsvorsteher in Nettetal-Hinsbeck, sagt: „Wenn wir nicht in die örtlichen Geschäfte hineingehen, können wir nicht erwarten, dass sie erhalten bleiben.“ Auch er hofft, dass anschließend ein Café in die Sparkassen-Räume kommt. „Der Kletterwald kommt nach Hins­beck, und wir wollen das Textilmuseum ortsnah haben, für das ein neuer Ort gesucht wird.“

Die Bürgermeister von Brüggen, Niederkrüchten und Schwalmtal haben bereits eine Idee, wie aus dem Verlust der Filialen vielleicht doch noch etwas Gutes entstehen könnte. „Die Sparkasse hat ein großes Maßnahmenpaket angekündigt, wie sie ihre Serviceleistungen auch weiterhin vor Ort anbieten will“, sagt Gellen. Gemeinsam mit Schwalmtals Bürgermeister Michael Pesch (CDU) und Wassong favorisiert er einen anderen Weg. Wassong erklärt: „Wir wollen ein individuelles Mobilitätsangebot schaffen, so dass ältere Menschen zum Arzt, zum Einkaufen oder zur Bank kommen.“ Der Bürgermeister sagt: „Ich erwarte auch, dass die Sparkasse Krefeld das unterstützt.“

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