1. NRW
  2. Städte
  3. Viersen

So lief die erste Woche im Handel in Viersen, Nettetal, Brüggen und Schwalmtal

Shopping im Kreis Viersen : Corona-Krise: Was die Kunden wollen

In der ersten Woche nach dem Lockdown war die Viersener Innenstadt rappelvoll. In den kleineren Gemeinden des Westkreises blieb es leerer. Der Elektronik-Fachmarkt Expert in Viersen bereitet sich auf die Wiedereröffnung vor.

So voll wie in dieser Woche hat Julia Kessler die Viersener Innenstadt eigentlich nur zu einem Zeitpunkt erlebt: „Das war ein Ansturm wie vor Weihnachten“, sagt die Verkäuferin von Jeans Fritz. „Die Leute haben viel anprobiert und auch viel gekauft. Wir hatten sehr viel zu tun.“

Diese Einschätzung teilen zahlreiche Einzelhändler entlang der Fußgängerzone: Nach dem wochenlangen Lockdown genossen die Menschen, in den geöffneten Läden zu stöbern – und auch zu kaufen. Waren am Montag Maskenträger noch die große Ausnahme, änderte sich von Tag zu Tag das Bild: Am Freitag hatte schon nahezu jeder dritte Passant einen Mund-Nasen-Schutz dabei.

Ebenfalls eine Erkenntnis der ersten Woche: Das Abstandsgebot von anderthalb Metern wird immer häufiger nicht beachtet – ob beim schnellen Vorbeischlängeln im Geschäft oder beim Plausch mit Bekannten auf der Straße. Ab Montag sind die Masken beim Einkaufen und in Bussen und Bahnen Pflicht.

Auf Montag freut sich schon Christiane Müllers, Filialleiterin von Expert in Viersen. Weil das Ladenlokal eine Verkaufsfläche von 1600 Quadratmetern hat, durfte der Markt bisher nicht öffnen. In den vergangenen Tagen haben die Mitarbeiter die Verkaufsfläche abgetrennt, ab Montag gilt auch für Geschäfte jenseits von 800 Quadratmetern Verkaufsfläche, dass sie öffnen dürfen, wenn die Fläche auf 800 Quadratmeter reduziert wird. „Theoretisch dürften wir 80 Kunden gleichzeitig ins Geschäft lassen“, berichtet Müllers. Sie habe sich allerdings, nicht zuletzt zum Schutz der Mitarbeiter, dazu entschieden, dass sich höchstens 40 Kunden im Ladenlokal aufhalten dürfen.

In Nettetal freuen sich die Menschen, wieder in die Geschäfte gehen zu können. In der Kaldenkirchener Fußgängerzone sei wieder mehr Leben, viele trügen bereits jetzt einen Mundschutz. Das sind die Beobachtungen von Claudia Willers, Vorsitzende von Kaldenkirchen aktiv. Es gebe eine positive Stimmung, bestätigt Astrid Stelzer, die an der Kehrstraße ein Geschäft für Herrenoberbekleidung führt. Ihre Kunden kauften ein bis zwei Teile mehr als sonst. Überrascht ist sie, wie viele Männer in dieser besonderen Woche Lust auf Farbe bewiesen haben.

Im Spiel- und Schreibwarenladen Leuf ist Thomas Leuf mit den Umsätzen in dieser Woche zufrieden. Aber es sie hätten nichts mit normalen Umsätzen zu tun. Der Vorsitzende des Werberings Lobberich, sieht in der Innenstadt eine gewisse Zurückhaltung. „Die Leute rennen uns nicht die Bude ein.“ Die Frequenz in den Fußgängerzonen auf dem Lande seien eben nicht mit Großstädten wie Köln oder Düsseldorf zu vergleichen.

 Viele Geschäftsleute in der Fußgängerzone in Brüggen haben seit der Wiedereröffnung gut zu tun. Die Menschen kaufen ein, nutzen aber auch die Zeit zum Plaudern. „Die Menschen sehnen sich nach Alltag und dem normalen Leben“, hat Kerstin Markus, Mitarbeiterin der Parfümerie Becker, beobachtet.  Gefragt seien alle Produkte von der Pflege bis zum Parfüm. Nina Hesse in der Buchhandlung am Klostereck hat eine stärkere Nachfrage beobachtet: „Wer kommt, kauft direkt mehrere Bücher.“ Gefragt seien insbesondere Bastel- und Beschäftigungsbücher für Kinder. So sei ein Buch mit Bastelanleitungen für Klopapierrollen über mehrere Tage ausverkauft gewesen. Geändert habe sich der Geschmack nicht, meint Hesse: „Wer gern Krimis liest, tut dies auch weiterhin.“ Der Klassiker „Die Pest“ von Albert Camus habe sie zwar vorrätig; haben wollte ihn bisher keiner.  „Hauptsächlich Stammkunden“ haben bis jetzt den Herrenmodenladen von Horst Schmitter aufgesucht. Da der Sonntagseinkauf in Brüggen zurzeit verboten ist, würden Kunden fehlen. „Am Sonntag musste man nur einen Ständer mit kurzärmeligen Händen raustellen, am Abend waren die weg“, sagt Schmitter. Zudem fehlten die Einkäufe für den Urlaub.  Der Zulauf im „Nähwerk“ und der angeschlossenen Kreativkiste sei gut, sagt Mitarbeiterin Iris Helmer: „Viele Kunden kaufen Wolle und Anleitungen, um etwas Neues auszuprobieren.“ Auch die Kreativkiste, in der Hobbykünstler ihre Werke anbieten, lade zum Schauen ein. Dort gibt es zurzeit auch noch Stoffmasken. (Stückpreis: fünf Euro).

In Schwalmtal hat die Bleichermühle als Einrichtungshaus seit Montag wieder geöffnet. Der Zulauf sei gut, sagt Heike Beyer vom Team. „Viele Leute fahren nicht weg. Statt in den Urlaub investieren sie  in ihr Zuhause und machen es sich dort schön.“ Gefragt seien etwa Gartenmöbel Sonnenschirme oder Artikel rund ums Grillen.