Skulpturlabor vom 23. Juni bis 4. August zur Feier des 30-jährigen Bestehens der Skulpturensammlung Viersen

Ausstellung in Viersen : Kunst aus dem Skulpturlabor

Die Viersener Skulpturensammlung besteht seit 30 Jahren. Zum Jubiläum sind ab Sonntag in und an der städtischen Galerie im Park Werke elf junger Kunstschaffender zu sehen.

Klare Linien und ein Satinweiß prägen das Stahlmonument, das in verhaltener Farbgebung im prallen Kontrast zum raumgreifenden, leuchtend roten Blickfänger „New Star“ am Kreishaus in Viersen steht. Die vier Meter hohe und sechs Meter breite Skulptur der Kunstgenerator-Stipendiatin Justyna Janetzek hat ebenfalls Potenzial zum Blickfang, der über sich hinausweist. Sie ist Teil des „Skulpturlabors“, das am Sonntag, 23. Juni, zum 30-jährigen Bestehen der Viersener Skulpturensammlung eröffnet wird.

Janetzek assoziiert über den Titel „Stairs and stripes“ im Wortspiel mit Bezug auf die US-amerikanische Flagge einen weiteren Stern in der Skulpturensammlung. Zugleich verweist sie auf ein Architekturdetail. Ihre Arbeit vor der leichten Anhöhe zum Diergardtplatz korrespondiert über Struktur und Blickachse mit der geschwungenen Außentreppe des Kreishauses. „Janetzek hat gerne einen Ansatzpunkt für ihre Kunst. Sie lenkt den Blick bewusst von der Straße hier hoch und greift die vorhandene Perspektive auf“, sagt Kunsthistorikerin Jutta Pitzen über das Werk. Sie unterstützte mit „dem halben Festhallenteam“ die Aufstellung des Monuments durch Fachkräfte der Viersener Metallgestaltung Safranek.

So charakteristisch das Objekt auf der Wiese beim Kreishaus für das Schaffen der jungen Künstlerin ist, markiert es doch eine Premiere. Denn erstmals ließ sie eine Arbeit nach ihren Vorlagen anfertigen. „Eigentlich baue ich sonst selbst, da ich ja auch Bildhauerin bin und viel in Metall arbeite“, sagt die zierliche junge Frau. „Ich habe mich in den letzten Monaten in Viersen mit dem Kreishaus und den Strukturen hier beschäftigt auf der Suche nach dem, was mich stört oder inspirieren könnte. Die Treppe hier hat eine Funktion und sieht doch aus wie ein Fremdkörper, eine eigenständige Skulptur“, erklärt die Stipendiatin. Die Treppe dient ihr als Readymade. Eine 3-D-Simulation betont in der Konzentration den Bezug zwischen Vorgefundenem und künstlerischer Reaktion. Die Einheit manifestiert sich in der Verwandtschaft von Linien und Struktur. Die Stipendiatin zielt mit ihrer Arbeit auch ab auf den Diskurs über Kunst im öffentlichen Raum. Dazu leistet am kommenden Sonntag ebenso Stefanie Klingemann einen Beitrag mit ihrer Eisskulptur, deren Lebensdauer naturgemäß stark befristet ist.

Skulpturlabor, 23. Juni bis 4. August, Auto mit Bällen von Rebekka Benzenberg und Sven Dirkmann. Foto: Jutta Pitzen

Auf Einladung von Stadt und dem Verein für Heimatpflege werden zum Skulpturlabor rund um und in der Galerie Werke von elf jungen Kunstschaffenden zu sehen sein. Beteiligt sind Künstler, die zu Beginn der Skulpturensammlung noch nicht geboren waren. Die meisten werden in und außerhalb der Galerie durch ihre Werke vertreten sein, Janetzek aber wird voraussichtlich nur die eine Außenarbeit zeigen. Denn sie bestreitet als Stipendiatin im kommenden Jahr ihre große Ausstellung.

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