Schwalmtal: Skulpturen verleihen dem Garten Flair

Schwalmtal : Skulpturen verleihen dem Garten Flair

Die Künstlerin Heidrun Pielen hat sich in ihrem Garten in der Schier ein Paradies auf 2600 Quadratmetern geschaffen. Rostige Objekte aus Fundstücken, Buchsbäume und ein Teehäuschen sind zauberhafte Blickfänger.

Zwei geöffnete Zangen bilden zwei Schwalben im Flug. Drei aufeinandergesetzte Hufeisen werden von zwei Händen gehalten, "Paragraphenhalter" nennt Heidrun Pielen diese Skulptur. In ihrem Garten in der Schier hat die Künstlerin zahlreiche dieser Skulpturen aufgestellt. Eines haben die Objekte gemeinsam: Sie sind rot vom Rost, und sie sind aus Metallteilen hergestellt, die Pielen irgendwo gefunden hat. Ob bäuerliches Gerät oder Werkzeug, Eisenteile vom Schrottplatz oder Reststücke, die in einer Schlosserei anfallen - alles kann Pielen verwerten. Für sie die Hauptsache: Dass die Stücke rosten können. Lackierte Stücke und rostfreier Edelstahl nützen ihr nichts. Denn sie überlässt die Skulpturen in ihrem Garten der Natur.

Regen und Sonne sorgen im Laufe der Zeit dafür, dass die Skulpturen diese wunderbar unebene, je nach Blickwinkel immer anders wirkende Oberfläche bekommen, die man Rost nennt. Werden und Vergehen werden so an den Skulpturen sichtbar. "Das Metall verrottet und verfällt irgendwann zu Staub", sagt Pielen, "so wie wir. Dünnes Blech geht den Gang der Dinge." Die Ästhetik der Vergänglichkeit interessiert die Künstlerin, ebenso wie der Rost selbst: "Der Rost hat so viele unterschiedliche Farben, so kann kein Maler malen", sagt Pielen. Sie liebt es, über die Wiese zu streifen und die Skulpturen zu bewundern: "Wenn der Regen die Skulpturen nass macht und die Sonne sie wieder trocknet, das ist wunderschön."

Zum ersten Mal hat Heidrun Pielen in diesem Jahr an der Aktion "Offene Gartenpforte", zu der die Stiftung Schloss Dyck jährlich Gartenbesitzer mit besonders sehenswerten Gärten aufruft, teilgenommen. Von der Resonanz war die Künstlerin überwältigt: "Es waren bestimmt 170 Besucher da, viele kamen mit dem Fahrrad." Es wird sicherlich nicht das letzte Mal gewesen sein, dass sie ihren Garten für diese Aktion geöffnet hat.

Ihren Skulpturengarten hat Pielen auf der alten Pferdeweide gestaltet. Die Pferdeweide lag hinter dem Hausgarten, dort lebten viele Jahre zwei Pferde. Als die starben, legte die Künstlerin den Skulpturengarten an. "Dort stelle ich hin, was mir lieb und wert ist", sagt sie. In der Erinnerung an die Pferde sind im Skulpturengarten die Hufeisen zu neuen Ehren gekommen - als Teil der dort rostenden Kunstwerke, so wie die drei Hufeisen, die übereinandergelegt das Paragraphenzeichen bilden. Dort, wo früher der Pferdestall war, hat Pielen nun ihr Atelier, in dem sie an den Bronzeskulpturen arbeitet, die viele Kunstfreunde aus der Region durch Ausstellungen kennen. Auch im Atelier wird ihre Liebe zu Dingen, die eine Geschichte haben, zu Dingen, denen man eine frühere Verwendung ansieht, spürbar. Die Balken des Pferdestalls wurden für den Atelierbau wiederverwendet, an anderer Stelle wurden Stallbalken zu einem Regal zusammengesetzt. "Ich will nichts wegwerfen", sagt Pielen, und das gelte für die Stallbalken ebenso wie für die Bestandteile ihrer Rostskulpturen oder die alte Baumwurzel, die im Atelier auf dem Boden liegt und eine kleine Bronzeskulptur trägt. Im Garten werden ausgegrabene Baumwurzeln zu Plätzen, an denen sich Insekten wohlfühlen.

Im Garten fühlt sich in einer Ecke, die Pielen "La Kompostella" nennt, auch die Brennessel wohl - dort am Komposthaufen tummeln sich daher im Sommer zahlreiche Schmetterlinge. "Ich will keinen aufgeräumten Garten", sagt Pielen, "der darf nicht gebügelt sein. Die Natur muss sichtbar sein, und der Garten muss für sich sein dürfen. Für mich ist der Garten keine Fortsetzung des Wohnzimmers, in dem alles ganz ordentlich ist."

So hat sie sich entschieden, einen pflegeleichten Garten anzulegen, in dem die Natur Platz hat. Große Rhododendren, die Waldsteinie als Bodendecker und Buchskugeln, die Pielen selbst mit der Schere rund schneidet, stehen dort. Es gibt einen kleinen Teich, viele alte, hohe Bäume, einen kleinen Naschgarten mit Obst, und daneben Fingerhut und Akelei, die bunt blühen und keine Arbeit machen. "Die putzen sich selbst und säen sich an anderer Stelle wieder aus", erzählt die Künstlerin. Und das dürfen sie auch, denn "mit dem Fingerhut kommen auch die ganzen Hummeln".

Dass viele Tiere gern in ihren Garten kommen, beobachtet Heidrun Pielen mit Freude. Manche Tiere nutzen dazu nicht nur die Pflanzen, sondern auch die Skulpturen. Eine Arbeit, deren Mittelteil ein rostiges Rohr bildet, nutzt regelmäßig ein Meisenpaar als Kinderstube. Gern sieht die Künstlerin den Vogeleltern beim Ein- und Ausflug in diese Skulptur zu. Irgendwann werden die Jungen flügge und verlassen ihr rostiges Zuhause. Die alten Metallteile, die andere wegwarfen, sind ihnen in diesem Garten für einige Wochen Heimat gewesen.

(RP)
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