Kriminalität im Kreis Viersen So sind Senioren klüger als Betrüger

Service | Viersen · „Mama, Papa - ich hatte einen Unfall und brauche sofort Geld!“ Mit solchen Schockanrufen sind Betrüger auch im Kreis Viersen immer wieder aktiv. Besonders bei älteren Menschen. Was Senioren gegen Betrug stärkt.

 Zum ersten Mal hatten die Polizei im Kreis Viersen und die Sparkasse Krefeld zur einer Info-Veranstaltung für Senioren eingeladen. Das Thema interessiert: 290 Menschen kamen.

Zum ersten Mal hatten die Polizei im Kreis Viersen und die Sparkasse Krefeld zur einer Info-Veranstaltung für Senioren eingeladen. Das Thema interessiert: 290 Menschen kamen.

Foto: Buschkamp

„Haben Sie auch schon einmal eine WhatsApp-Mitteilung bekommen, in der Ihr vermeintliches Kind eine neue Telefonnummer mitgeteilt hat?“ Als Britta Färvers, Kriminalkommissarin der Viersener Kriminalprävention, am Mittwoch im Bürgerhaus Dülken diese Frage stellt, melden sich viele der 290 Senioren im Publikum.

Sie wollten sich bei der neuen Veranstaltungsreihe „Klüger gegen Betrüger“ informieren, wie sie sich vor Betrügern am Telefon, an Handy und PC sowie an der Haustür schützen können. Zum ersten Mal hatten die Sparkasse Krefeld und die Polizei im Kreis Viersen dazu eingeladen. Beide Partner planen weitere Termine. Auch im Kreis Viersen vergehe kein Tag, an dem nicht ältere Menschen Opfer von Betrügern werden, warnten Jochem Dohmen, Vorstand der Sparkasse Krefeld, und Ulrike Herbold, Kripo-Chefin im Kreis Viersen. Die Opfer, so Herbold, erlitten seelisches Leid, verlören nicht nur viel Geld, sondern etwa mit dem Familienschmuck auch Erinnerungsstücke. Davor könnten ausschließlich Informationen schützen.

 Britta Färvers, Expertin für Kriminalprävention bei der Kreispolizei Viersen, warnte vor den Tricks der Betrüger: „Sie wollen Ihr Geld!"

Britta Färvers, Expertin für Kriminalprävention bei der Kreispolizei Viersen, warnte vor den Tricks der Betrüger: „Sie wollen Ihr Geld!"

Foto: Buschkamp

Es geht um Ihr Geld

Die Täter sind Profis, psychologisch geschult, und ändern immer wieder ihre Methoden, warnt Polizistin Färvers. „Ihr Ziel ist dabei immer gleich: Sie wollen Ihr Geld!“ Die jüngste Betrugsmasche, die kürzlich öfter im Kreis Viersen auftauchte: Unbekannte geben sich am Telefon als Geldinstitut-Mitarbeiter aus, um an Erspartes zu kommen.

So manipulieren die Betrüger

Britta Färvers beschreibt das Muster: Die Täter erschleichen sich das Vertrauen, etwa durch seriöse Kleidung und höfliches Auftreten an der Haustür. Sie bitten um ein Glas Wasser, die WC-Nutzung oder einen Anruf, beuten die Hilfsbereitschaft aus. Und sie setzen massiv unter Druck. Das bekannteste Beispiel: Schockanrufe, in denen einem Familienmitglied in Not nur sofort Geld helfen kann. Die Anrufer geben sich entweder als Kind in Not aus („Mama, Papa - kannst du mir helfen?“), als Polizeibeamte oder Staatsanwälte. Damit versetzen sie ihren Opfern einen Schock. Diese wollen nur noch eines: helfen. Und zahlen bereitwillig.

.... und so reagieren Sie am Telefon richtig

Ignorieren Sie Telefonnummern wie die 110 im Display. Lassen Sie sich im Zweifel vom Anrufer den Namen nennen und rufen Sie selbst die Polizei an. Geben Sie Unbekannten keine Auskünfte über Ihr Vermögen oder Bank-Daten. Wird dies verlangt, legen Sie sofort auf. Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen, sofort etwas tun zu müssen, ziehen Sie im Zweifel eine Vertrauensperson hinzu. Über einen Anrufbeantworter ist man für Unbekannte nicht erreichbar: „Betrüger rufen nicht nochmal an“, so Britta Färvers.

Niemals!

Niemals sollte man Fremden Geld oder Wertsachen übergeben; auch dann nicht, wenn sie sich als Boten oder Mitarbeiter von Polizei, Staatsanwalt, Gericht oder Geldinstituten ausgeben. „In Deutschland müssen Sie niemals eine Kaution nach einem Unfall zahlen oder für eine lebensnotwendige Behandlung in Vorleistung treten“, betont die Polizistin.

Vorsicht mit sensiblen Daten

Sebastian Ditges, Bereichsleiter medialer Service bei der Sparkasse Krefeld, warnte vor Betrügern. „PIN und TAN sind Ihr Geheimnis“, appellierte er. Diese sollten niemals mitgeteilt werden. Weder ein Geldinstitut noch Behörden würden diese sensiblen Daten jemals am Telefon oder per E-Mail abfragen, machen Ditges und Färvers deutlich.

Sichere Websites erkennen

Online-Banking sei solange sicher, bis jemand die Zugangsdaten herausgebe. Diese sollte man für sich behalten - genauso wie seinen Haustürschlüssel. Oft werde über vermeintliche Bank- oder Firmen-Websites Datenklau betrieben, so Sebastian Ditges. „Ein Hinweis auf eine seriöse Seite: Ein Schloss oder ,https‘ in der Adresse“, sagte er.

Achtung, Taschendiebe!

Britta Färvers gab auch Ratschläge, um sich vor Taschendieben zu schützen. Eine notwendige Information. Denn im Kreis Viersen gab es 2023 mit 230 Taschendiebstählen fast 23 Prozent mehr solcher Straftaten als im Jahr zuvor (187). „Taschendiebe nutzen Leichtsinn aus. Machen Sie es Ihnen so schwer wie möglich“, riet die Expertin.

Was gegen Taschendiebe hilft:

Ihre Tipps: Weder Bargeld noch Bank- oder Kreditkarten leicht erreichbar in der Handtasche oder bei Männern in der hinteren Hosentasche tragen. Brustbeutel oder Gürtel verwenden, die nah am Körper getragen werden. Oder kleine Taschen, die unter einen Mantel passen. Wer am Wochenmarkt mal eben Handtasche oder Geldbörse offen auf dem Rollator oder am Rad liegen lasse, könne ebenso rasch zum Opfer werden wie alle, die Wertsachen im geparkten Wagen, etwa am Friedhof, zurücklassen.

Und wenn man betrogen wurde?

„Keine Scham“, sagt Britta Färvers. Besser als Schweigen sei, sich an die Polizei zu wenden und eine Anzeige zu erstatten (Ruf 110 oder 02162 3770 im Kreis Viersen). Bankkarten sollte man sofort über die zentrale Nummer 116 116 sperren und die Polizei informieren, damit die Karte auch für das Lastschriftverfahren gesperrt wird.

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