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Seltene Sanddünen im Brachter Wald werden gerettet

Ungewöhnliche Landschaft im Brachter Wald erhalten : Brachter Wald: Seltene Sanddünen retten

Sanddünen und Borstgrasflächen sind in NRW eine Rarität, sie sind auch Lebensräume für den unter Artenschutz stehenden Ziegenmelker. Deshalb rollen jetzt im Naturschutzgebiet Brachter Wald die Bagger an. Was dort geplant ist.

In ganz Nordrhein-Westfalen gibt es nur noch wenige Sanddünen und Heide. Dies sind die Lebensräume für den vom Aussterben bedrohten Ziegenmelker, aber auch für Zaunechsen und Schlingnattern. Diese biologischen Raritäten findet sich etwa im Naturschutzgebiet Brachter Wald. Was manchem Spaziergänger schon aufgefallen ist: Dort rollen jetzt die Bagger an. Mit ihnen werden die seltenen Landschaften wie Sanddünen und Heide wiederhergestellt. „Das Gebiet weist auch eines der wenigen Borstgras-Vorkommen im Flachland von Nordrhein-Westfalen auf“, erläutert Peter Kolshorn, Biologe der Biologischen Station Krickenbecker Seen, eine weitere Besonderheit.

Seit wenigen Tagen wird auf einer sieben Hektar großen Fläche mit Binnendünen, Sandheide und Trockenrasen im Naturschutzgebiet Brachter Wald gebaggert. „Voraussichtlich beendet sein werden die Arbeiten in drei bis vier Wochen, auf jeden Fall aber vor dem Beginn der Brutzeit Anfang März“, sagt der Biologe.

Im Brachter Wald werden jetzt unterschiedliche Arbeiten ausgeführt. Zum einen werden laut Kolshorn „ein paar hundert Nadelbäume“ wie Kiefern und Lärchen auf einer Fläche von fünf Hektar komplett entfernt oder aufgelichtet. Laubbäume wie Eichen oder Buchen in diesem Bereich bleiben unangetastet.

Zum anderen werden an den Dünenkuppen der vergraste Oberboden und die Humusstreu entfernt.  Das Ziel: Der feine Sand der Dünen soll wieder zum Vorschein kommen, offene Sandflächen sollen entstehen. „Dieses Plaggen entspricht einer uralten Form der Landnutzung“, erläutert Peter Kolshorn. Heute geschehe es natürlich mit Maschinen.  Außerdem werden die Heideflächen von kleinen Kieferbüschen befreit, die dort im Laufe der Zeit wachsen.

Für dieses Projekt arbeitet die Biologische Station  Krickenbecker Seen mit der Bezirksregierung Münster und der NRW-Stiftung zusammen. Ansgar Reichmann, Leiter der Bio-Station, begrüßt das mit EU-Mitteln geförderte Projekt: „Damit bietet sich uns die einmalige Chance, die seltene Dünen-Vegetation wiederherzustellen.“ Auf diese Weise werde die Biodiversität, also die Vielfalt von Pflanzen und Tieren, gefördert.

Das Vorhaben im Brachter Wald gehört zu dem knapp 17 Millionen Euro schweren Integrierten Life-Projekt „Atlantische Sandlandschaften“, das in NRW und Niedersachsen umgesetzt wird. Dafür hat die Bezirksregierung Düsseldorf rund 100.000 Euro eingeplant.

Mit der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Viersen und dem Regionalforstamt Niederrhein wurden die Arbeiten abgestimmt. Eigentümerin der Fläche ist die NRW-Stiftung. Es ist ihre mit Abstand größte Liegenschaft. „Der Schutz wertvoller Naturräume gehört zu den Kernaufgaben der NRW-Stiftung“, sagt deren Präsident Eckhard Uhlenberg. „Dabei können wir zusammen mit unseren Partnern einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten.“

Peter Kolshorn rechnet damit, dass bereits im Sommer an den Rändern der Fläche Veränderungen erkennbar sind. Doch bis Pflanzen wie Silbergras oder Tiere wie Ziegenmelker, Zaunechse und Schlingnatter dort wieder anzutreffen sein werden, werden „noch zwei bis drei Jahre“ vergehen. Eine spezielle Pflege der wiederhergestellten Dünen ist nicht geplant.  Dafür sorgen tierische Landschaftspfleger wie Schafe, Ziegen, Galloway-Rinder oder das freilebenede Damwild.

  Ihr gesunder Appetit ist unverzichtbar, um Heide, Magerrasen und lichte Wälder offenzuhalten und um zu verhindern, dass die Flächen mit Büschen zuwachsen.