Seit fünf Jahren kämpft das Team des Repair Cafés Viersen um mehr Nachhaltigkeit.

Viersen : Mit viel Geduld gegen die Wegwerfkultur

Seit fünf Jahren kämpft das Team des Repair Cafés Viersen um mehr Nachhaltigkeit. 20 Männer und Frauen bieten jeden ersten Samstag im Monat an, Kleingeräte und Kleidung zu reparieren.

„Mein Standmixer sagt gar nichts mehr“, erklärt Jutta Lautermann. „Und der CD-Player spielt auch nicht mehr.“ Ein Fall für Manfred Buscher. Lautermann und Buscher kennen einander bereits: Letztes Mal hat sich Manfred Buscher alle erdenkliche Mühe gegeben. Aber ihre Geräte scheinen immer nur Spezialschrauben zu haben. Immerhin: Der Toaster, den sie zuletzt zum Reparieren mitbrachte, habe noch mal drei Wochen lang funktioniert.

Manfred Buscher ist Teil des Teams des Repair Cafés Viersen. Unter dem Motto „Wegwerfen? Denkste!“ kämpfen an jedem ersten Samstag im Monat insgesamt fast 20 Männer und Frauen darum, dass Drucker, Nähmaschinen, Laubsauger, Kettensägen, Bügeleisen, aber auch Kleidungsstücke eine Lebensverlängerung erhalten. Das Repair Café ist dann von 14 bis 17 Uhr im Raum 101 der Kreisvolkshochschule Viersen zu finden.

Und das seit fünf Jahren. Angela und Willi Gillissen haben 2014 das Repair Café Viersen gegründet. Es ist Teil einer internationalen Gemeinschaft, die 2007 in Amsterdam von Martine Postma gegründet wurde. Das Viersener Repair-Team bildet formal eine Teilgruppe von „Viersen 55plus: Miteinander-Füreinander“. 55plus übernahm dann auch die Anschubfinanzierung . Den Raum stellt die Kreisvolkshochschule kostenfrei zur Verfügung.

In den vergangenen fünf Jahren haben 622 Besucher ihre defekten Geräte ins Repair Café gebracht. 323 davon konnten erfolgreich repariert werden, das sind mehr als 50 Prozent. In 14 Prozent der Fälle konnte die Reparatur, so Gillissen, nicht gelingen, weil die notwendigen Ersatzteile fehlten.

Vor dem Raum 101 der Volkshochschule stehen einige Stühle. „Oft nehmen dort die Wartenden Platz“, berichtet Gillissen. Eine Empfangsdame teilt zunächst ein Formular aus, auf dem der Name und der zu reparierende Gegenstand eingetragen werden. Eine Haftungsbegrenzung muss noch unterschrieben werden, dann kann es losgehen.

Buscher hat für das Problem Standmixer mittlerweile seinen Kollegen Werner Heidel mit ins Boot geholt. Gemeinsam diskutieren sie ausführlich über die Art des Schraubendrehers, der sie in die Tiefen des Standmixers führen könnte. Viele, auch die hochwertigen Geräte, so kommt es den Männern des Repair Cafés vor, scheinen so gebaut zu sein, dass sie irreparabel sind. Genau das ist es, was sie anspornt. Sie lassen sich nicht entmutigen. „Da sind ein paar ganz Geduldige dabei“, erklärt Angela Gillissen. Peter Voß gesellt sich zu Busch und Heidel und hat tatsächlich den passenden Schraubendreher zur Hand.

„Am liebsten würde ich noch ein wenig bleiben.“ Diesen Satz, so Gillissen, höre sie oft. Die Atmosphäre sei einfach gemütlich. Es gibt Kaffee und Kuchen, es wird viel erzählt und gelacht. „Wir leisten Hilfe zur Selbsthilfe und finden gemeinsam heraus, wie wir das Problem lösen können“, erklärt Egon Strommeyer. Etwas zu reparieren, statt es wegzuwerfen, gehöre zur Mentalität der älteren Generation, glaubt Gillissen. Diese Mentalität wird ganz aktuell Nachhaltigkeit und Schonung der Ressourcen genannt.

Übrigens: Nach zwei Stunden tatkräftigen Einsatzes war der Standmixer von Jutta Lautermann wieder funktionstüchtig. Die Mühe hat sich gelohnt.

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