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Schwalmtaler schreibt Buch über Pilger-Erlebnisse

Lebenserfahrung als Buch : Beim Pilgern zu sich selbst gefunden

Alexander Arnold aus Schwalmtal war 13 Tage unterwegs. Was er auf dieser Tour erfahren hat, will er in einem Buch weitergeben. Tipps für die Wander-Praxis gibt es darin auch.

Wärme, Regen, Knie- und Rückenschmerzen – Pilgern ist keine Pauschalreise zur Erholung. Es kann aber auch süchtig machen und zu neuen Erkenntnissen führen. Davon kann der Schwalmtaler Alexander Arnold (50) erzählen. Soeben hat er die Erinnerungen und persönlichen Gedanken an seinen „Camino“ in dem Buch „Pilgern ohne Smartphone“ herausgebracht.

Gestartet ist Arnold am 1. Mai 2019 in der Stadt Matosinhos, nordwestlich von Porto am Atlantik. Nach 13 Tagen und etwa 400 zurückgelegten Kilometern schloss er seine Wanderung am „Ende der Welt“, im galizischen Fisterra, ab. Während dieser Zeit notierte Arnold seine Gedanken und Eindrücke in einem Reisetagebuch. „Ohne Smartphone“ pilgern und damit ohne ständige Ablenkung, das war ihm wichtig. Aus den Aufzeichnungen entstand das Taschenbuch „Pilgern ohne Smartphone!“

Was er von Wanderung mitgenommen hat, das beschreibt der 50-Jährige so: „Eins habe ich ganz besonders erkennen dürfen: In was für einer wunderschönen Welt wir eigentlich leben und welche Möglichkeiten uns der Planet bietet. Die Symbiose zwischen der Natur und dem Menschen ist so wichtig. Das zu verstehen und zu erkennen, ist die Herausforderung, vor der wir stehen.“

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Bevor sich Alexander Arnold auf den beschwerlichen Weg machte, hatte er einen steinigen beruflichen und privaten Weg beschritten. Wenn der Schwalmtaler mit niederländischem Pass über sein Leben erzählt, hört es sich eher wie ein Dauer-Sprint an: Bevor seine Familie sich, als er 15 Jahre alt war, in Schwalmtal niederließ, war sie – bedingt durch den Beruf des Vaters – bereits fast ein Dutzend Mal umgezogen. Arnold schloss die Schule ab, machte eine Ausbildung als Textilmaschinendrucker, begann aber bald als Selbstständiger für den Eventbereich zu arbeiten. Aufregende, anstrengende und arbeitsintensive Jahre folgten, die ihn über fast vier Jahre nach China, Südkorea, Russland, Süd- und Nordamerika brachten  – Jahre, in denen er Schwalmtal höchstens mal beim Heimaturlaub sah. Der Wunsch nach einem geregelten Leben führte ihn zurück an den Niederrhein. Ein Haus, eine Hochzeit, neue Jobs folgten. Jobs, die den ganzen Menschen forderten, Jobs, in denen „alle an mir zerrten“. Irgendwann merkte Arnold: „Irgendwas ist nicht in Ordnung.“ Er scheute sich nicht, therapeutische Hilfe anzunehmen. „Sie sind durch“, hieß es.

Sechs Wochen Borkum ohne Nachdenken über Projekte, ohne E-Mails und Handy folgten. Ebenso wie die Trennung von seiner Frau und ein neuer Job. Aber immer noch war nicht alles gut.

Und Arnold sagte sich: „Ich mache, was ich am besten kann: laufen.“ Und er lief den kleinen Camino. „Nicht ein Weg des Weglaufens sollte es werden,“ erklärt Arnold, sondern ganz bewusst zu mir selbst.“ Die Wanderung gemeinsam mit seinen vorherigen Erfahrungen haben ihn, so erzählt Arnold, ruhiger und achtsamer gemacht. Auf dem Pilgerweg ist er bis an seine körperlichen Grenzen gegangen. „Ich gehe jetzt bewusster durchs Leben und höre besser auf meinen Körper. Ich habe gelernt, loszulassen und auch mal nein zu sagen. Materielle Werte sind mir nicht mehr so wichtig. Natürlich läuft dieser Prozess noch.“

Für wen das Buch gedacht ist? „Für die Menschen, die sich nicht trauen, für Menschen, die mal in eine Pilgerwanderung hineinschnuppern wollen.“ Eine angehängte Packliste hilft bei praktischen Fragen. Wird er weiterwandern? „Eine Fortsetzung ist definitiv in Planung“, bekräftigt Arnold.

Info „Pilgern ohne Smartphone!“ ist bei Books on Demand erschienen. 275 Seiten, 14,99 Euro.