Schwalmtal: Wie Pferde den Kindern im Bethanien Kinderdorf helfen

Schwalmtal: Wie Pferde den Kindern im Kinderdorf helfen

Auf der „Kidoranch“ stehen Pferde, Ponys und Esel für heilpädagogisches Reiten bereit. Für die Kinder sind die Tiere Freunde

Vier Pferde, zwei Ponys und ein Esel leben  auf der „Kidoranch“ des Bethanien Kinderdorfes in Waldniel. Alle Tiere sind speziell ausgebildet und ermöglichen den Kindern und Jugendlichen ein besonderes heilpädagogisches Angebot. „Das Reiten steht dabei nicht im Vordergrund“, erläutert Reitheilpädagogin Vera Weyers (36). Vielmehr gehe es um die Förderung spezieller Bereiche beispielsweise Konzentration, aber auch soziale Kompetenz oder Gruppendynamik. „In den Stunden lernen die Kinder, Konflikte zu lösen, Verantwortung zu übernehmen und Probleme auszuhalten.“

Wer nicht arbeitet, reitet auch nicht. Jeder muss bei der Stallarbeit helfen. Gleichzeitig lasse diese bereits viele Förderungsmöglichkeiten, etwa in der Motorik, zu, erklärt Weyers. Insgesamt leben 130 Kinder und Jugendliche im Kinderdorf, 23 Drei- bis 17-Jährige können derzeit das Angebot nutzen. „Es gibt Einzel- und Gruppenstunden sowie eine offene Reitstunde, da wir ansonsten nicht alle interessierten Kinder unterkriegen“, sagt Weyers.

Die Auswahl der Förderangebote im Kinderdorf ist groß: „Wir bieten auch schulische Zusatzförderung, Musikpädagogik sowie eine Freizeitwerkstatt an“, erzählt Anna Leister, Sprecherin der Bethanien Kinderdörfer gGmbH. Aber die „Kidoranch“ ist nach wie vor ein Favorit, erklärt Weyers: „Der Bedarf ist groß, teilweise stehen 30 Kinder auf der Warteliste.“ Kein Wunder, denn Pferde, Ponys und Esel sind Freunde und Wegbegleiter der Kinder. In der Ausbildung hat jedes Tier gelernt, sofort stehenzubleiben, wenn ein Kind schief auf seinem Rücken sitzt. Auch hat jedes Tier eine besondere Aufgabe: Haflinger „Strauchdieb“, mit 23 Jahren schon im Rentenalter, ist der Seelsorger. „Oft sitzen die Kinder bei ihm, erzählen von ihrem Kummer, und er legt seine Nase auf ihren Rücken“, berichtet Weyers. Pony „Flip“ ist der perfekte Partner für ängstliche Kinder. „Flip liebt Kinder und war schon in Kindergarten-Gruppen mit 40 Kindern.“ Shetlandpony Willi hingegen sei ein richtiges Pony, also eher dickköpfig, und hole Kinder auf den Boden der Tatsachen zurück. „Auf der anderen Seite ist es toll für das Selbstbewusstsein mancher Kinder, wenn man Willi soweit gekriegt hat, ruhig mit einem zu gehen.“

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Esel „Stanley“ lehrt Geduld. Das graue Pony „Hope“ ist gemütlich, lieb und sanft, laut Weyers ein echtes „Wellnesspferd“. Die Traberstute „Feil“ dient als Voltigierpferd: Sie ist nicht nur geländesicher, sondern auch „herzensgut“. Das große Warmblut „Winston“ ist ein Dressurpferd, auf ihm können die Kinder alle reiterlichen Lektionen lernen. Außerdem sei er so lieb, dass Weyers selbst die Kleinsten im Schritt auf ihm reiten lassen kann. Die jüngsten Reiter auf der „Kidoranch“ haben 2017 mit zwei Jahren in der Voltigiergruppe angefangen. „In dieser Gruppe sind drei entwicklungsverzögerte Kinder, es geht also darum, die Spiele den Kindern anzupassen“, so Weyers.

Wer meint, mit Pferden, Ponys und Esel sei der Tierpark des Kinderdorfs groß genug, irrt: In Kürze kommt  „Kalle“, ein Berner Sennenhund, hinzu. „Zurzeit wird er zum Projekthund für Bildungseinrichtungen ausgebildet“, erzählt Anna Leister.

Bis der Neuzugang kommt, haben die Kinder noch einige Kaninchen zum Kuscheln. „Es ist unglaublich, wie lange selbst laute oder aggressive Kinder mit einem Langohr auf dem Schoß sitzen können“, sagt Weyers lächelnd. „Die Tiere spiegeln die Kinder sehr gut, man merkt schnell, welche Kombinationen gut passen“, sagt sie. So auch beim Reiten: Ein nervöses Kind bekomme ein ruhiges Pferd, ein Kind, das mal „angestupst“ werden müsse, ein forscheres Tier.

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