Schwalmtal: wie ganz Vogelsrath zum Trödelmarkt wurde

Schwalmtal : Flanieren und finden: Ganz Vogelsrath trödelt

„Ein ganzes Dorf trödelt wieder“: Hunderte besuchten Vogelsrath, um nach alten Schätzchen und neuen Lieblingsstücken zu stöbern.

Für einen Sonntag wurde es im beschaulichen Vogelsrath mit seinen rund 500 Einwohnern richtig voll: Hunderte Trödelbegeisterte wollten durch das Dorf flanieren, das extra für den Verkehr gesperrt war. Stattdessen standen Tische aller Art vor den Häusern, randvoll mit Dachbodenfunden, Kleidung und einst geliebten, aber längst vergessenen Spielsachen.

Carina, eine junge Mutter aus Dilkrath, spazierte mit Mann und Sohn die Hauptstraße entlang. „Das ist ein schöner Sonntagsausflug“, sagte sie lächelnd. Stöbern wolle sie, vielleicht finde sie ja Spielzeug für den kleinen Paul. Der schlief erstmal im Tragetuch beim Vater und wird sich wohl später darüber freuen. Spielzeug der beiden Töchter hat Maria Ditrich nach draußen gestellt, ihre Schwiegermutter Silvia Simons steht vor einer riesigen Schale mit winzigen Überraschungs-Ei Figuren, zu haben für 25 Cent. Spielzeug werde gern gekauft, sagt die jüngere Vogelsratherin.

Linda Delhougne und Wolfgang Rollbrocker sammelten für Stolpersteine. Foto: Daniela Buschkamp

Vor vier Jahren hieß es erstmals in Vogelsrath: Autos raus, Trödel rein. Damals gab es rund 80 Stände bei der Premiere von „Ein nganzes Dorf trödelt“. Ein Traum war der Auslöser. Davon aufgewacht ist Birgit Dohmen, die zum Vorstandsteam des Vogelsrather Vereins „Schopp und Schüer“ („Schuppen und Scheune“) gehört. „Ich habe den Trödelmarkt geträumt und gedacht ,Das müsste man mal machen“, erinnert sich Birgit Dohmen.

Anprobe gefällig? Auch Spiegel für die Kunden fehlten nicht. Foto: Daniela Buschkamp

Unterstützerinnen fand sie für diese Idee bei Freundinnen aus Vogelsrath, die 2009 einen Verein gründeten und im selben jahr erstmals einen Herbstmarkt organisierten. Mit dabei im Vereinsvorstand sind neben Birgit Dohmen auch Hildegard Beckers, Bärbel Carmanns, Maria Theven, Birgit Genfeld, Irmgard von Gehlen, Renate Jacobs und Maria Quenzel. „Die Resonanz des ersten Trödelmarktes war toll und positiv“, sagte Dohmen. Bisher seien alle Weihnachtsmärkte auf dem Hof von Familie Beckers sehr stimmungsvoll gewesen und hätten derart viel Zulauf erhalten, dass sich der Verein über mehr als tausend Besucher freuen konnte.

Schmuckstücke aus Omas Vitrine: Sammeltassen und Gläser. Foto: Daniela Buschkamp

Mit dem zweiten Trödel ist sie zufrieden: „Auch gestern sind trotz des nicht ganz regenfreien Tages Hunderte unserem Trödelaufruf gefolgt“, sagt Dohmen. Vogelrath hätte sich in eine bunte, emsige Verkaufs- und Handelsmeile verwandelt. Auch am Sonntag hätten enigige noch spontan ihre Stände aufgebaut. Spenden wolle der Verein auch wieder, aber ohne Aufsehen. Tue Gutes und rede nicht drüber sei das Motto, ergänzt Renate Jacobs.

Kuchen und gegrilltes gab es am Hof von Familie Quenzel. Foto: Daniela Buschkamp/Daniela Buchkamp

Auf Spendersuche für die Stolpersteine sind Linda Delhougne und Wolfgang Rollbrocker. Ein altes Telefon und eine Glas mit Spenden sind bei ihnen der Hingucker. Sie hoffen auf ausreichend Geld, um einen der Stolpersteine des Kölner Künstler Gunter Demnig zu finanzieren. 120 Euro brauchen sie dazu.

Silvia Simons verkaufte in einer große Schale kleine Ü-Ei-Figuren. Foto: Daniela Buschkamp

Nur wenige Meter hat Familie Korbstein allerlei Besitztümer vors Haus gestellt. Vater Jürgen hat früher leidenschaftlich Golf gespielt. „Handicap 26,4“, sagt der Vogelsrather. Jetzt verbringe er die Zeit lieber mit der Familie. Und sucht deshalb einen Abnehmer für Golfwagen und Schlägerset. „Bälle gibt es auch dazu“, wirbt er im Verkaufsgespräch.

Ein Ausflug in die Kindheit: Superhelden-Comics und Lieblingspuppen. Foto: Daniela Buschkamp
Eine gut gelaunte Trödler-Gruppe waren (v.l.): Gertrud Bohnen, Franziska Weyer, Hermann-Josef Weyers und Herbert Bien. Foto: Daniela Buschkmp/Daniela Buschkamp

Gemütlich ist  es bei Gertrud Bohnen, dem Ehepaar Franziska und Hermann-Josef Weyers sowie Herbert Bien. Sie sitzen in Klappstühlen, lassen sich Kaffee und Kuchen schmecken, plauschen mit Besuchern oder untereinander. Einige Sachen aus dem Keller sind  auf die Straße gewandert. „Porzellan und Tischwäsche verkaufen sich gut“, sagt Franziska Weyers. Aber das Wichtigste, sind sich alle einig, sei die Gemeinsschaft. Und die sei im kleinen Vogelrath ganz groß.

Mehr von RP ONLINE